Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

In der letzten Woche haben wir eins gemerkt: So gut sind die WLANs in den Häfen noch nicht! Zwar sind sie durchaus zahlreicher geworden (siehe auch Hafen-WLAN.de ), reichen aber eben oft nur für das Seewetter, Mails oder einen kurzen Chat. Um einen Blog mit Bildern zu schreiben, sind sie dagegen von der Bandbreite her nicht ausgelegt – zumal im Sommer jeder Hafenlieger in das Netz will…

Daher folgt erst jetzt, einige Tage nach unserem Törn, der zweite Teil des Berichts.

 

Weiter nach Norden (25/VII)

Die Nacht in Assens war ruhig und auch einigermaßen kühl – leider aber auch recht mückig. Die Bucht in der der Hafen liegt ist recht geschützt und am Ende steht auch noch Schilf, ein perfektes Revier für die kleinen Biester.

Wir wollten aber ja unbedingt so weit wie möglich am Ende der Bucht liegen… der Weg in die Stadt ist dann einfach kürzer. So mach ich mich dann vor dem Frühstück auch schnell auf, ein Super Brugsen und ein Fakta liegen ganz in der Nähe. Heute soll es mal etwas frisches geben, bei den Temperaturen für uns was ganz seltenes. Da die Ostsee (als unser Kühlschrank) zur Zeit überall über 23°C hat, können wir nur geräuchertes und etwas Butter vorhalten, alles andere muss frisch gekauft und dann auch gegessen werden!

Nach einem herrlichen Einkauf in dem klimatisierten Laden mache ich mich, mit Getränken, Milch, Butter, Eiern, Obst, Gemüse und einer Leberpastete, auf den Rückweg zum Boot. Dort hat Robbi den Kaffee bereits gekocht und nimmt mir die schwere Tasche ab. Er stellt sie hin, sie fällt um. Da wir bei der Hitze kein Ei aufbewahren wollen, bei dem die Haut unter der Schale verletzt ist, gibt es eben Rührei… aus 10 Eiern!

Frisch gestärkt, man könnte auch sagen absolut abgefüllt, laufen wir dann aus und setzen Kurs Nord. Unser Tagesziel ist der Yachthafen von Middelfart und bei dem angekündigten Südost sollten wir eine gute Fahrt haben. Leider hält sich der Wind an keine der Prognosen und so dreht er immer nördlicher und nimmt dabei auch kräftig zu, so dass wir uns am Ende mit einem harten Anlieger bei 5Bft. aus Nordost und fast 6kn dem nördlichen Ende des Lille Bælt nähern. Die letzten Meilen vor dem Hafen müssen wir Kreuzen, aber bei dem perfekten Wetter und ohne jede Welle ist das Segeln pur! (Hier merkt man aber auch sofort wieder die Veränderung der letzten Jahre: Je größer die Schiffe werden, umso weniger wird gesegelt – Motor an und ab dafür.)

volle Distanz: 16.77 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.05 knots
Gesamtzeit: 03:48:15

Im Hafen stellen wir sofort eins fest: Auch in Middelfart geht alles nur noch per Chipkarte und dieses „alles“ schließt auch Wasser und Strom am Steg mit ein. Für uns ist das ganz einfach, Middelfart kommt (neben Häfen wie Faaborg oder Svendborg) auf unsere NoGo-Liste und da es gerade mal früher Nachmittag ist, setzen wir wieder Segel.

Da Facebook uns schon am frühen Morgen mitgeteilt hatte, dass heute Bentes Geburtstag ist, wunderten wir uns nicht über Steffs Nachricht: „Meine Mutter lädt Euch morgen zum Grillen ein.“ Glücklich über diese Einladung stellen wir uns die Frage nach einem Platz für die Nacht; Steffs Eltern wohnen in Snoghøj und dort gibt es keine Häfen. Ganz in der Nähe liegen aber Kongebro auf Fyn oder Skærbæk auf dem Festland. Da Robbi noch nie im letztgenannten war, beschließen wir nach Jylland zu wechseln.

