Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

08
Jan
2018

Reparatur am Ruder

Schon direkt nach dem Kranen im Oktober hatte sich gezeigt, dass eine Stelle am Ruder nicht wirklich trocknen wollte. Nachdem wir die Farbe weg gekratzt hatten, fanden wir einen cirka 10cm langen Riss im unteren Teil des Ruderblatts, knapp eine Handbreit vom Rand entfernt.

Nach einem kurzen Gespräch mit Jo von der Bootswerft Stapelfeldt war klar, dass hier etwas geschehen musste. Wir einigten uns darauf, dass er ein Stück Eiche ins Boot legen würde und wir die Reparatur dann in Ruhe zwischen den Jahren selber durchführen.

Während meine Mutter dankbarerweise LOTTEs Außenhaut von Salz und Dreck befreite, befreite ich das Ruderblatt vollständig vom Antifouling. So konnten wir nicht nur eventuelle weitere Schäden besser sehen, es saut auch nicht alles mit dem roten Gift ein.

Dann überlegten wir, wie wir die schadhafte Stelle am besten vom Ruderblatt entfernen könnten… Mit der Stich- oder Bandsäge hätten wir hinterher zuviel anpassen müssen und durch die Verjüngung zum Ende des Ruderblattes wäre ein Schnitt mit der Handkreissäge auf einer Schiene nicht rechtwinklig gewesen…

So nahm ich, als wir das Holz für den neuen Boden aushobeln wollten, das Ruder mit zu Matthias und dieser schob es einfach über seine Kreissäge. Da wir das Ruder am Ruderkopf fixiert hatten, erhielten wir so einen korrekt gewinkelten Schnitt.

Jetzt mussten wir uns nur noch entscheiden, wie wir das neue Stück an das alte Blatt leimen wollten – durch den Wasserdruck am Ende des Ruderblattes kam eine stumpfe Leimung wie bei der alten Naht nicht in Frage. Gemeinsam entschieden wir uns für das DOMINO-Dübel-System von Festool und da Matthias nicht nur die kleine Fräse hat (wie wir), senkten wir noch in seinem Keller die Löcher für die 140mm Dübel. Bei dieser Länge gehen sie 7cm in beide Teile und bei einer Stärke von 12mm bricht da auch nichts ab.

Zurück in unserer Halle übertrugen wir die auszusägende Form auf das neue Brett und mit Hilfe einer Straklatte gaben wir dem Ende des Ruderblattes auch seine alte Form zurück. (Man konnte sehr genau sehen, an welchen Stellen in den letzten 6 Jahrzehnten mal zu viel geschliffen worden war.)

An der Bandsäge wurde die Form dann mit etwas Übermaß gesägt und dann konnten wir auch schon verleimen. Auch wenn die modernen Epoxidkleber schon sehr gut sind, so ist es immer etwas schwierig Eiche zu kleben, hier mal die einzelnen Schritte:

  1. Obwohl die Kanten an beiden Teilen sägerau waren, war das Material noch immer zu glatt. Für eine sichere Verklebung haben wir daher beide Teile mit einem alten Sägeblatt gut aufgeraut.
  2. Als nächstes wurden die Klebeflächen entfettet; hierzu gibt es entweder spezielle Entfetter oder man nimmt einfach Silikonentferner, dieser ist günstig (10€/5l) und wirkt stark entfettend. Wichtig ist es, dass die eingesetzten Lösungsmittel vor dem nächsten Schritt restlos vom Material abdampfen.
  3. Bevor die zu verklebenden Stücke zusammengesetzt werden, werden die Klebeflächen erstmal mit Epoxi eingestrichen. So kann der Kleber in das Material eindringen.
  4. Dann werden dem Epoxi feine Zellulosefasern als Füllstoff beigesetzt und die Klebeflächen damit bestrichen. Durch die Beimischung dieser Microfiber zum Harz wird, aufgrund der harzspeichernden Wirkung der Fasern, eine sehr gute fugenfüllende Wirkung erreicht, ohne die Benetzungs- und Eindringfähigkeiten des Harzes zu verschlechtern. Es wird ein sehr guter Verbund bei Klebeverbindungen sichergestellt, ohne dass es zu Harzanreicherungen kommt.
    Durch die faserige Struktur weisen Harzmischungen mit Microfiber außerdem eine höhere Schlagzähigkeit und höhere Zug-, Druck- und Biegefestigkeit als unverstärktes Harz auf.
  5. Für das Verkleben mit Epoxi sind, im Gegensatz zu herkömmlichem Leim, keine speziellen Drücke erforderlich, die Schraubzwingen werden lediglich für die Sicherstellung einer spaltfreien Verbindung benötigt.

Nachdem das Epoxi vollständig ausgehärtet war, mussten wir dem neuen Ruderblatt nur noch seine alte Form geben. Mit dem Elektrohobel wurden die Dicke und der Verlauf der Rundung grob in Form gebracht und dann folgte mit dem großen Bandschleifer die Feinarbeit.

Nachdem beide Seiten des Ruders an der Klebestelle ihre finale Dicke und am Rand ihre endgültige Rundung hatten, zeichneten wir den Verlauf des Mittelpunkts der späteren äußeren Kante auf und arbeiteten die Form mit Hobel und Schleifer aus.

Danach stellten wir das Ruder hochkant, denn nun waren Handarbeit und häufiges „Peilen“ notwendig – hier zeigte sich wieder einmal: Es ist etwas ganz anderes eine neues Stück zu bauen als etwas neues in etwas altes zu integrieren. Kein Maß ist mehr genau, im Laufe der Jahre sind Formen und Kanten verloren gegangen und so muss man mit viel Gefühl an die Sache heran gehen.

Ganz zum Schluss, 2018 begann ja mit frühlingshaften Temperaturen, bekam das Ruder schon die ersten 10 Lagen Öl und wartet jetzt auf den ersten Lack im Überwasserbereich und den ersten Primer unterhalb der Wasserlinie.

Kategorien: Winterarbeit