Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Tag 16 – Prognosen sind keine Messungen (7/VIII)

Ein Tag mit gutem Wind, dann kommt das nächste Gebiet mit Starkwind und Regen. Da wir nicht noch einen Tag – oder vielleicht sogar länger – in Skælskør bleiben wollen, setzt die Wackerballiger-Flotte schon recht früh die Segel: LOTTE läuft nach Westen, Vasudeva nach Süden und Lycka nach Osten.

Den schmalen Fjord kommen wir noch gut voran, dann geht es hinaus auf das offene Wasser und wir passieren wieder Route Tango. Der schöne Südwind soll über den Tag abnehmen und dann auf Südost drehen, damit wollen wir einen großen Schlag Richtung Dänischer Südsee machen, am besten bis Rudkøbing oder Troense.

Bis zur Nordspitze von Langeland können wir unseren Kurs noch gut halten, dann ist der Wind kurz weg, bevor er entgegen der Vorhersage kräftig zunimmt und auf Südwest dreht; es wird ein ekliges Gehoppse.

Zusätzlich zum kräftigen Gegenwind und einem nordsetzenden Strom haben wir eine lange Sandbank vor uns, die man nur an wenigen Stellen passieren kann. Kurz überlegen wir Lohals zu versuchen, aber dort wollen wir nicht hin und außerdem sind wir schon komplett nass, also weiter.

Das Wetter ist herrlich und so nehmen wir den Wind und die Gischt hin, was bleibt uns auch anderes übrig? Von Regen oder den angekündigten Gewittern ist nichts zu sehen, bis wir Thurø querab haben und der Wind uns plötzlich verlässt.

Da jetzt über Langeland auch dunkle Wolken aufziehen, laufen wir die letzten Meilen Richtung Tåsinge gegen den Strom unter Motor und erreichen Troense mit dem ersten Regen des Tages. Während wir noch auf der Suche nach einem Liegeplatz durch den kleinen Hafen kreisen, werden wir von einem Segler gerufen; er hatte früher ein Folke und kennt LOTTEs Maße daher genau. Schnell rückt er mit seiner HR29 etwas zur Seite und während er wieder zu seinem unterbrochenen Abendessen unter die Kuchenbude zurückkehrt, machen wir in aller Ruhe fest.

Gesamtstrecke: 36.53 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.26 knots
Gesamtzeit: 09:30:33

Die nassen und vom Mittag auch noch salzigen Klamotten wandern in die Waschmaschine, für uns geht es unter die Dusche – Troense hat hier die perfekte Ausstattung.

Noch bevor die Wäsche im Trockner ist, gibt es für uns Abendessen auf der Terrasse; perfekt geschützt vor dem Regen beobachten wir dabei das Wetterleuchten im Osten.

Tag 17 – Troense ist immer schön (8/VIII)

Die ganze Nacht regnet es immer wieder und auch wenn wir hinter der Küste gut geschützt liegen, so pfeifen die Böen durch die Masten. Das Frühstück nehmen wir auf der Terrasse zu uns, während ein Schauer nach dem anderen über den Sund zieht.

Zurück an Bord will unser Nachbar ablegen, wir helfen und bleiben alleine in einer riesigen Box. Als wir noch überlegen, was zu tun ist, spricht uns ein anderer Hafenlieger an: Sein Boot liegt am Knick vom Steg und zwischen ihm und dem Festlieger daneben wäre genug Platz, wir sollten uns doch verholen.

Eine super Idee, denn während wir den perfekten Folkeboot-Liegeplatz einnehmen, ist unser alter Liegeplatz schon wieder belegt – dieses Mal von einer großen Yacht.

Wir unterhalten uns gut mit unseren neuen Nachbarn, helfen uns gegenseitig beim Bootsputz und beschließen abends gemeinsam zu kochen – es ist eben auch schön, wenn man mal etwas Zeit hat und nicht schon vor dem Aufstehen wieder aus dem Hafen läuft.

