Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Wandertag (9/VIII)

Wir schliefen lange, und als wir das Prasseln von Regen auf unserem Kajütdach hörten, drehten wir uns noch einmal um. Erst als die Sonne schon hoch am Himmel stand krochen wir aus unserer Koje, verholten LOTTE auf einen besseren Liegeplatz und machten uns ein ordentliches Frühstück.

Die Boote, die Richtung Fredericia durch den Sund liefen, machten rasende Fahrt, draußen war mächtig Wind. Wir schnappten uns unsere Kameras und zogen los, immer entlang des Wassers. Unser Ziel waren die Überreste der Festung Hindsgavl und die hübsche Landschaft des Sunds.
Wenn man sich immer auf den Trampelpfaden am Wasser hält, dann läuft man um die Halbinsel gute 20km, wenn man bis zur Marina und dann über Middelfart wandert, eine schöne Strecke bei dem tollen Wetter. Obwohl der Wind mächtig an den Bäumen rüttelte, war es in der Sonne schön warm und so ließen wir uns viel Zeit, machten viele Bilder und pausierten bei einem Bier in der Marina.
Als wir Middelfart erreichten, trafen wir uns dort mit Steff und zusammen verbrachten wir einen phantastischen Abend auf LOTTE, nur unterbrochen von einer Photosession mit dem genialen Vollmond, der blutrot über Middelfart aufging.

 

Nach Süden (10/VIII)

Von Kongebro aus wollten wir wir uns auf der Festlandseite des Kleinen Belts nach Süden hangeln, dort gibt es mehr Häfen und man ist bei drohendem West auch einfach geschützter. Wie so oft segelten wir einfach los und bei jedem Hafen entschieden wir weiter zu segeln; so ging es vorbei an Hejlsminde und Aarø. Mit einer perfekten Abendbrise liefen wir in die Gennerbucht und bis Kalvø, wo wir als kleines Boot einen perfekten Platz fanden.

Es war wieder einmal recht spät geworden und so garte unser Essen noch im Omnia, als ein uns wohlbekannter Segler zur Flaggenparade bließ – man trifft sich eben immer wieder!

volle Distanz: 31.74 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.59 knots
Gesamtzeit: 07:12:43

Kalvø ist mit dem Festland nur durch einen kleinen Damm verbunden. Die kleine Insel war vor mehr als 130 Jahren ein bekannter Werftstandort. Hier wurden einige der großen Chinafahrer vom Stapel gelassen. Der Reeder Jørgen Bruun ließ auf Kalvø seine weltberühmten Klipper bauen. In der damaligen Schiffsschmiede befinden sich heute die sanitären Anlagen des kleinen Hafens. Auch das Badehotel, wo jetzt traditionelle dänische Küche geboten wird, soll zu den Werftgebäuden gehört haben.

Ein schöner Spaziergang ist die Umrundung der kleinen Insel, man hat einen tollen Blick auf das Naturschutzgebiet im südwestlichen Teil der Bucht.

 

Mjels Vig darf nicht fehlen (11/VIII)

Für unseren letzten Schlag vor Wackerballig hatten wir kein festes Ziel – Mjelsvig, Dyvig, Stevningnor oder Ankern im Alssund waren die Alternativen, wir wollten nur gerne Ike und Karin treffen, die an diesem Tag ihren Sommertörn begannen.
Kurz nach dem Ablegen, mit moderner Technik ist ja alles möglich, verabredeten wir uns dann aber für Mjels Vig, und so hatten wir nur einen relativ kurzen Schlag, was bei dem schwachen Wind auch nicht schlecht war.
Kurz bevor wir wegen absoluter Flaute sogar ein Stück motoren mussten, zeigte sich uns noch eine Kegelrobbe – die erste der ganzen Reise.

Ab dem Beginn des Alsfjords konnten wir dann wieder segeln und das ließen wir uns auch in der Enge von Dyvig nicht nehmen! Für uns sind 1,5kn über Grund noch immer genügend Fahrt um keinen Motor zu nutzen, egal was die anderen Segler von hinten beim passieren der 200m langen Rinne rufen.

volle Distanz: 11.21 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.29 knots
Gesamtzeit: 03:45:52

Die ganze Gegend um Mjelsvig und Dyvig ist mit seiner lieblichen Land­schaft, aber auch mit seinen steilen Hügeln ein Naturerlebnis. Kleine Wälder wechseln sich mit Wiesen ab, die dem Spaziergänger immer wieder den Blick auf beiden Buchten freigeben. Landschaft und Segelre­vier sind zum Ausspannen wie geschaffen und wer Abwechslung sucht, dem sei der Besuch des etwa vier Kilometer ent­fernten Städtchens Nordborg zu empfehlen.

Leider ist das einst könig­liche Schloss, die Nordborg, zum größten Teil nicht mehr erhalten. Der verbliebene Rest des Bauwerks mit seinen zwei ungleichen Türmen und dem idyl­lisch verwilderten Park hat noch im­mer seinen Reiz. Heute befindet sich eine Volkshochschule in den alten Gemäuern. Hof und Garten sind der Öffentlichkeit zugänglich.

Während es in der Dyvig mit seinen beiden Häfen, einem Hotel und einem Kiosk in der Saison immer recht turbulent zugeht, ist es in der MjelsVig sehr viel ruhiger. Hier lockt die Naturidylle den Besucher an. Ein Grund für die relative Einsamkeit ist sicher das privat betonnte Fahrwasser – glücklicherweise trauen sich dort nur wenige durch.

