Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Seit unserer Sommerreise ist es auf unserem Blog recht ruhig, was wieder mal einige zu Nachfragen und wilden Spekulationen veranlasst hat. Am besten fand ich die Aussage: „Naja nach so einer langen Zeit an Bord habt ihr sicher mal etwas Besseres zu tun, als zu segeln.“

Tatsächlich war aber genau das Gegenteil der Fall: Wir haben jedes Wochenende und den Feiertag genutzt und die Saison 2018 bis zur letzten Minute ausgekostet. Da sich der Sommer ewig hin zog, hat sich unser phantastischer Sommertörn quasi bis zum Ende der Saison verlängert.

Den Anfang machte ein toller Törn mit Nino. Während sich Robbi und Gunthi in Hannover ein schönes Wochenende machten, genossen wir Wind, Wellen und leider auch so manchen Regenschauer. Am Freitag kehrten wir nach schweren Gewitterböen bei Kalkgrund sogar nach Wackerballig zurück, aber dann schafften wir es doch noch ein tolles Wochenende zu bekommen und besuchten Bärbel&Helmut im Egernsund.

Um den Nationalfeiertag hatten wir sogar eine ganze Woche frei und wollten eigentlich in die dänische Südsee, aber genau am Feiertag zog ein Sturmtief durch, und so gab es eben zwei kleine Törns.
Der erste führte uns zwar nur mal wieder nach Høruphav, aber er wurde zu einem besonderen Erlebnis: Zum ersten Mal startete in Wackerballig mit LOTTE, Saphir, Atom und Lycka eine ganze „Flotte“. Dieser gemeinsame Törn, mit einem Grillabend in Høruphav, bescherte uns dann auch gleich eine Fülle an phantastischen Bildern und Videos von LOTTE – allein auf der Überfahrt entstand mehr Material als in den 20 Jahren zuvor.

Am Montag ging es dann erstmal wieder zurück nach Wackerballig. Starkwind und Regen zogen dann Dienstag und Mittwoch über uns hinweg, und so lud die Bucht am Donnerstag wieder zum Segeln ein. Unser Ziel war der Alssund, den wir in der ganzen Saison noch nicht einmal besegelt hatten. In den vergangenen Jahren waren wir quasi jedes Wochenende dort unterwegs, aber 2018 lagen unsere Ziele immer wo anders, und das Wetter war jedes Mal günstig.

Im Stadthafen von Sønderborg trafen wir dann auch Martin&Lars, die eigentlich gar nicht mehr weiter wollten – trotzdem schlossen sie sich Saphir und LOTTE an, und so ging es gemeinsam nach Norden. In Sottrupskov ist wirklich nichts mehr vorhanden, und so lenkten wir unseren Kurs nach Stevning Nor. Obwohl der Wind ein wenig auf die Bucht stand, hatten wir einen tollen Abend in dieser süßen Bucht und Benno&Eva damit ein neues Ziel für die kommende Saison.

Für Saphir und LOTTE ging es dann weiter Richtung Westen, während Songlines zurück in die Schlei musste. Gerne wären wir noch gemeinsam nach Kalvø gesegelt, aber für Martin&Lars nahte das Ende ihrer Saison, und da für uns der Wind immer ungünstiger wurde, ging es nach Mjelsvig. Am Ende der Saison ist dieser Hafen immer phantastisch, kaum Leute und das Licht ist abends wunderschön.

Da der nächste Tag nur Flaute und Nebel brachte, entschieden wir eine Wanderung nach Nordborg zu machen und für den Abend Ike&Karin einzuladen – ein gemeinsames Grillen ist immer schön.

Bei bestem Wetter machte sich dann unsere Mini-Flotte am Sonntag auf den Rückweg, und bevor wir auf die herrlich sonnige Bucht kamen, gab es noch etwas Besonders zu sehen: Sønderborg hatte seinen ersten Kreuzfahrer zu Besuch. Das Schiff lag am Ausgang vom Vemmingbund vor Anker, und es herrschte bei perfektem Wetter ein reger Bootsverkehr zum eigens errichteten barrierefreien Anleger im Stadthafen.

Nur eine Woche später ging es dann noch einmal durch den Alssund und nach Stevning Nor – mit LOTTE und Lycka zum Grillen. Wieder passte alles, und wir hatten das Gefühl, dass der Sommer einfach nicht enden wollte – dabei hatten wir schon Mitte Oktober.

In Wackerballig war es mittlerweile schon richtig leer geworden, die Lücken zwischen den Booten wurden immer größer und letztendlich hieß es langsam Abschied zu nehmen. Als Lycka in ihr Winterlager an der Schlei verholt wurde, wurde sie von Saphir und LOTTE begleitet – jetzt kam auch der Herbst mit schnellen Schritten. Nach einem sonnigen Segeltag wurde es abends schnell dunkel, kalt und klamm – wie gut, dass wir in Schleimünde noch etwas Strom zum Heizen hatten.

Auf dem Rückweg war es dann zwar grau und kalt, der Wind war aber perfekt, und so kreuzten Saphir und LOTTE Richtung Wackerballig, und am Ende des Tages wurden dann auch unsere Segel abgeschlagen…

Am letzten Oktoberwochenende hatten wir dann unseren Krantermin, doch es fühlte sich so an, also ob LOTTE lieber in Wackerballig geblieben wäre – ein steifer Nordwest pfiff über die Bucht, und an der Nordmole brachen sich die Wellen, und die Gischt flog bis weit in den Hafen. Wir waren froh, dass wir nur das kurze Stück bis Gelting-Mole mussten, denn Benno&Eva wollten Saphir nach Heikendorf bringen… Trotz Wind und Wellen verließen wir unseren Heimathafen ein letztes Mal in 2018, und dann ging es zum Kran – in gewohnter Geschwindigkeit hatte Frank LOTTE aus dem Wasser geholt und wir mussten nur noch etwas reinigen und dann den Mast verladen.

Am Sonntag ging es dann für LOTTE in ihr Winterlager, wo in den nächsten Wochen umfangreiche Arbeiten anstehen.

Mit dem Einrangieren des Trailers in die Scheune war die Saison 2018 dann endgültig vorbei – eine Saison, die schöner nicht hätte sein können! Neben dem wahnsinnig tollen Sommer konnte ich Robbi nicht nur endlich Schweden richtig zeigen, wir hatten auch die längste zusammenhängende Zeit an Bord – 4 Wochen! Ich war zwar schon länger mit LOTTE unterwegs, der Sommertörn 2003 dauerte immerhin 59 Tage, aber Robbi hatte sich nie an so lange Zeiten heran getraut…

Außerdem waren wir 2018 von Mitte April bis Ende Oktober nur 3 Wochenenden nicht an Bord – was für eine Saison!

Kategorien: Törns, Winterarbeit

2 Kommentare bisher.

  1. Eva Maria sagt:

    Ihr habt den Oktober wunderschön zusammengefasst. War wirklich einmalig diese letzten Wochen der Saison. Für uns die Feuertaufe, neue unbekannte Häfen mit neuem unbekanntem Boot anzusteuern und kennenzulernen. 1000 Dank euch und auf viele neue Wackerballig-Geschwader-Törns dieses Jahr .

  2. Hans-Georg sagt:

    Wieder ein toller Bericht mit beeindruckenden Bilder.
    Ich hoffe, dass in diesem Winter keine größeren Reparaturen anstehen.