Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Das Wetter am letzten Wochenende versprach kalt aber schön zu werden. Mit dieser Aussicht wollten wir den Maifeiertag nutzen und zusammen mit Gunthi&Nino zum ersten Törn des Jahres zu starten. Nach all dem Ärger mit dem Lack hatten wir ein mulmiges Gefühl, als wir am Donnerstag, nach langen Staus auf der Autobahn, endlich bei LOTTE angekommen waren – aber die Persenning hatte den Großteil des Lacks vor zu intensiver Sonne geschützt, und so waren nur kleinere neue Blasen entstanden.

Nach einer eisigen Nacht empfing uns der Freitag mit schönster Sonne aber leider auch totaler Flaute; so wollten wir erstmal in Ruhe frühstücken, bevor wir dann die Segel setzten. Doch schon vor dem Frühstück tauchte das erste Problem auf – die Marmelade tauchte ab! Bei der Übergabe der Lebensmittelkiste an Gunthi fiel das Glas mit der selbstgemachten Köstlichkeit über Bord und ging sofort auf Tiefe… Mit dem richtigen Werkzeug war das Problem aber schnell gelöst, und so wir konnten erstmal auf Seewiefke frühstücken. Dabei entstand der Plan in die Förde zu segeln und einfach zu gucken, wie weit wir kommen – Langballig, Bockholmwik, Marina Minde, Egernsund,… Auf dem Weg Richtung Flensburg liegen genug Häfen und irgendeinen würden wir schon erreichen. An wirkliches Segeln war aber nicht zu denken und so trieben wir die meiste Zeit einfach umher. Mit jedem Hauch des leichten Ostwinds machten wir ein paar Faden unserem Ziel entgegen, und so schafften wir es bis zum Nachmittag tatsächlich um die Spitze von Habernis und damit in die Flensburger Förde. Längst hatten wir mit Gunthi&Nino verabredet Langballig anzulaufen, aber auch diese 8,5nm konnten wir am Ende nicht unter Segeln schaffen. Trotz der schönen Sonne war es immer noch empfindlich kalt, und als wir über eine halbe Stunde gar keine Fahrt mehr machten, starteten wir für die letzten 2 Meilen den Motor.Auch wenn uns auf dem Wasser doch ziemlich kühl wurde, merkten wir spätestens im Hafen die Kraft der Sonne – an Land war es nicht nur sehr warm, sondern wir merkten auch gleich den ersten Sonnenbrand. Den ganzen Tag hatten wir eher auf den Lack (und die neu entstehenden Blasen) geachtet als auf, uns und als wir Vier dann mit knallroten Köpfen bei einem Anlegerbier saßen, freuten wir uns über etwas Schatten.

Langballig ist ein sehr netter kleiner Hafen, der trotz seiner modernen Ausstattung noch immer den Charme eines kleinen Fischerhafens besitzt. Während man auf der Landseite Fisch in einem Restaurant oder einem Imbiss zu essen bekommt, kann man ihn an der Kaimauer noch direkt vom Kutter kaufen. Da am Abend eine kleine Front mit Regen durchzog, entschieden wir uns für das Restaurant und machten uns danach einen schönen Abend auf Seewiefke.

