Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

04
Apr
2018

Ein neuer Kajütboden

Wieder mal war es lange still um uns und unsere alte Dame – eine lange Zeit mit sehr viel Arbeit und sehr wenig Zeit. Durch LOTTEs längeren Aufenthalt in der Werft war sie einen Monat später als gewöhnlich in ihrem Winterlager, und das bedeutet schon einmal 4 Wochenenden (= 16 Manntage) weniger als in den anderen Jahren.

Dazu kam, dass wir in diesem Winter mit sehr wenig Arbeit gerechnet hatten – aus diesem Grund hatten wir uns extra ein paar größere Projekte vorgenommen: Die Reparatur am Ruder und einen neuen Boden in der Kajüte.

In den letzten 10 Jahren war der alte Boden leider mehr und mehr auseinandergefallen, an den Seiten waren Teile herausgebrochen und in dem einen Seitenbrett tat sich ein knapp 1m langer Längsriss auf. Obwohl wir sehr für den Erhalt der Originalsubstanz sind, war hier nicht mehr viel zu retten; zumal der Boden mittlerweile auch nur noch knapp 11mm dick und damit recht wackelig war.

Als in der Werft neben den Kielbolzen auch zwei Spanten und einige Bodenwrangen erneuert werden mussten, litten darunter auch 2 der Auflager vom Boden – wir hätten sie zwar reparieren können, aber sie gaben den Ausschlag für eine Neukonstruktion. Unser Ziel war es, bei maximaler Optimierung, möglichst dicht am Original zu bleiben. So kamen die Auflager wieder an die alten Positionen, dieses Mal aber durch einen besseren Formschluss mit dem Boot weniger wackelig. Da wir die neuen Hölzer nicht mehr grau streichen wollen, wurden sie aus Magahoni gefertigt – hier kamen mal wieder die alten Fenster meines Vaters zum Einsatz.

Als ich für den Zuschnitt des Ruderblattes bei Matthias war, überfiel ich ihn auch mit den Lärchenbohlen für unseren neuen Boden – seine Kreissäge ist zum Besäumen wesentlich besser geeignet und sein Hobel hat die nötige Breite für alle Teile. Gemeinsam machten wir den Grobschnitt der beiden langen Seitenteile, trennten die Bohle für die Einlegebretter auf und hobelten alles auf 15mm Dicke. Beim Hobeln traten leider ein paar Wurmlöcher in der Fläche hervor, aber da der Boden in unserer dunklen Kajüte liegt und er eh sehr schnell ein paar Gebrauchsspuren aufweisen wird, verzichteten wir auf den Austausch der Bretter.

Während die Bodenbretter erstmal „eingelagert“ wurden, gingen die Arbeiten an den Auflagern parallel zu denen an Ruder, Rumpf, Lack, Elektrik und vielem mehr gut voran. Mit sehr viel Messen, noch mehr Probieren und vor allem einigen Schablonen zeichnete Robbi die Anpassungen an die einzelnen Hölzer und ich arbeitete diese dann in der Werkstatt aus – so entstand über 2 Wochenenden die Auflage für zwei perfekte Ebenen, eine in der Kajüte und eine im Cockpit. In dieser Zeit wurde auch ersichtlich, warum der alte Boden an den Rändern so gelitten hatte: Im Laufe der Jahrzehnte waren einige der alten – zum Teil nur geschraubten – Auflager einfach abgesunken und so stieß der Boden auf viele der Spanten oder Wrangen.

Nachdem alle Vorarbeiten erledigt waren, ging es an den neuen Boden. (Wir hatten extra viele der anderen Arbeiten vorgezogen, denn auch wenn er nicht mehr schön ist: zur Not hätte der alte Boden auch auf die neuen Auflager gepasst und die Saison hätte starten können.) Da wir die alten Teile ja noch hatten, brauchten wir keine komplizierten Schablonen zu bauen, wir versahen einfach die alten Bretter mit Klebeband und notierten darauf die notwendigen Änderungen: +3mm, -5mm,…

Als erstes waren die beiden Seitenbretter an der Reihe, das Ziel war ein formschlüssiger Abschluss zu den unförmigen Kojen sowie den hochstehenden Spanten und Wrangen. Zur Mitte sollten zwei gerade Seiten stehen bleiben, die möglichst gleichmäßig auf die Mitte vom Boot zulaufen. Obwohl uns solche konstruktiven Arbeiten unglaublichen Spaß machen, war es doch recht mühsam – immer wieder anpassen, messen, sägen, feilen, schleifen, …

Am Ende lagen aber beide Seiten perfekt, und wir konnten mit den Einlegebrettern beginnen.

Bei den Mittelbrettern war die Sache etwas anders, sie waren zwar relativ einfach zu bauen, aber wir waren uns nicht über ihre Anzahl und Konstruktion einig – sollten wir dem Originaldesign folgen, oder sollten wir die beiden großen Teile (zwecks des besseren Bilgezugangs) teilen? Nach langem hin und her entschieden wir uns für das Originallayout: zwei große Einlegeteile.

Als erstes bauten wir die ganz kleinen Bretter, die den Mast einfassen – hier zeigte sich mal wieder, dass auf LOTTE nichts symetrisch ist, unsere Mastschiene steht 0,5cm nebem der Mittelachse und ist um 4Grad gedreht. Eine weitere Herausforderung war der Ausschnitt für den Mast, denn ich habe über 20 Jahre auf ein „schiefes“ Loch geguckt und mich jedes Mal geärgert. So bauten wir eine Frässchablone aus MDF und endlich waren alle Rundungen gleich.

Der Zuschnitt der Bretter war mit Hilfe einer schienengeführten Handkreissäge schnell gemacht und so blieben nur noch ein paar kosmetische Fragen über, zum Beispiel die nach dem Durchmesser der Grifflöcher. Außerdem entschieden wir uns dazu, dieses Mal 3 Leisten für die Verstärkung zu nutzen, wir hoffen so auf etwas weniger Bewegung der einzelnen Bretter beim Betreten.

Am Ende haben wir uns auch gegen das Ausbohren der kleinen Astlöcher entschieden, jetzt sieht man dem kompletten mittleren Teil an, dass er aus einer Bohle gefertigt wurde – ein schöner Anblick!

Als nächster Schritt stand die Oberflächenbehandlung an und da wir von einigen Gebrauchsspuren ausgehen, war das vorrangige Ziel eine Tiefenversiegelung. Zu diesem Zweck bekamen beide Seiten jeweils 15 Lagen Owatrol D1, nass in nass. (Um nicht zuviel Zeit zu verlieren, ging es mit dem Prozedere in unserem Esszimmer weiter, hier war es zum tiefen Eindringen auch warm genug.)

Nach dem D1 folgten 3 Lagen verdünnter Bootslack, bevor wir dann in altbekannterweise zu dem 2k-Produkt übergegangen sind. Auf der Rückseite haben wir 3 Lagen gespritzt, auf der Oberseite waren es 8.

Jetzt härtet der Lack durch und am kommenden Samstag wird der neue Boden dann poliert und eingebaut – pünktlich zu unserem Krantermin am 13. April.

Kategorien: Winterarbeit

Ein Kommentar bisher.

  1. Hans-Georg sagt:

    Ich bewundere eure Geduld, mit der ihr an die Reparaturen und Erneuerungen herangeht – und dabei auch noch die Zeit habt, das alles bildlich festzuhalten.
    Ich freu mich schon auf die Törnberichte der kommenden Segelsaison!