Etwas abschalten – Stevning Nor : Folkeboot Lotte

Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Am letzten Wochenende war nicht nur die Wetterprognose zum Segeln günstig, durch den Beginn der Hamburger Sommerferien hatten wir auch kein Training am Freitag Abend und konnten so schon nachmittags gen Norden starten. Leider schienen noch mehr Leute diesen Plan zu haben, und so war die Fahrt extrem zäh, kaum waren wir den Staus auf dem Hamburger Stadtgebiet entkommen, begann die Ausbaustrecke der A7 – 90km Verschwenkungen, Tempolimits und Leute, die ihre Wohnwagen nicht durch Baustellen lenken mögen oder können.

So kamen wir leider nicht – wie geplant und angekündigt – gegen 18 Uhr in Wackerballig an, sondern gegen 20 Uhr. Als wir aus dem Auto gestiegen waren und unsere Taschen in einen der Handkarren luden, empfing uns die Geltinger Bucht mit herrlicher Sonne und nahezu absoluter Flaute. In der Ferne war Dänemark zu erkennen – ein perfektes Ziel für einen Abendtörn.

Kaum waren wir aber am Boot, hatten die Taschen verladen und Freunde begrüßt, war Dänemark plötzlich in einer dunklen Wand verschwunden und der Wind brieste heftig auf. Aus der südlichen Flaute wurde ein steifer Nordwest und bei 5 bis 6 Bft. wurde es auch deutlich kühler.

Als wir dann sahen, wie sich unsere Freunde mit ein paar Getränken auf den Weg zum „Leuchtturm“ an der ehemaligen Hafenspitze machten, entschieden wir in Wackerballig zu bleiben, und mit ihnen einen schönen Abend zu verbringen. Nach kurzer Zeit kam dann auch noch Bianca, unsere Hafenmeisterin, und schnell stellten wir fest: Für so eine feucht-fröhliche Runde fehlte uns allen die nötige Grundlage! Aber wo sollten wir jetzt etwas zu Essen herbekommen? Robbi und Markus hatten dann die Idee, sie wollten einfach mal im Wackerpulcko fragen, ob es dort auch Take-away gäbe… Als sie nach kurzer Zeit mit dem Dinghy zu uns rüber paddelten, winkte Robbi schon von weitem mit in Alufolie verpackten Tellern. Mit einer leckeren Curry Wurst im Bauch konnten dann auch noch ein paar weitere Flaschen geköpft werden, und nachdem wir die Boote geplündert hatten, gab es davon eine Menge…Am nächsten Morgen – da wir ja mal nicht erst nach Mitternacht beim Boot waren, konnten wir auch früh aufstehen – begrüßte uns dann die Ostsee mit einem frischen West von 4 bis 5 Bft. und herrlicher Sonne. Wir wollten endlich los und daher fiel das Frühstück mal (Lotte-untypisch) kurz aus. Noch im Hafen setzen wir die Segel und dann ging es bei halbem Wind und mit konstant über 5kn gen Norden.

Als wir die Geltinger Bucht verlassen hatten, erwischten uns erwartungsgemäß die Wellen aus der Flensburger Förde – die nächsten 3 Meilen wurden ziemlich nass, aber die Sonne trocknete unsere Klamotten so schnell, dass wir keine Lust auf dickes Ölzeug hatten. Auf dieser Strecke zeigte sich mal wieder, wie dicht man auf dem Folke doch am Wasser sitzt: Auf allen größeren Yachten saßen die Segler ganz komfortabel in ihren hohen Cockpits und bekammen keinen Tropfen ab. Auch die fehlende Sprayhood macht sich hier bemerkbar, mit ihr wären uns sicher einige Eimer Wasser erspart geblieben.In Sønderborg legten wir mal wieder eine Punktlandung hin: In dem Moment in dem wir in den Stadthafen kamen, gingen die Schranken für die Autos runter und einen Moment später die Brücke hoch.Ohne größere Verzögerung konnten wir also in den Als Sund und weiter nach Norden. Es war eine herrliche Fahrt, der Wind hatte auf Südwest gedreht und so rauschten wir dem Ende des Sunds entgegen. Im Als Fjord bekamen wir dann die gleiche Welle ab, wie wir sie schon auf der Außenförde hatten und da wir alle westlicheren Ziele hätten erkreuzen müssen, entschieden wir uns für einen Besuch in Stevning Nor. In dieser verträumten kleinen Bucht kann man herrlich Baden, Grillen, Wandern oder einfach die Seele baumeln lassen! Bei Südwest ist der Liegeplatz an dem kleinen Steg zwar etwas rau, aber der Wind sollte zum Abend ja abnehmen und so gingen wir nach einem herrlichen Törn an der kleinen Brücke fest.Ein großer Vorteil von Stevning Nor ist die Einsamkeit – unter der Woche trifft man hier fast nie einen anderen Menschen und auch am Wochenende sitzen die wenigen Dänen eher auf der Veranda ihres Clubhauses, als an Bord. So hatten wir Hafen und Grillplatz für uns allein und konnten uns nach Herzenslust ausbreiten. Nach der schweren Curry Wurst vom Vortag sollte es heute nur Salat zum Gegrillten geben und nach einem Spaziergang machten wir uns dann an die Vorbereitungen.Den ganz neu angelegten und sehr gut windgeschützen Grillplatz nahmen wir dann für den Rest des Abends in Beschlag – dort konnten wir nicht nur super essen, sondern hinterher auch abwaschen, lesen und noch etwas trinken.Am Sonntag war es dann merklich kühler. Als wir aus der Kajüte kamen, war der Himmel grau und es wehte kein Lüftchen; da alle Vorhersagen von Regen sprachen, gab es wieder nur ein kurzes und recht frühes Frühstück, bevor wir uns unter Motor wieder in Richtung Süden begaben.Dieses Mal hatten wir mit der Brücke aber kein Glück, und so mussten wir eine halbe Stunde warten. Am Pfahl liegend hatten wir gute Gelegenheit nochmal den Wetterbericht zu checken: Ein riesiges Regengebiet zog von Niedersachsen in Richtung Norden…Also ab durch die Brücke und über die Bucht – teils noch mit Motor, dann endlich unter Segeln erreichten wir noch gut vor dem Regen unseren Heimathafen und konnten LOTTE in Ruhe entladen und dicht machen. Hatten wir unterwegs nur ein paar kurze Schauer abbekommen, so schafften wir es leider nicht mehr trockenen Fußes zum Auto und die Rückfahrt nach Hamburg glich dann zu großen Teilen eher einer Fahrt in einem U-Boot.

Kategorien: Törns