Es wird ein sehr schöner Abend auf der Sirius von Michael&Yvette und irgendwie werden wir wieder an das letzte Jahr erinnert: Wir liegen in Troense und um uns ziehen die Gewitter.

Tag 18 – Segeln oder Schnacken (9/VIII)

Der Wind ist besser, aber noch nicht gut – die Gewitter sind weg, aber der Regen noch da. Lange hadern wir, ob wir nicht doch endlich weiter wollen, dann kommt Nicolas mit einem seiner Boote in den Hafen und wir bleiben im Schnack hängen. Während die Zeit bei Kaffee und Tee wie im Fluge vergeht, ziehen einige Schauer über uns; wir sind froh noch einen Tag geblieben zu sein.

Abends, beim Abendessen auf der Terrasse, ist die Wetterprognose für den kommenden Tag schon deutlich freundlicher, morgen geht es weiter!

Tag 19 – Einmal rechts ran (10/VIII)

Sonne und ein kräftiger Südwest ziehen uns auf das Wasser. Wir verabschieden uns von unseren netten Nachbarn und setzen Kurs Svendborg; erst können wir den auch noch halten, dann müssen wir kreuzen.

Als wir gerade die Brücke passieren, sehen wir im Westen eine dunkle Wand aufziehen: Regen. Robbi checkt das Regenradar, und so schaffen wir es noch knapp bis Rantzausminde, bevor der Himmel seine Pforten öffnet. Eine Stunde kübelt es wie aus Eimern, dann haben wir wieder strahlenden Sonnenschein und segeln weiter. Für einen Stopp ist es noch viel zu früh.

Mit dem Regen verschwindet aber leider auch der Wind, und so geht es eher langsam voran, trotzdem erreichen wir kurz vor dem nächsten Wolkenbruch noch Korshavn auf Avernakø.

Gesamtstrecke: 16.1 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.00 knots
Gesamtzeit: 06:16:02

Der kleine Anleger ist immer einen Besuch wert, zumal auch größere Schiffen an der Außenmole sehr geschützt liegen können. Für Sightseeing bleibt aber keine Zeit, direkt nach dem Anleger kommt es wieder von oben und wir verziehen uns unter Deck.

Nach dem Regen wird es wieder richtig schön. In der Windstille des sonnigen Abends kochen wir an Bord und genießen die Ruhe, während es in der Ferne über Fyn wieder in den Wolken leuchtet.

Tag 20 – Nach Jahren mal wieder Faaborg (11/VIII)

Der Wind hat auf Nordwest gedreht und treibt kleine Schäfchenwolken von Bælt herüber. Wir genießen die herrliche Sonne, legen ganz still ohne Motor ab und setzen Kurs Nord.

Vorbei an Bjørnø geht es bis kurz vor Dyreborg, dann fallen wir ab und laufen, zum ersten Mal seit fast 10 Jahren, Kurs Faaborg. Obwohl wir die Stadt sehr mögen, haben wir sie lange boykottiert, denn bei unserem letzten Besuch, die Hafengebühren waren schon kräftig gestiegen, mussten wir unseren Kanister für Trinkwasser mit einem Becher am Waschbecken füllen – am Steg konnte man Wasser nur hundert-literweise kaufen.

Mittlerweile hat sich das aber gebessert und außerdem ist unser Ziel nicht der Stadthafen, sondern der Steg vom Segelverein, dort liegt man weniger im Trubel und viel familiärer.

Gesamtstrecke: 6.66 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.83 knots
Gesamtzeit: 01:54:05

Obwohl der Steg gerade für eine Regatta am übernächsten Tag geräumt wird, dürfen wir eine Nacht bleiben – vielen Dank dafür!

Faaborg ist noch immer so nett, wie wir es in Erinnerung haben. Wir schlendern durch die kleinen Gassen, plündern den Schlachter – einen der besten in ganz Dänemark – überfallen den Bäcker und schaffen es gerade noch zur Räucherei, dann ist auch schon Zeit zum Abendessen.

