Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Wie schon im letzten Jahr, so ist auch der Sommertörn 2015 begleitet von einigen Komplikationen. 2014 mussten wir wegen Robbis Uni unseren Urlaub um eine Woche schieben, in diesem Jahr kann er (fast) garnicht mit… Ich werde mit ihm den Törn starten und dann werden Freunde übernehmen – LOTTE will doch auf die See!

Wie schon in den letzten Jahren, will ich auch in diesem Sommer einen täglichen Blog schreiben; ich stellen ihn immer dann Online, wenn wir einen Hafen mit gutem WLAN finden.

Endlich Sommer (7/VIII)

Der Start in Hamburg war noch alles andere als sommerlich – bei strömendem Regen, Donner und Blitz, machten wir uns auf den Weg nach Norden. Da wir bereits gegen 13:00 Uhr gestartet waren, erreichten wir Wackerballig ohne einen nennenswerten Stau oder andere Behinderungen.Mit dem Erreichen der Ostsee stellte sich dann auch der Sommer ein; ab Eckernförde wurde es mit jedem Kilometer sonniger und wärmer. Da wir schon so früh in Gelting ankamen, konnten wir dort nicht nur im Supermarkt, sondern auch noch beim Schlachter einkaufen – eine perfekte Gelegenheit endlich den tollen Grillplatz bei uns im Hafen testen.

Bevor wir uns aber an das Grillen machen konnten, mussten wir erst LOTTE beladen – keine einfache Aufgabe bei so viel Zeugs. Mittlerweile war es richtig heiß geworden und die leichte Seebriese war einer Flaute gewichen. Nach der schweisstreibenden Arbeit genossen wir dann einen phantastischen Abend mit Blick auf die Geltinger Bucht.

Unerwartetes Wiedersehen (8/VIII)

Am Samstag sollte es dann auf See gehen, aber das Wetter und der Kater des Skippers verhinderten einen frühen Start. Wegen meinem dicken Kopf war ich weder über den Regen, noch die Flaute sonderlich böse und so verließen wir den Hafen erst, nachdem es gegen Mittag einigermaßen aufgeklart war.Hatten wir am Vortag noch Temperaturen von fast 30°C in der Sonne so fühlten sich die 17°C beim aufkommenden Nordwind eisig an. Mit dicker Jacke kreuzten wir aus der Geltinger Bucht und hatten das Gefühl, dass Sommer doch eigentlich anders sein müsste.Der schwache Nordwind verließ uns im Laufe des Nachmittags aber immer mehr, so dass uns auch die Abkürzung über den Kalkgrund nicht viel half – auf der Höhe von Falshöft steckten wir in einer totalen Flaute fest und starteten nach fast einer Stunde des Wartens den Motor.So plötzlich wie er gegangen war, kam der Wind dann aber auch wieder. Wo eben noch eine spiegelglatte See zu sehen war, zeigten sich plötzlich kleine Kräusel und wir konnten den Motor stoppen. Kaum waren wir ein Stück gesegelt, da hörten wir aus der Ferne unseren Bootsnamen, und dieser wiederholte sich. In einiger Entfernung, auf einem Traditionssegler stand ein Mann, rief und winkte nach LOTTE. Wir änderten unseren Kurs, schließlich wollten wir wissen, wer uns da ruft. An Bord der Seestern entdeckten wir dann Micha, von dem wir seit Jahren leider nichts mehr gehört hatten, ein freudiges Wiedersehen auf hoher See. Die nächste Stunde segelten wir mit atemberaubenden 2kn nebeneinander her. Als die Seestern-Crew dann hörte, dass wir Schleimünde anlaufen wollten, entschieden sie sich für das gleiche Ziel.Vorbei an dem alten Leuchtturm mit neuer Farbe ging es in die Schlei und wie so oft hatten wir mit dem Folkeboot in dem vollen Hafen noch Glück: Am Stegkopf konnten wir längsseits einer Yacht gehen, die dann auf beiden Seiten je ein Folkeboot hatte.Als die Seestern noch am Anlegen war, machten wir uns schon an das Kochen, wir wollten so rechtzeitig mit dem Essen fertig sein, dass wir die Abendstimmung auf der Lotseninsel in Ruhe genießen konnten. Während wir noch am Schnippeln waren, kam Micha auf einen Wein vorbei und kaum war er wieder weg, bekamen wir den nächsten Besuch: Ein paar Boote weiter lag Detlef, der uns im Winter in unserer Halle besucht hatte, mit seinem Folkeboot Lill. Nach einem schönen Spaziergang über die Loteninsel bei Sonnenuntergang, mit Bier in der Giftbude (die ansonsten ihren kompletten Charme verloren hat) und dem obligatorischen Besuch beim Leuchtturm wurden wir von Micha auf die Seestern eingeladen.

Was wir dann dort an Bord erlebten, lässt sich mit Worten nur schwer beschreiben: Auf dem Achterdeck saßen neben Micha noch Andreas, Erik und Tom, alle mit selbstgebauten Instrumenten bestückt, und dann begann das Hafenkonzert. Von Folk über Blues zu Monty Python führte die musikalische Reise. Bis Mitternacht saßen wir unter dem Sternenhimmmel und auf dem Steg hatte der halbe Hafen Platz genommen. Mit Decken und Weinflaschen wurde aus der Lotsenbrücke eine Tribüne und nach jedem Stück bekamen die Drei eine Menge Applaus.

volle Distanz: 16.77 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.34 knots
Gesamtzeit: 06:23:10

Eckernförde – touristische Nahkampfdiele (9/VIII)

Heute weckten uns die herliche Morgensonne und ein sanfter Nordost. Nach einem guten Frühstück setzten wir die Segel und von Schleimünde aus ging es an der Küste Schwansens entlang in Richtung Eckernförde. Da wir morgen Abend in Heikendorf sein wollen, bot sich Eckernförde als kleiner Umweg an. Nicht nur, dass Hafen und Stadt sehr schön sind, in 19 Jahren mit LOTTE habe ich es bisher noch nie hierher geschafft. Vorbei am Marinehafen und am Yachthafen ging es in den Stadthafen, hinein in das Gedränge. Direkt am alten Hafen ist eine Mischung aus Wochen- Fisch- und Flohmarkt und bei dem perfekten Wetter ist das Gedränge dort natürlich groß. Den Nachmittag über fliehen wir vor der Sonne in die Kajüte und schreiben diesen Bericht. Jetzt aber wollen wir die Stadt unsicher machen.

volle Distanz: 17.32 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.23 knots
Gesamtzeit: 04:23:18

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Hans-Georg sagt:

    Eure Erlebnisse, wie z.B. das „Hafenkonzert“, sind sicher vierl wertvoller als jeder 1. Platz bei einer Regatta!