Als wir zur Hälfte durch den Fænøsund sind, schläft der Wind ein; und da wir keine Lust auf den lauten Motor haben, werfen wir in der Sonne vor einer kleinen Steilküste den Anker

volle Distanz: 1.53 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2.32 knots
Gesamtzeit: 00:49:04

Da wir jetzt – um ein Photo von Land aus zu machen – eh schon im Wasser sind, nutze ich die Gelegenheit und schrubbe den Wasserpass. Danach begebe mich mit Taucherbrille und Unterwasserkamera auf die Suche nach einer möglichen Ursache für unseren permanenten Wassereinbruch.Leider (oder gottseidank) ist nichts zu sehen und so genießen wir ersteinmal die Abkühlung im Wasser. Jetzt, so ganz ohne Wind und Schatten, merken wir, wie stark auch die Abendsonne noch ist. Kurz überlegen wir hier auch die Nacht zu verbringen, aber es sind für den frühen Morgen Gewitter vorhergesagt und daher finden wir den Gedanken an einen Hafen nicht abwegig.

Als dann wieder etwas Wind aufkommt, jetzt der ursprünglich versprochene Südost, lichten wir den Anker und machen uns langsam auf den Weg. Robbi nutzt den schönen Abend und die wenige Lage, um einmal das Deck zu reinigen (starkes Schrubben gilt es aber zu vermeiden).

In Skærbæk finden wir dann einen sehr schönen und gepflegten Hafen vor. Seit meinem letzten Besuch 2003 wurde er etwas vergrößert, aber das vorgelagerte Becken aus Schwimmstegen übt seinen eigenen Reiz aus. Viele schreckt sicherlich die Nähe zum Kraftwerk ab, aber trohnt es auch noch so dominant bei der Ansteuerung über der Küste, aus dem Hafen sieht man es kaum. Das es sich bei dem Yachthafen um einen Clubhafen handelt, ist ein weiterer Vorteil: 100 Kronen Hafengeld (inkl. Wasser und Strom).

volle Distanz: 2.88 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 2.60 knots
Gesamtzeit: 01:27:41

Neben dem Yachthafen, direkt am kleinen Fischereihafen, liegt ein Bistro. Dort gibt es nicht nur ein großes Bier, welches mit 0,75l den Namen „stor“ (dän. „groß“) verdient hat, hier bekommt man auch kostenlos Fahrräder für den Einkauf.

 

Familienfeier (26/VII)

In der Nacht kamen, statt des angekündigten Gewitters, nur ein paar Tropfen vom Himmel und so können wir – trotz Donnergrollen um uns herum – in Ruhe Frühstücken. Im Dagli Brugsen hat Robbi nicht nur Brötchen sondern auch eine schöne Blume erstanden, und so sind wir für die Einladung gut gerüstet. Heute gibt es auch, zum ersten Mal nach Tagen, eine echte Dusche und nicht nur den Wasserschlauch im Hafen.

Steff und sein Bruder Kenneth kommen gegen 15 Uhr und kaum dass wir im Hause Mortensen beim Kaffee sitzen, kommt der erste Regen seit Wochen runter. Zum Grillen ist aber alles wieder trocken und so verbringen wir schöne Stunden bei Bente und ihrer Familie.

Als Kenneth uns dann zurück zu LOTTE bringt, steigt aus allen Wiesen und Wäldern noch der Nebel – so warm ist die Luft.

 

West, nicht Nord (27/VII)

Nach zwei Nächten und einem ganzen Tag in dem ruhigen Becken von Skærbæk hatten wir gehofft, dass unser Wassereinbruch weniger werden würde, aber da hatten wir uns getäuscht. Alle 12h stand das Wasser wieder 30 bis 40cm hoch in der Bilge und das ist für LOTTE einfach zuviel (normalerweise machen wir einen knappen Finger breit pro Woche). Also war „Umplanen“ angesagt, anstatt mit dem angekündigten Südwind nach Norden zu Segeln – wir wären gerne mal in den Vejle oder Horsens Fjord gekommen – geht es nach Westen und damit nach Kolding. Den Rückreisetag, den wir jetzt gewonnen haben, wollen wir nutzen und einen Bootsbauer aufsuchen, den wir aber erst Montag anrufen und damit auswählen können.