(An dieser Stelle sei noch erwähnt, dass die Brunsviger Snegl verboten gehören; mit einer von ihnen deckt man sicher den täglichen Kalorienbedarf einer Kleinstadt.)

Tag 21 – Ab in die Heimat (12/VIII)

Der Wind hat auf Südwest gedreht und die See ruft – leider ruft uns aber auch die Heimat. Gerne wären wir noch um Als oder nach Mommark gesegelt, aber morgen soll der Wind auf West drehen und kräftig zunehmen; da sind wir dann lieber schon im geschützten Heimathafen.

Wir kreuzen die ersten Meilen, dann dreht der Wind südlicher und wir können den Kurs Richtung Pøls Rev halten. Dieses Mal ist die Passage sehr viel entspannter als vor einem Jahr mit Böen von 15m/s.

Wir erreichen den Kalkgrund, und mitten auf dem Stück über das Flach dreht der Wind auf West und nimmt zu, die letzten Meilen bis Wackerballig geht es also in Rauschefahrt.

Gesamtstrecke: 28.59 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.54 knots
Gesamtzeit: 06:35:46

Der Wind ist aber nur ein Vorgeschmack auf morgen, vor dem Hafen lässt er wieder nach und so machen wir noch ein paar Bilder vom Segeln auf dem Folkeboot – so viele Gelegenheiten wird es nicht mehr geben.

Den Abend nach dem Sommertörn verbringen wir dann mit Volker und weil es mittlerweile schon recht spät und damit kühl ist, geht es nach Gelting zum Griechen – einige Traditionen muss man eben am Leben erhalten.

Tag 22 – Ein Besuch in Egernsund (13/VIII)

Am Vormittag kommt der vorhergesagte Wind; es pfeift in den Wanten und man merkt sofort, dass nicht viele Leute auf den Booten sind: Überall klappern die Fallen.

Wir machen uns mit dem Auto auf den Weg nach Egernsund, hier wollen wir unserer neuen Liebe einen Besuch abstatten. Eigentlich war dieser Besuch zu Wasser mit LOTTE geplant, aber mittlerweile ist die Bucht voller Schaumkronen und wir sind froh, dass wir nicht mehr auf dem Wasser sind.

Gesamtstrecke: 264.98 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.38 knots
Gesamtzeit: 06:30:26

Der Sommertörn 2021 war unser letzter großer Törn mit LOTTE, bald wird sie in andere Hände übergehen. In diesem Jahr haben wir noch einmal vieles erlebt, was für mich das Folkebootsegeln ausmacht: Die Nähe zum Wasser und der Natur, die Leichtigkeit, die vielen interessanten Gespräche, aber auch die Enge und eine gewisse Schutzlosigkeit bei schwerem Wetter.

Das alles werden wir die kommenden Jahre sicher noch so manches Mal vermissen, aber die Reise geht weiter, für uns und LOTTE.

Nach vielen tausend Meilen mit LOTTE – Besuchen in Kopenhagen, Oslo, einem Großteil der dänischen Inseln und der zweifachen Passage des Götakanals – wechseln wir im September auf ein neues Boot: Lärche auf Eiche, das ist doch klar!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Hans-Georg sagt:

    Tag 17: Sehe ich da Leverpostej und Makrelsalat med tomat?
    Ganz herzlichen Dank für die 3 Berichte über den Sommertörn 2021. Ich habe mich in der relativ kurzen Zeit, während der ich dem Blog folge, ein wenig in Lotte verliebt. Dass sie schon so viele Jahre auf dem Kiel hat, sieht man ihr gar nicht an. Aber ihr habt ihr ja eine sehr aufwändige und sorgfältige Pflege angedeihen lassen. Ich hoffe sehr, dass Lotte weiter gut gepflegt wird damit sie noch viele Jahre segeln kann.
    Ich bin nun sehr gespannt, welches Schiff ihr euch auserkoren habt.


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