Unter Segeln ging es dann bis zum Hafen von Mjels Vig und dort begrüßten wir erstmal Ike und Karin. Während wir das Boot aufklarten und Robbi dann das Deck einmal säuberte, schwamm Ike um LOTTE und Lycka und machte sich mit dem Schwamm am Wasserpass zu schaffen – eine recht nötige Arbeit…

Nach getaner Tat ging es dann ans gemeinsame Grillen und hier gesellten sich dann wie bei unserem letzten Besuch in diesem Hafen Karin und Ole vom Folkeboot Pauline dazu.

 

Das Ölzeug gibt auf (12/VIII)

Beim gemeinsamen (und für uns untypisch frühen) Frühstück auf Lycka schauten wir alle immer wieder in den Himmel und das Regenradar: graue Wolken waren im Anflug. So verabschiedeten wir Ike und Karin in Ihren wohlverdienten Urlaub und setzten noch im Hafen die Segel mit Kurs Wackerballig.

Kaum hatten wir die Enge in die Dyvig passiert, fielen die ersten Tropfen und so verschwand Lycka bald im Regen. Wir segelten Richtung Alssund und während fast alle anderen ihre Segel strichen, kreuzten wir zusammen mit 2 anderen Booten im Regen nach Sønderborg. Wir erreichten die Brücke eine viertel Stunde vor ihrer Öffnung und dann ging es die letzten Meilen Richtung Heimathafen. Unterwegs nahmen Wind und Regen weiter zu und so war alles nass, als wir in einem kurzen sonnigen Moment Wackerballig erreichten.

volle Distanz: 22.21 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.40 knots
Gesamtzeit: 05:38:50

Beim Ausziehen der Segelklamotten zeigte sich recht schnell: Robbis Ölzeug hatte komplett aufgegeben; da muss was neues her! Nass und kalt gönnten wir uns einen Kaffee im Wackerpulco, bevor wir das Boot kurz vor dem nächsten Regen aufklarten. Während wir den Abend mit einigen anderen Hafenliegern ausklingen ließen, ging draußen die Welt unter.

 

Wo die kleinen Wikinger wohnen (13/VIII)

Über Nacht hatte ein kräftiger West die Regenwolken weg geblasen und so konnten wir nach dem Frühstück das Boot trocken entladen und die Persenning aufbauen. Wir waren ganz froh, dass wir schon im Laufe unseres Törns das Boot aufgeräumt und sauber gemacht hatten, den jetzt konnten wir schnell aufbrechen und Freunde in Dänemark besuchen.

Dorothea und Alexander waren mit ihren 3 Kindern Malte, Carsten und Ole auf einer Fahrradtour, und sie hatte der Regen am Vortag genauso erwischt wie uns. Während bei uns aber alles im Boot trocken geblieben war, hatten einige ihrer Satteltaschen ein ähnliches Verhalten gezeigt wie Robbis Ölzeug; daher machten wir uns auf den Weg nach Ribe um die 5 zu besuchen.

Mit dem Auto ging es an die Westküste und in der schönen Jugendherberge wurden wir bereits erwartet. Nach einem gemeinsamen Kaffee und Kuchen entschieden wir das Freilichtmuseum zu besuchen – hier dreht sich alles um die Wikinger. Neben dem eigentlichen Museum „leben“ auf dem großen Gelände im Sommer auch immer gro0e Gruppen von Freizeitwikingern in Zelten und lassen die Zeit der Wikinger lebendig werden. Wir hätten bei dem schönen Wetter einen ganzen Tag dort verbingen können, soviel gab es für uns und vor allem für die Kinder zu sehen und zu erleben. Leider war es aber schon recht spät und so machte der offizielle Teil des Museums schon bald dicht. Gemeinsam ging es dann noch in die Altstadt von Ribe, der ältesten Stadt Dänemarks. Zwar hatte der schönen Dom schon geschlossen, aber trotzdem ist er jederzeit einen Besuch wert.

In der Jugendherberge aßen wir noch gemeinsam zu Abend, bevor es für uns zurück nach Hamburg ging – kurz vor Mitternacht lagen wir dann im Bett, der Flur vollgestellt mit allem, was am Morgen noch im Boot war.

Unser diesjähriger Sommertörn hat Robbi gezeigt, das es sich durchaus lohnt, nicht nur 14 Tage am Stück zu segeln. In 3 Wochen kann man doch ganz andere Ziele erreichen, und so konnte ich ihm nicht nur meine Liebe für die Schären nahe bringen, sondern auch viele andere neue Plätze zeigen.

Obwohl das Wetter sehr unbeständig war, hatten wir doch einen sehr viel besseren Törn als 2016 – es war einfach nicht so kalt. Sicherlich gab es einigen Regen, der Wind war für den Sommer viel zu stark und beim Segeln mussten wir fast immer Ölzeug tragen, aber in den Häfen brauchten wir nicht einmal unsere Pullover aus der Tasche zu holen.

Endlich ist LOTTE auch mal wieder in Schweden gewesen und jetzt hoffe ich auf einen noch längeren Törn 2018 – die Norwegische Gastlandflagge liegt schon viel zu lange unbenutzt in der Schublade…

Kategorien: Törns