Kurz vor Kolding schläft der schwache Wind dann ein und schwarze Wolken türmen sich vor uns auf – ich hole lieber die Segel runter und wir tuchen auch gleich richtig auf.

Kurz vor dem Hafen, fast in der Einfahrt zur südlichen Marina, kommt dann das Gewitter. Und was für Boote sind nun nur noch auf dem Wasser? Richtig, Folkeboote.Da Regen und Luft warm und wir nur wenige hundert Meter von einer Box entfernt sind, holen wir kein Ölzeug raus – heute reicht eine Badehose. 

volle Distanz: 5.27 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.66 knots
Gesamtzeit: 01:49:21

Nach einer knappen Stunde ist der Spuk aber auch schon wieder vorbei und während es jetzt richtig schwül wird, machen wir uns auf den Weg in die Stadt.

Wie die meisten Fördestädte in Jylland und Schleswig entstand Kolding im 12. Jahrhundert als Handelsplatz mit geschütztem Zugang zur See. Als sich das Herzogtum Schleswig im 13. Jahrhundert vom Königreich Dänemark löste, bekam Kolding zusätzliche Bedeutung als Grenzort. Zu dieser Zeit wurde die Burg Koldinghus errichtet. Seit Ende des 15. Jahrhunderts war Kolding Zollstelle, über die der Ochsenhandel in die Herzogtümer Schleswig und Holstein abgewickelt wurde. 1558 stiftete König Christian III. St. Jürgens-Hospital und Lateinschule.

Obwohl Kolding häufig von den Königen aufgesucht wurde, stand die Stadt lange im Schatten bedeutenderer Nachbarstädte wie Haderslev und dem im 17. Jahrhundert gegründeten Fredericia. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Stadt zweimal besetzt. 1646 hatte Kolding 280 Häuser und ca. 2800 Einwohner. Im Schleswig-Holsteinischen Krieg wurde die Stadt 1849 von preußischen Truppen bombardiert. Durch die Grenzziehung von 1864, welche die Trennung des Herzogtums Schleswig von der dänischen Krone zur Folge hatte, wuchs die Bedeutung der Stadt. Als kurz darauf Esbjerg als Nordseehafen gegründet wurde und schnell an Bedeutung gewann, wurde Kolding durch die neu gebaute Eisenbahnlinie ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt.

Unter der deutschen Besetzung im Zweiten Weltkrieg war in Kolding eine große Zahl deutscher Soldaten stationiert. Nach dem Krieg wurde in der Stadt ein Lager für deutsche Flüchtlinge eingerichtet, das bis 1949 als Durchgangslager für alle deutschen Flüchtlinge in Dänemark diente.

Der Bau der Brücken über den Kleinen Belt gab Kolding und seinen Nachbarstädten Vejle und Fredericia einen weiteren Aufschwung, der durch den Bau der Storebæltsbroen über den Großen Belt 1997 noch verstärkt wurde. Das Dreieck um Kolding steht heute wirtschaftlich auf einer Höhe mit Aarhus und wird nur von Kopenhagen überholt.

Da wir noch nie in Kolding waren, machten wir uns auf in Richtung Zentrum. Entlang eines Flusslaufs geht es von der Marina bis fast zur Burg und von dort oben hat man einen herrlichen Ausblick auf Stadt und Fjord.

