Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Am letzten Wochenende hatten Klassisch-am-Wind und Folkebootcharter-Schleswig zu einem Folkeboottreffen nach Arnis eingeladen. Unter dem Motto „999 Jahre Folkeboot“ sollten möglichst viele Boote in die Schlei kommen, um dann ein stattliches Gesamtalter präsentieren zu können. Auch wenn die Zahl an Jahren schon recht ambitioniert war, so war sie doch realistisch – mit ihren beiden Flotten brachten die Vercharterer bereit 399 Jahre in die Zählung ein.

So ein Treffen wollten wir uns natürlich nicht entgehen lassen, aber das Wetter machte uns mal wieder einen Strich durch die Rechnung – wie schon so oft in dieser Saison. Für den Samstag waren westliche Wind von 6-7Bft. mit vereinzelten Sturmböen und Gewittern angesagt, vielleicht noch gut zum Verlassen der Geltinger Bucht aber definitiv zu viel, um in die Schlei zu kreuzen.

So schmiedeten wir einen neuen Plan: Bei der mitternächtlichen Ankunft an Bord sollte es noch einen leichten Südwest geben, und so wollten wir gleich die Leinen lösen und die Segel setzen – bis zur Brücke in Kappeln hätten wir es gut vor dem angekündigten West geschafft. Bis kurz vor Gelting sah das auch noch nach einem guten Plan aus, dann aber begann der strömende Dauerregen und wir schafften es nur komplett durchnässt zum Boot. Also gingen wir in die Koje, stellten den Wecker auf 5:30 Uhr, und schliefen schnell ein. Lange währte unsere Nachtruhe aber nicht, denn gegen 3 Uhr zog das erste Unwetter über den Hafen und trotz der neuen Hafenmauern tanzte LOTTE wie wild in ihrer Box. Jetzt waren wir ganz froh nicht unterwegs zu sein und da sich das Wetter in den kommenden Stunden nur leicht besserte, blieben wir erstmal in der Koje.

Den ganzen Tag verbrachten wir dann mit Blicken auf die See, unsere Wetter-Apps und in den Himmel – bis es dann irgendwann zu spät zum Lossegeln wurde. Wir entschlossen uns schweren Herzens für eine Anreise per Auto und nutzen den Nachmittag, um den Damen in dem neuen Hafenbistro „Wackerpulco“ ein wenig mit ihrer Technik zu helfen. Als Robbi dann noch den Kuchen testen sollte, war für ihn der Tag gerettet.

Gegen 17 Uhr fuhren wir dann rüber nach Arnis, wo schon einige Folkeboote im Hafen lagen. Während wir schon mit den ersten Eignern ins Gespräch kamen: „Ach, Ihr seid LOTTE? Ich bin Faein…“ kamen immer mehr Boote und am Ende waren es – trotz des schlechten Wetters – stolze 18 Boote und (immerhin) 809 Jahre. Es kamen aber auch immer mehr Leute per Auto – die meisten der anwesenden Boote waren entweder eh von der Schlei, gerade auf Törn oder einfach nur schon einen Tag eher angereist.

Für mich ist es immer wieder faszinierend, wie unterschiedlich die Folkeboote doch sind – obwohl alle den strengen Klassenvorschriften entsprechen, so ist jedes (vor allem der hauptsächlich vertretenen Holzboote) doch ganz individuell: Es gibt welche mit und ohne Vorluk, Fenstern, Schränken oder Pantrys; einige haben irre viel Platz, andere sind komplett verbaut und bei manchen sitzt mach auf der Backskiste komplett im Schutz des Aufbaus, während bei anderen schon die ganzen Schultern über das Dach hinaus ragen.

Während in der Grillhütte die Livemusik begann – ein interesanntes Combo aus Kontrabass und Gitarre – gingen immer wieder einige der Anwesenden zum Fachsimpeln zu den Booten. Bei Musik, Bier, Würstchen und einer super Stimmung waren die vereinzelten kurzen Schauer gar nicht so schlimm. Zwar war das Wetter erheblich besser geworden, aber es war auch saukalt – bei unserer Abfahrt gegen 1 Uhr zeigte das Thermometer 6°C. (Bei diesen Temperaturen und der unbeständigen Wetterlage waren wir dann auch nicht zu unglücklich, dass wir weder mit dem Boot angereist waren, noch die Zeit zu der anschließenden Flottenfahrt in die dänische Südsee zu hatten.)

Ein Sache gab mir bei der Rückfahrt aber zu denken: Noch im letzten Jahr hatte Johannes Thaysen, der Vorsitzende der deutschen Folkebootvereinigung, mir versprochen, dass der Verband mehr für das Fahrtensegeln machen will – warum taucht dann zu so einer Veranstaltung nicht mal ein offizieller Vertreter auf? Das ist ein echtes Armutszeugnis und bestärkt mich in meiner Haltung: Folkebootsegeln braucht engagierte Menschen und keinen Verband…

Nach diesem Abend können wir folgendes sagen: Es war eine super Idee – wir freuen uns auf die Wiederholung im nächsten Jahr!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Detlef Lutz sagt:

    Moin Moin Ihr beiden,
    Nach bestandener Prüfung mit der Teilnahme am Rendezvous nach Kiel, mit neuen Kielbolzen, werden wir im kommenden Jahr auch noch 68 Jahre beisteuern können. Wie kommt man am besten rechtzeitig an den Termin?

    Herzliche Grüße
    Detlef