Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Am letzten Wochenende war es dann soweit: LOTTE sollte endlich wieder ins Wasser! Bevor dies aber geschehen konnte, gab es noch eine Menge Vorarbeiten und neue Probleme…

Zum einen tauchte bereits in der Halle die erste Lackblase auf, aber dieses kleine Exemplar ließ sich von Robbi in der Woche vor unserem Krantermin noch gut beseitigen und war auch nur ein Vorgeschmack auf das Ergebnis der ersten Frühlingssonne.

Zum anderen hatten wir auch kurz vor unserer Fahrt nach Gelting noch immer kein Zugfahrzeug. Jans Wagen, den wir seit Jahren dankbarer Weise immer nutzen dürfen, hat einen Totalschaden und so war guter Rat teuer. Nach einem ganzen Tag am Telefon hatte Robbi dann endlich einen Vermieter gefunden, der nicht nur ein potentielles Zugfahrzeug im Programm hat, sondern das auch noch halbwegs bezahlbar war. Noch vor wenigen Jahren konnten wir für etwas mehr als 100Euro (inkl. aller Kilometer) einen Nissan Navarra, Pathfinder oder ähnliches für ein Wochenende bekommen; jetzt werden die Vermieter diese Wagen aber nach dem halben Jahr Vorhaltezeit nicht mehr los, die Deutschen wollen diese Spritfresser nicht. Als einziger Ersatz kommen dann große Geländewagen der Oberklasse in Betracht (Audi Q7, Mercedes ML, Mercedes G, Porsche Chayenne…) – für diese werden dann aber auch gerne mal 300+ Euro für ein Wochenende gefordert.

Mit einem gebuchten Zugfahrzeug ging es dann an die letzten Arbeiten: Unter der Woche reparierte Robbi nicht nur die Lackblase und pinselte den Wasserpass, sondern er reinigte das ganze Boot. Dazu gehörte neben dem Saugen vor allem das nasse (nicht feuchte!) Wischen. So konnte unsere alte Dame schon mal etwas quellen.

Am Freitag, dem 17. April, bauten wir dann letzte Beschläge an, verlegten 2 neue Leitungen, und dann wurde LOTTE wieder eingeräumt. Am Nachmittag kamen dann noch meine Mutter und Renate mit Tee, Kaffee und Kuchen; beide packten dann noch einige Zeit kräftig mit an und so hatten wir LOTTE nach guten 5 Stunden Räumen und Stauen endlich fertig bepackt. Danach mussten wir nur noch die Spanngurte für den nächsten Tag bereit legen, den Luftdruck der Reifen kontrollieren und den Trailer wieder von den Stempeln herunterholen – gegen 22Uhr waren wir dann fertig (in jedem Sinn des Wortes). Am Samstag holten wir dann um kurz nach 8 Uhr den Mercedes aus Stellingen und stellten beim Vermieter unseren Volvo, beladen mit all jenen Dingen, die wir erst im Wasser brauchen, ab. Unser Plan war: zum Boot, das Boot nach Gelting, den Mercedes zurück nach Hamburg bringen und dann mit dem Volvo wieder hoch fahren.

Unser Plan ging gut auf, nicht nur dass wir das perfekte Zugfahrzeug hatten, wir hatten auch fast keinen Stau und so waren wir gegen 14 Uhr in Gelting Mole. Leider gab es dieses Jahr jedoch einige ungeplante Stopps – so mussten wir nicht nur unsere Spanngurte vor dem starken Vibrieren schützen, sondern hatten auch ein konspiratives Treffen mit meiner Mutter an der Abfahrt Moorburg: Wir hatten die Kamera vergessen! In Gelting Mole angekommen, schnappten wir uns ein paar kräftige Helfer für den Mast, brachten den Außenborder am Heck an und luden Werkzeug und das laufende Gut aus dem Wagen – bei schönster Frühlingssonne machte ich mich an den Mast und Robbi fuhr wieder gen Hamburg zum Autotausch.

Unser Plan, einfach zu warten und ggf. schon am Samstag zu kranen, ging auf; als ich mit dem Mast fertig war und gerade Besuch von Gunthi&Nino hatte, kam Patrick, der Hafenmeister, auf mich zu und sagte: „Du bist der nächste.“ Peter, Omas ehemaliger Nachbar vom Campingplatz, zog LOTTE kurzerhand mit seinem Auto zum Kran und so schwammen wir genau in dem Moment, in dem Robbi wieder in Gelting Mole war.

Zusammen mit Nino brachte ich unsere alte Dame dann erstmal in eine Box – LOTTE musste quellen, ich aus der Sonne (der Nacken war schon leicht verbrannt) und wir alle zum traditionellen Saisonauftakt-Essen mit Volker zum Griechen. Am Sonntag, nach einem sehr schönen Frühstück mit Gunthi&Nino in Janbeck*s FAIRhaus, machten sich die beiden auf den Heimweg und wir uns an den Mast. Seit Jahren stellen wir den Mast immer erst am Tag nach dem Kranen; zum einen haben wir so mehr Zeit, alle Beschläge und das Gut an den Mast zu bekommen, und zum anderen kann LOTTE dann gleich in eine Box und mit der großen Pumpe an die Steckdose. (In diesem Jahr war das zwar gar nicht nötig, aber es gab auch Jahre, da schwammen nach 10 Minuten die Bodenbretter.) Nachdem wir den Mast gestellt hatten, legten wir uns an die Mole und begannen mit dem Masttrimm und dem Anschlagen der Segel. Wegen unseres neuen Mastfußes brauchte das etwas mehr Zeit als in den letzten Jahren und da es super sonnig und vor allem windstill war, vergaßen wir die Zeit und merkten erst recht spät, wieviel Kraft die Sonne schon hat: Der Lack auf der dunklen Mahagonifläche wurde warm und jetzt konnte der Epoxiprimer zuende reagieren und dabei aushärten. Bei diesem Prozess verflüchtigen sich die letzten Lösungsmittel und die einzige „Fluchtrichtung“ ist der noch nicht vollständig ausgehärtete Lack – es bildeten sich an vielen Stellen Blasen… Uns war zwar klar, dass dieses passieren würde, aber wir hatten nicht so früh damit gerechnet… Also packten wir schnell alles zusammen und verholten uns nach Wackerballig. Dort wollten wir die Persenning über das Boot ziehen und so die Wärme etwas steuern; unsere Hoffnung ist jetzt, dass eine gleichmäßige Wärme über die nächsten Wochen alle Stellen zu Tage bringt, diese aber nicht ganz so groß aufgehen, wie in der knallen Sonne. Jetzt liegt LOTTE erstmal zum 19. Mal an ihrem Liegeplatz in Wackerballig und hat Zeit zum Quellen und Durchhärten – bis Ende Mai sollten alle Stellen zu Tage getreten sein und dann werden wir gucken, was wir damit anstellen… Gestern bekamen wir gleich eine Anruf von Ralf Peine mit guten und sehr wertvollen Tipps, mal sehen, ob wir in diesem Sommer mehr arbeiten als segeln…

Kategorien: Törns, Winterarbeit