Die Burg an sich ist auch ein Kuriosum: Im 19. Jahrhundert fast vollständig ausgebrannt, wurde die Ruine zwar restauriert, große Teile sind aber jetzt aus Holz und Metall.
Auch um die Burg herum gibt es einiges zu entdecken, und so schlendern wir noch eine Weile durch die Stadt, bis wir bei Føtex einkaufen und uns dann auf den langen Weg zurück zu LOTTE machen.

 

Lille Bælt oder Pazifik? (28/VII)

Die Hitze steht, kein Lüftchen rührt sich und wir verlassen Kolding unter Motor. Während wir den Fjord nach Osten fahren, hoffen wir auf den angekündigten Nordwest, aber es tut sich nichts… bis es plötzlich um uns herum überall schnauft. Fast jedes Mal, wenn wir im Kleinen Belt unterwegs sind, begegnen uns Schweinswale, aber hier, an der engsten Stelle, sind sie besonders häufig und bei der ruhigen See auch gut zu sehen.

Zu erspähen sind sie zwar sehr gut, aber sehr schwierig zu photographieren – kaum sind sie zu sehen und man schwenkt mit dem Objektiv in ihre Richtung, sind sie auch schon wieder unter getaucht. Da Schweinswale fast immer dreimal auftauchen, bevor sie dann für längere Zeit unter Wasser bleiben, beginnt sofort das Raten: Wohin schwimmt er? Das wievielte Mal war das? Ist es einer oder sind es mehrere?

Vorbei an Fænø Kalv (deutsch: „Fænøs Kalb“), einer kleinen Insel in der Meerenge Snævringen, geht es wieder auf den Kleinen Belt und endlich kommt etwas Wind auf!

Dieser kommt zwar nicht, wie erwartet, aus Nordwest, sondern aus Nordost aber Wind ist Wind und so treiben wir nach Süden. Bei 2 bis 3Bft. machen wir fast nie mehr als 2kn und so haben wir genug Zeit zu verbrennen und anderen Booten nach zu gucken, die unter Motor an uns vorbei ziehen.

Im nordlichen Teil des Kleinen Belts liegt die Insel Brandsø. Mit etwas über 200 Hektar ist die Insel nicht sehr groß, aber da sie seit dem Ende der 1960er Jahre unbewohnt ist, war Brandsø 1974 als möglicher Standort für ein dänisches Kernkraftwerk im Gespräch.

Wir lassen die Insel östlich liegen, passieren die Bucht von Hejlsminde und kreuzen mit dem nun aufkommenden Westwind in den Anfang vom Haderslev Fjord. An einer der dortigen Bojen vom HSC, direkt hinter einer flachen Barre voller Austernfischer, Möwen und Graureiher, machen wir fest und genießen einen wunderschönen Abend.

volle Distanz: 20.46 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.50 knots
Gesamtzeit: 07:27:11

 

Es ist (fast) zum K… (29/VII)

Die Nacht war ruhig und der Morgen ist herrlich! Es weht ein leichter Nord und so treibt es uns gleich nach dem Frühstück hinaus auf die freie See – heute wollen wir Strecke nach Süden machen.

Da wir uns vor Anker aber nicht richtig aus dem Weg gehen können – normalerweise wäscht Robbi ja an Land ab und ich mache das Boot klar – müssen wir alles sequentiell abarbeiten und kommen erst etwas später los……zum Glück! Denn so treffen wir im Ausgang des Fjords auf Peter Schouten und sein einmaliges Boot – wir sind spontan verliebt! Ein Heck wie ein Folkeboot, eine phantastische Form. Wir reden ein wenig mit ihm und seiner Frau – von Boot zu Boot, mitten auf dem Wasser – und erfreuen uns am perfekten Glanz das Neubaus aus Mahagoni. (Bis er uns dann einen Preis nennt…)Sommer2014-665Hinter Aarø trennen sich dann unsere Wege, wir laufen Kurs Süd mit dem Ziel Mommark. Während der Wind am Mittag noch beständig und recht kräftig aus Norden kommt, lässt er im Laufe des Nachmittags immer mehr nach. Aus 5 werden 4, dann 3, 2 und schließlich so 1,5kn. Leider bleiben uns die Wellen noch erhalten und so merkt man, dass ein Boot nicht nur Rollen und Stampfen, sondern auch Schwoien und Gieren kann – das mag mein Magen ganz und garnicht!

