Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

14
Jun
2011

Liegewiese

Nach einem sommerlichen Himmelfahrt Wochenende hatten wir Hoffnungen auf ein genau so schönes Pfingsten und unsere Erwartungen wurden nicht enttäuscht!

Am Freitag ging es gleich nach dem (mangels Teilnehmern ausgefallenen) Training mit einem Umweg über Kiel nach Wackerballig. In Heikendorf, bei meinem Vater, lagen seit dem frühen Abend unsere neuen Bootspolster und wir waren natürlich neugierig und wollten sie gerne schon über Pfingsten nutzen. Noch mitten in der Nacht zeigte sich, dass Herr Lenschau von der Firma Lenschau Design perfekte Arbeit geleistet hatte und nach einem schnellen Tausch gegen die alten Polster konnten wir auf unserer neuen Liegewiese sehr bequem und mit viel Platz schlafen. (Vor allem, da wir auch noch nicht die Rechnung für die Polster gesehen hatten…)

Unsere Konstruktion mit dem Roll-Lattenrost stellte sich als stabil und funktional heraus und beim Abbau der Koje merkten wir dann auch noch, dass die beiden Mittelpolster perfekt unter die Schwalbennester passen.

Ich gebe zu, dass ich am Anfang einige Schwierigkeiten mit der Farbwahl von Herrn Lenschau hatte, aber Robbi hat sich durchgesetzt und ich muss sagen: Die Farbe harmoniert perfekt mit den verschiedenen Holztönen in der Kajüte.

Nach einem ausgiebigen Frühstück bei Oma ging es dann mit einem frischen Südwest von 4Bft. in die Flensburger Förde. Während Robert und ich eine Woche in Hamburg bzw. Wilhelmshaven hinter uns hatten, hatten Bärbel und Helmut die Tage in der Dänischen Südsee verbracht und waren nun in ihrem Heimathafen Egernsund – dort wollten wir sie besuchen. Mit vielen dunklen Wolken aber nur wenigen Tropfen Regen war der Törn gen Westen zwar nicht so sommerlich wie erhofft, dafür gab es viel zu sehen, hunderte Boote segelten uns entgegen und es war so manche Augenweide dabei. Die Häfen von Egernsund sind nur durch eine Brücke zu erreichen und die war – wie immer wenn wir kommen – gerade zu gegangen… so machten wir ein einer kleinen Pier fest und klarten erstmal das Boot auf, es macht eh einen besseren Eindruck, wenn man etwas zurecht gemacht zu Besuch kommt.

Bärbel und Helmut liegen mit ihrem Boot direkt hinter der Brücke und sie hatten uns schon einen Platz freigehalten – direkt neben ihnen. Da wir ja schon mit allem klar waren, hätten wir gleich in Ruhe Kaffee trinken können… wenn Bärbel uns nicht mit einem schlumpffarbenen Muffin erschreckt hätte. (Naja, Robbi hat auch das Teil runter bekommen und der andere Kuchen war dann normal.)

Mit dem Abend kam dann die Sonne hervor und es wurde warm und immer schöner – wie schon eine Woche vorher haben wir alles zusammengeworfen und einen schönen Grillabend verlebt.

Als es dann dunkler wurde, zogen wir uns auf die Boote zurück, beim Schein der Petroleumlampe und einem kleinen Absacker hatten wir dann noch sehr viel Freude an Robert Gernhardts "Animalerotica":

Der Kragenbär, der holt sich munter,
einen nach dem andern runter.

Der Wal vollzieht den Liebesakt
zumeist im Wasser. Und stets nackt.

Der Liebe zwischen Fuchs und Schwan
Haftet ein stiller Zauber an.

Die Heringsfrau, die sprach versonnen:
»So ein Wal wiegt siebzig Tonnen!«

Der Bär schaut seinen Ziesemann
nie ohne stille Demut an.

Das Vorspiel nahm den Hengst so mit,
dass er geschwächt zu Boden glitt.

Der Mops hat seinen Zeugungstrieb
ganz schrecklich gern und furchtbar lieb.

In Köln, da können sich die Dohlen
selbst auf dem Dom ein Liebchen holen.

Der Löwe schleicht ins Freudenhaus
Und klopft sich dort die Eier aus.

Dem Sperber leiht der stolze Aar
Nur ungern sein Patentpessar.

Die meisten Schweineigel wohnen
Rund um die erogenen Zonen.

Seit jener selbsterdachten Stellung
Hat Meister Stier die Schienbeinprellung.

Bis auf das süße Lustgefühl
Lässt den Kauz der Beischlaf kühl.

Der Habicht fraß die Wanderratte… (…)

An dieser Stelle darf ich leider nicht weiter schreiben, Bärbel kann sonst wieder nicht mehr richtig schlafen…

Der Sonntag Morgen zeigte sich dann von seiner besten Seite und wären wir nicht von Helmut mit einer Tüte Brötchen bombardiert worden (die laut knallend in unserem Cockpit landete), so hätten wir den Vorzug unserer neuen Kojen sicher noch etwas länger genossen. Trotzdem freuten wir uns natürlich über die frischen Backwaren und so gab es dann ein schönes Pfingstfrühstück und Robbi bekam sein geliebtes Rührei mit Speck.

Mit der Brücke um 16Uhr verließen wir dann den Egernsund und ein leichter West von 3Bft. trieb uns aus der Förde. Vor Habernis drehte der Wind dann über Nord auf Südost bevor er für die Nacht einschlief; so ging es die letzten 2Meilen unter Motor nach Wackerballig. Obwohl wir erst um halb Zehn am Hafen ankamen, war es noch immer taghell und Oma stand am Strand und winkte.

Pfingstmontag ging es wieder zum Frühstück zu Oma, bevor wir dann LOTTE endlich einmal gründlcih saubergemacht haben. Während Robbi noch letzte Feinheiten verrichtete, habe ich Oma geholt, die sich so sehr freute enlich mal wieder im Hafen und auf dem Boot sein zu können:

Wie schön waren die Zeiten, als Oma (und früher auch noch Opa) ihren Wohnwagen in Wackerballig hatten und wir immer einen zweiten Hafen hatten… Unzählige Male haben wir bei ihr gefrühstückt, haben am Sonntag nach einem stürmischen Törn nasse Polster bei ihr zum Trocknen abgegeben und dabei ein heißes Essen bekommen oder ist sie an Bord geklettert und hat LOTTE gelenzt. Wie schön, dass sie auch in diesem Jahr wieder hier oben ist und den Anfang der Saison mit uns genießt!

Mit Oma statteten wir dann noch dem neuen Bistro im Yachthafen eine Besuch ab und waren erstaunt über die leckeren Kleinigkeiten, die auf der Karte zu finden waren. Über Hamburg ging es dann weiter nach Westen – ich erreichte Wilhelmshaven kurz vor Mitternacht.

 


p.s.: In Egernsund wurde ich das erste Mal von einem, mir vollkommen unbekannten (Folkeboot-)Segler, mit Namen angesprochen – er kannte uns und LOTTE über diese Website!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Heino sagt:

    Wieder ein schöner Bericht! Ich werde immer neidischer ^^
     
    Ganz liebe Grüße
     
    Heino