Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Langsam gen Süden (16/VII)

Nach dem Hafentag störte uns auch der Regen am grauen Morgen nicht mehr – wir wollten weiter. Das Frühstück verlegten wir kurzerhand in die Kajüte und dann ging es trotz einiger Schauer wieder der offenen Ostsee entgegen. Direkt im Hafenbecken setzten wir die Segel und da die Schauer auch immer einige Böen mit sich brachten, ging es gut voran.

An Snaptun und Hjarnø vorbei führte unser Kurs langsam wieder gen Süden. Während wir unserem Ziel Juelsminde entgegen kreuzten, dachten wir öfters darüber nach, einfach mit dem Wind gen Tunø oder Samsø zu segeln, aber die Wetterprognose war immer noch zu unbestimmt, sodaß wir uns lieber langsam auf Kurs Heimat machten.

Der Hafen von Juelsminde war schon von weitem auszumachen. Dies lag nicht nur an seiner prägnanten Lage, sondern vor allem an dem großen Zelt und der lauten Musik. Wir stürzten uns mitten in das Gedränge, und obwohl uns bereits Boote entgegen kamen, fuhren wir direkt in den alten Hafen. Ganz am Ende der Boxengasse, wo Motorboote und kleine Fischkutter liegen, fanden wir noch eine schöne Box.

volle Distanz: 16.89 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.04 knots
Gesamtzeit: 03:43:51

An diesem Abend kochten wir nicht, sondern gönnten uns einen Burger im Hafencafé mit Blick auf alle Boote. Während das Fest bis nachts um 2 Uhr ging, wurden wir aber schon früh müde und waren lange vor vielen der Feiernden im Bett. Was uns aber auch in diesem Hafen wieder auffiel: Wir waren unter den wenigen Deutschen. Seit wir die Gewässer nördlich von Fyn erreicht hatten, waren alle Häfen erfreulicherweise fast nur mit Dänen gefüllt – eine Situation die man aus der dänischen Südsee nicht kennt.

Treffen im Regen (17/VII)

Trotz der Musik (und der vielen recht angeheiterten Dänen) hatten wir eine gute Nacht. Unsere Nacht wurde sogar noch länger als geplant, denn morgens erwachten wir wieder vom Geplätscher des Regens auf das Kajütdach. Wie ein kurzer Blick aus der Kajüte verriet, würde es aber bald trocken und so warteten wir erstmal ab. Der gemeinsame Weg in die Stadt bescherte Robbi nicht nur den ersten Besuch bei einem dänischen Bäcker in dieser Saison, sondern er bekam dort auch endlich einmal eine frisch gebackene Leverpostej.

Mit schwachen Winden und wieder einmal bei Nieselregen verließen wir einen Hafen unter Segeln und je länger wir auf dem Wasser blieben, umso kälter wurde es.

Wir hatten uns für den Abend mit Erik in Brejning verabredet, er war mit seinem Folkeboot Pommery und seinem Kumpel Henrik auf Sommertour. Schon seit unserer Abfahrt standen wir mit den beiden im Kontakt, aber irgendwie hatte es bisher nie gepasst. Mit der Aussicht auf einen schönen Abend in einem uns unbekannten Hafen kreuzten wir also bei 12° C und häufigen Schauern den Vejle Fjord hinauf.

volle Distanz: 20.83 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.10 knots
Gesamtzeit: 05:25:10

Der Hafen von Brejning stellte sich als eine sehr hübsche Anlage mit viel Komfort heraus: Für die 140dkr Hafengeld gab es nicht nur eine tolle Brücke, Wasser, Strom und sogar die Dusche – wir konnten auch zum gemeinsamen Essen das tolle Klubhaus benutzen, und vorher mit den kostenlosen Fahrrädern nach Brejning zum Einkauf fahren.  (Der einzige Wehrmutstropfen war ein Zettel mit einer nahezu unverschämten Ankündigung: Wer sein Hafengeld bar bezahlen will, bezahlt eine Strafgebühr von 70dkr = 10€.) Die Einkaufstour gestaltete sich aber als etwas schwierig, denn die Hälfte der 3km in den Ort geht es bergan und die Fahrräder sind nicht die allerbesten…

Wir waren gerade vom Einkaufen (nass bis auf die Knochen) zurück gekehrt, da sahen wir kurz vor dem Hafen einen kleinen roten Punkt – Pommery motorte heran. Leider hatten wir während unserer Radtour Nachbarn bekommen und so mussten Erik und Henrik an Lotte ins Päckchen. Für uns war das aber alles kein Problem, denn bis in den frühen Morgen saßen wir im Klubhaus, genossen gegrilltes und jede Menge Bier zu den netten Gesprächen.