Rollen (rolling) ist die Bewegung um die Längsachse
Wogen (surging) ist die Bewegung entlang der Längsachse
Stampfen (pitching) ist die Bewegung um die Querachse
Schwoien (swaying) ist die Bewegung entlang der Querachse
Gieren (yawing) ist die Bewegung um die Hochachse
Tauchen (heaving) ist die Bewegung entlang der Hochachse

Zwar war ich noch nie richtig seekrank, aber das flaue Gefühl wird immer stärker und wenn dann noch Baum und Segel schlagen, werde ich richtig ungemütlich.

Wie froh sind wir also, als endlich die beiden Türmchen von Mommark vor uns auftauchen. Es ist das erste Mal, dass wir nach seiner Neueröffnung in diesem Hafen sind, und ich bin gespannt, ob er seinen alten Charme erhalten konnte – immerhin war er früher einer meiner Lieblingshäfen und LOTTE war fast jedes zweite Wochenende dort.

Beliebt muss Mommark, das früher angeblich immer nach Faulschlamm stank, auf jeden Fall sein, denn wir finden keinen Platz mehr und gehen daher bei einem Holländer längsseits. Der erste Eindruck ist vielversprechend: Zwar fährt die hübsche kleine Fähre nicht mehr und wendet mitten in dem engen Hafenbecken aber der Campingplatz ist wieder belebt, es gibt ein hübsches Sanitärhaus mit sauberen Toiletten und einer großzügigen Küche und aus dem kleinen Kiosk ist ein nettes Bistro geworden. Leider gibt es auch unschöne Seiten, so finden wir das Hafengeld von 125Dkr (ohne Strom und Duschen) eine Frechheit, vor allem weil alle Boote unter 14m (!!!) gleich viel bezahlen. Natürlich war uns klar, dass wir nicht mehr die 60Dkr von LOTTEs letztem Besuch erwarten dürfen, aber gerade in einem Hafen mit vielen kleinen und flachen Ecken sollte es doch auch einen Preis für kleine Boote geben!

volle Distanz: 25.98 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.81 knots
Gesamtzeit: 07:09:01

Einer der schönsten Orte in Mommark ist der phantastische Sandstrand. Hier hat man überall im Wasser feinen Sand und das bei einer guten Schwimm- aber auch Stehtiefe. Nach soviel Sonne war also erstmal Baden angesagt!

Danach schnappten wir uns zwei der Liegestühle direkt am Hafen und genossen ein kaltes Bier mit Blick auf LOTTE.Pünktlich zum Sonnenuntergang verholten wir uns dann auf die Außenmole, da Mommark auf der Westseite von Als liegt, geht die Sonne hier recht früh hinter der Insel unter und man hat sie hier draußen am längsten. Gegen 21 Uhr, wir sind gerade zurück auf LOTTE, hören wir ein schauriges getröte: Der Hafenmeister bläßt ins Horn und wir nehmen das als Anlass für unsere Flaggenparade. Leider sind wir fast die einzigen im Hafen, die Faulheit siegt langsam über gute Seemannschaft und viele lassen leider ihre Flaggen nachts draußen hängen.Da unsere Nachbran recht früh los wollen, gehen auch wir nicht allzu spät in die Koje – außerdem kommt morgen wieder ein größerer Schlag.

 

Motorboot-Rowdies (30/VII)

Über Nacht hat der Wind wieder zu genommen und so können wir nach dem Frühstück die Segel setzen und machen bei einem frischen Nordwest gute Fahrt nach Süden. Am frühen Nachmittag, wir haben knapp die Hälfte der Strecke hinter uns, schläft der Wind aber wieder ein und aus dem Segeln wird wieder ein Treiben. Bullenstander und Fockbaum holen wir ein, die Segel dicht und so lassen wir uns von der Strömung nach Süden treiben. Auf der Höhe von Falshöft treffen wir dann auf die Gorch Fock und diese Begegnung bringt uns endlich wieder Wind.