Am Samstag war es dann wärmer und vor allem windiger! Ein frischer Nordwest brachte uns schnell auf die Förde und dann in die Geltinger Bucht. Während Gunthi&Nino den direkten Weg nach Wackerballig wählten, wollten wir das phantastische Segeln noch etwas genießen und setzten erstmal Kurs auf den Leuchtturm von Kalkgrund. Von dort ging es dann mit fast halbem Wind dem Heimathafen entgegen und dabei lief LOTTE zum Teil über 6kn – so kamen wir sogar noch vor Seewiefke in Wackerballig an. Bereits am Samstag nach Wackerballig zurückzukehren hatte mehrere Gründe: Zum einen sagte die Wetterprognose für Sonntagvormittag Nieselregen, Temperaturen um den Gefrierpunkt und einen strammen Südost voraus, zum anderen hatten wir noch ein paar Restarbeiten an LOTTE zu erledigen. Beim Polieren der Laibhölzer hatte sich leider eine Menge Polierpaste in das Holz vom Deck gesetzt und weigerte sich beharrlich dort wieder zu verschwinden – eine Aufgabe für Robbi, den Profi Deckschrubber! Während alle anderen im Hafen mit Mütze und dickem Pullover rum liefen, zog Robbi Schuhe und Strümpfe aus und macht sich an die Arbeit. Da wir das Deck in diesem Winter ja ausnahmsweise mal geschliffen hatten, ging die Arbeit recht flott und nach einer guten Stunde sah LOTTE aus wie neu. Das war gerade zum richtigen Zeitpunkt, denn schon nahte Hans-Jürgen, der in Flensburg sein Folke Svanen beladen hatte und jetzt auf dem Rückweg nach Travemünde war. Gemeinsam tranken wir eine Tasse Kaffee und als er sich wieder auf den Weg machte, wollten wir mit Gunthi&Nino in den Abend übergehen – kochen und den Ausklang des Törns genießen.

Doch beim Segeln kommt irgendwie immer alles anders und wir sind ja flexibel. So wurde das Kochen erstmal verschoben, als Nino plötzlich mit Volker auftauchte – ein Aperol Spritz (oder zwei), ein Schlehengeist (oder waren es mehrere?) und eine Menge Rotwein hatten sich zu ein paar Oliven und dem Rest Käse gesellt, als Robbi dann mit Bianca (unserer Hafenmeisterin) auftauchte. Sogleich wurde sie in unsere fröhliche Runde integriert und wir erfuhren viele interessante Neuigkeiten aus Region und Hafen. Leider verzögerte das ganze unser Abendessen noch weiter und so begannen Nino und ich erst gegen 22Uhr mit dem Kochen; kaum stand das Essen auf dem Tisch entschuldigte sich Robbi und verschwand mit unbekanntem Ziel, bei einer Suche fast eine Stunde später fand ich ihn auf LOTTE – er lag in der Koje und war zu nix mehr zu gebrauchen. So etwas hatte ich bei Robbi noch nie erlebt, normalerweise ist er ja mehr als trinkfest – aber nach einem ganzen Tag in Wind und Sonne waren die Drinks wohl auch für ihn zuviel für den nüchternen Magen…

Am Sonntagmorgen war es zwar nicht so kalt wie prognostiziert, aber der steife Wind ließ die Masten zittern und die Wanten singen. Zum Katerfrühstück war Robbi wieder fit – so fit, dass er sich prompt bei Nino über das fehlende Frühstücksei beschwerte…

Auch wenn wir immer neue Beulen in unserem Lack finden, so war der erste Törn doch traumhaft! Wir freuen uns jetzt schon auf Himmelfahrt, dann wollen wir wieder mit LOTTE&Seewiefke in See stechen!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Detlef sagt:

    Moin ihr beiden,
    Bin ja ein bisschen neidisch das ihr schon Segeln könnt. Wir hatten ja gewatsupt, nur kennt ihr schon das Problem mit dem Lack? Ist ja schade drum. Könnte es an dem Verdünner der Beize liegen. Oder ist der Intervall zw. den Lackierungen nicht eingehalten , so das noch Verdünner der 1. Schicht nicht durch die 2. kommt?
    Was für ein Ärger.
    Ich möchte im nächsten Winter mich auch das erste Mal um Schöheitsarbeiten an unserer Lill kümmern mit z.B. abziehen des Aufbaus. Beim Jolli vor 10 Jahren haben wir mit Nitrobeize das rohe Holz gebeizt und anschließend mit Epifanes 1K Lack 5x gerollt und mit Schaumpinsel verschlichtet. Das Ergebnis wurde dann noch 2x übergerollt und hat dann bis zum Verkauf 2012 gehalten.
    Wollte es eigentlich wieder so machen.
    Wär mal interessant zu welchem Ergebnis ihr kommt.
    Herzliche Grüße aus dem Nordosten von Malljorca
    Detlef