Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

28
Dez
2017

Ein tiefer Eingriff

In den letzten Wochen war es recht still um LOTTE und daher auch auf dieser Website – LOTTE war zur Kur an der Schlei.

Seit uns vor einigen Jahren in der Welle nördlich von Ærø die Bolzen zwischen Kiel und Steven gebrochen waren, machten wir uns immer etwas Sorgen um die Kielbolzen. Diese dicken Bolzen halten das komplette Gewicht des Ballastkiels (knapp über 1t) und verteilen es über die Wrangen auf den Rumpf des Bootes.

Die Erzählungen und Bilder anderer Folkeboote ließen nichts Gutes erahnen – Eisenbolzen, die über 5 Jahrzehnte durch Eichenholz gehen und dabei auch immer wieder dem Seewasser ausgesetzt sind, neigen zum rosten. Als bei uns der Rost in der Bilge zu nahm, suchten wir uns einen Bootsbauer für den großen Eingriff, aber einfach war das nicht, die Auftragsbücher sind voll und jedem will man sein Boot ja auch nicht geben.

Als im Herbst dann das Folkeboot Saga, eins unserer Nachbarboote in Wackerballig, bei bestem Segelwetter auf der Flensburger Förde seinen Kiel verlor, machten wir Nägel mit Köpfen: Ein sehr gutes Gespräch mit Jo Vierbaum von der Bootsweft Stapelfeldt ließ uns einen Termin vereinbaren und so ging LOTTE im November in die Kur und wir fuhren nach Irland.

Noch vor unserer Abreise sollte der Kiel abgenommen werden, und diese Aktion ließ Robbi sich natürlich nicht entgehen – er fuhr an die Schlei und dort erlebten alle ein große Überraschung: Unsere Bolzen waren in einem fast perfekten Zustand!

Was den Zustand des Metalls anbelangte, so hätte man alles fast wieder zusammenschrauben können, so gut waren der Ballastkiel und auch die Kielsohle. Da der Kiel nun aber ab war, wollten wir auch alle anderen Bolzen ersetzen, die vom Kiel abgedeckt werden: vor allem hinten am Knie. Diese waren in weitaus schlechterer Verfassung und dann zeigten sich beim näheren Hinsehen auch einige morsche Wrangen und Spanten.

An einigen Stellen war das Holz schon so weich, dass es sich mit den Fingern zerbröseln ließ und daher mussten einige der Wrangen und zwei der Spanten neu. Diese Arbeiten dauerten dann doch eine Weile, aber da wir ja zu der Zeit in Irland waren, konnten wir ja eh nicht viel an unserer alten Dame machen.

Ende November war LOTTE dann fertig, aber wir hatten nicht nur wieder einmal ein Problem das passende Zugfahrzeug zu finden, sondern auch noch zwei Feiern an den angrenzenden Wochenenden. So blieb unsere alte Dame noch ein paar Tage an der Schlei, bis wir sie Mitte Dezember endlich in ihr Winterquartier bringen konnten.

Kategorien: Winterarbeit