Zwar kann sich der Wind anfangs nicht für eine Richtung entscheiden – mal kommt er aus West, dann wieder aus Ost – aber wir machen kontinuierlich 3 bis 4 Knoten und kommen gut nach Schleimünde.

Hier wird es jetzt voll, eng und wir bekommen Gegenwind und Gegenstrom. Alles genau das Richtige, um das Folke richtig auszusegeln – zusammen mit zwei anderen Booten kreuzen wir in Richtung Kappeln und wieder einmal kann man die anderen Sportbootfahrer in zwei Gruppen teilen: Die einen, vorwiegend mit grauem Haar, gucken sehnsüchtig von ihrer HR oder Najad auf das Folkeboot und stoppen gerne für uns auf oder weichen aus. Die anderen, oft jünger, mit Charterbooten, Daddys Yacht oder einem Motorboot unterwegs, weichen keinen Millimeter und so kommt es kurz vor Maasholm fast zu einem Crash.

Auch wenn die generelle Vorfahrt von Segel- vor Motorbooten beim Kreuzen in einem Fahrwasser nicht gilt, so hat ein Segelboot doch Vorfahrt, wenn es mit anderen Booten dem Fahrwasser folgt. Nach einer Wende, wir können (mit gerade mal 10 Grad Abweichung) fast das Fahrwasser einhalten, kommt ein Motorboot von hinten auf und weicht kein Stück. Statt Aufmerksamkeit gibt es Hupen und wildes Fluchen, dann trennen uns nur noch wenige Zentimeter vom rostigen Rumpf von Inge II. Da direkt neben uns die 1m-Linie ist, kommt eine Wende nicht in Frage, wir fahren also einen Aufschießer, lassen den Idioten an uns vorbei und hoffen auf die Aufmerksamkeit der folgenden Segelboote. Diese haben unser Problem aber längst erkannt, Schütteln ihre Köpfe ob des Verhaltens vom Skipper des Motorboots und geben bereitwillig Platz.

So kreuzen wir bis Grauhöft und legen uns in den Hafen von Henningsen&Steckmest, dort erhoffen wir uns morgen Hilfe bei LOTTEs Leckage.

volle Distanz: 22.28 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.71 knots
Gesamtzeit: 07:23:05

Am Abend geht es dann an der Schlei entlang in Richtung Kappeln, ein gutes Essen und ein kühles Bier runden so einen aufregenden Tag ab.

 

Gute Ratschläge und etwas Medizin (31/VII)

Am Montag, während unserer Motorpassage auf dem Kolding Fjord, hatte ich versucht bei Jochen Dunker anzurufen, mit seiner Arbeit an LOTTE im letzten Winter sind wir ja hoch zufrieden. Leider macht Jochen aber gerade Betriebsferien und so entschlossen wir uns zu Henningsen&Steckmest und damit in die Schlei zu segeln. Der Junior der Firma, Malte Steckmest, hat nicht nur das schönste Folke das wir kennen, er ist auch Bootsbaumeister, hat das Boot selber restauriert und kennt sowohl LOTTE als auch uns.

Zwar ist in der Werft gerade Hochbetrieb, aber Malte nimmt sich Zeit und so knieen wir kurz darauf zusammen in LOTTE und gucken unter Kojen, Bretter und hinter Schotten. Recht schnell teilt er unsere Meinung, dass es nicht „die eine“ Leckstelle gibt, das Problem muss vielmehr um oder unter dem Mastfuß sitzen.

Während wir noch sinnieren, kommt Dirk an Bord – mit einem weiteren Bootsbaumeister und Folkebootsegler haben wir jetzt genug Kompetenz auf LOTTE, aber auch er schließt sich unseren Vermutungen an: Es kommt aus der Region vom Mastfuß, eventuell aus der Tasche wo Holzkiel und Vorsteven verbunden sind. Beim Lösungsvorschlag sind sich beide auch einig, erstmal mit Sägespähne anfüttern (die Spähne setzen sich in die kleinen Spalten, quellen dort auf und machen sie dann temporär dicht) und im Herbst genauer angucken – die weiteren Ausführungen klingen dann vor allem teuer…

Voll mit vielen Ideen und Tipps setzen wir Segel und es geht wieder in Richtung offene See. Bei dem kräftigen Südwest setzen wir nur die Fock (wir wollen die Spähne ja nicht gleich wieder raus waschen) und machen über 5kn – unser Ziel ist Schleimünde.Der Hafen von Schleimünde ist absolut voll, aber ein Folke – von dem hier schon drei andere liegen – findet immer einen Platz und so winkt uns einer der anderen Folkesegler heran und wir gehen bei ihm längsseits.

volle Distanz: 3.56 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.96 knots
Gesamtzeit: 00:59:47

Hier zeigt sich mal wieder wie schön es ist, auf andere Folkebootler zu treffen. Sofort bieten sie uns einen Kaffee an, wir liegen auf gleicher Höhe und kommen schnell ins Gespräch. Auch nach unserem Besuch in der Giftbude – die während ihrer Modernisierung leider viel vom alten Charme und alle ihre Wimpel unter der Decke verloren hat – gibt es noch vieles zu erzählen und so kommen wir erst spät in die Koje. (Dieser Abend ist übrigens der erste auf der ganzen Reise an dem wir einen langärmligen Pullover an haben, bis jetzt haben immer Shorts und T-Shirt gereicht.)

 

Kurs Heimat (1/VIII)

Aus dem steifen Südwest war über Nacht ein Südost geworden und so steht unserem letzten Schlag dieses Sommertörns nichts mehr im Wege. Mit achterlichem Wind geht es die Küste hoch, vorbei an Falshöft und Kalkgrund, bevor wir dann Kurs Süd anlegen. Hier briest der Wind noch einmal kräftig auf und wir laufen mit über 6kn in Richtung Wackerballig.

volle Distanz: 16.33 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.92 knots
Gesamtzeit: 03:37:22

Im Hafen machen wir LOTTE klar, kontrollieren Seewiefke und Svanen und dann macht Robbi sich mit Volker auf zum Einkaufen – seit Jahren Grillen wir bei ihm zum Törnabschluss und so soll es auch heute sein. Bei bestem Wetter toller Stimmung verbringen wir den Abend bei Volker, dann geht es zum letzten Mal auf diesem Törn in die Koje auf LOTTE.

 

Heikendorf – Hamburg – Wilhelmshaven (2&3/VIII)

Sonntag soll Regen und Starkwind bringen, also machen wir LOTTE schon am Samstag fertig. Mit den Brötchen bringt Robbi auch eine Tauchpumpe mit, die Mike uns freundlicherweise leiht, dann wird innen geschrubbt, gewischt und poliert.

Gegen frühen Nachmittag sind wir fertig, LOTTE ist sauber, abgedeckt und hoffentlich gut mit der Pumpe gesichert. Wir verlassen Wackerballig und machen uns auf den Weg zum meinem Vater nach Heikendorf. Dort verbringen wir einen wirklich schönen Abend und da wir uns gut auf unsere Schottlandreise einstimmen wollen, bleiben wir die Nacht dort – so steht der Whiskyprobe nichts im Wege.Am Sonntag, vor dem Frühstück, gehen wir alle nochmal in der Ostsee schwimmen, dann kommt der angekündigte Regen und wir sind froh nicht mehr an Bord zu sein. Über Hamburg (wo Robbi die kommende Woche bleibt) geht es nach Wilhelmshaven und damit ist unser Sommertörn 2014 vorbei.