Pommery gibt Gas (18/VII)

Sonne. Die Tisch auf dem Brückenkopf lud zum frühstücken unter freiem Himmel ein, und wir bereiteten alles für eine weitere gemeinsame Mahlzeit vor. Als Erik, der bei seinem ersten Besuch in Brejning den Bäcker nicht gefunden hatte, endlich von seiner zweiten Einkaufstour zurück gekommen war, hatte er neben den Brötchen leider auch den Regen im Gepäck. So verholten wir uns wieder in das schöne Klubhaus, und da es draußen mal wieder am schütten war, wurde aus unserem Frühstück wieder ein ausgedehnter Brunch. Danach beratschlagten wir unsere Tagesziele und am Ende stand fest: LOTTE und Pommery segeln gemeinsam nach Strib.

Beim Ablegen waren wir noch schneller, auf dem Vorwind-Kurs aus dem Vejle Fjord heraus hänge Pommery uns dann aber gnadenlos ab. Hätte Erik nicht immer wieder irgendwelche Bremsmanöver gefahren, so wären die beiden lange vor uns im Ziel gewesen. Hinter Trelde Næs wartete Pommery dann bis wir aufgeschlossen hatten. Auf dem nun folgenden Am-Wind-Kurs machte sich LOTTE aber gar nicht so schlecht. Trotz unserer beschränkten Trimm-Möglichkeiten, dem viel massiveren Ausbau, der sehr viel höheren Zuladung und unserer fehlenden Regatta-Erfahrung erreichten wir zeitgleich den Hafen von Strib.

volle Distanz: 14.55 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.40 knots
Gesamtzeit: 03:30:22

Der Sportboothafen von Strib ist aus dem alten Fährhafen zwischen Fyn und Fredericia hervor gegangen, und besteht jetzt aus 2 Becken für Yachten. Wir gingen in die Box neben Pommery. Bevor wir nach dem Aufklaren zum Einkaufen gehen konnten, bauten auch wir unsere Kuchenbude auf. Wir hatten diese seit 2 Jahren nicht mehr verwendet, aber da es mal wieder nach Regen aussah, und wir den Platz brauchten, kam sie zum Einsatz. An diesem Abend warfen wir unsere Vorräte zusammen, und aßen gemeinsam auf Lotte, bevor wir dann in das größere Cockpit von Pommery wechselten. Auch dieser Abend wurde wieder sehr schön und feucht fröhlich.

Der Sommer beginnt (19/VII)

Es war schon recht spät als wir endlich aus den Kojen krochen, und wir wollten eigentlich schnell frühstücken, aber es kamen schon wieder ein paar Tropfen vom Himmel… Glücklicherweise war dieser Regen nicht von langer Dauer, und als das Einkaufsteam mit Brötchen zurück gekehrt war, kam sogar schon vorsichtig die Sonne hervor. Gemeinsam frühstückten wir auf LOTTE und wieder einmal brachten wir Erik zum Staunen: Ja, auch auf einem Folkeboot muss man nicht aus dem Plastiknapf essen. Es gab frische Brötchen, Wurst und Käse, Eier, verschiedene süße Aufstriche und je nach Wunsch Tee oder Kaffee. Was für uns an Bord eine Selbstverständlichkeit ist, hat es auf Pommery noch nie geben – das Boot ist halt eine alte Rennsemmel.

Nach dem Frühstück nahmen wir Abschied von Erik, Henrik und Pommery. Während die beiden wieder nach Norden wollten, setzten wir unseren Kurs nach Süden fort. Unter Motor ging es bei nahezu völliger Flaute und gegen den Strom durch die Brücken von Middelfart, den Fæno Sund und dann in den Kleinen Belt. Wie immer konnten wir während der ganzen Passage der Enge viele Schweinswale beobachten, und so merkten wir kaum, dass das Wetter immer besser und die Sonne immer stärker wurde. Auf dem Kleinen Belt setzten wir dann Kurs Richtung Hejlsminde, und als wir dort ankamen, war plötzlich Sommer. Dieser Wetterumschwung hatte wohl nicht nur uns so überraschend getroffen, denn kurz vor Brandsø entdeckten wir einen Seehund, der ganz erstaunt aus dem Wasser guckte und sich während unserer Vorbeifahrt gar nicht an uns störte.

volle Distanz: 16.03 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.88 knots
Gesamtzeit: 03:22:04

Hejlsminde ist ein typischer Ferienort mit vielen Sommerhäusern und dem kleinen Hafen. Im Sommer gibt es auch noch 2 Café´s, in einem davon gönnten wir uns erstmal ein kühles Bier. Mit 120dkr (inklusive Wasser, Strom, Dusche und Fahrrädern) gehört dieser Hafen eindeutig zu den günstigsten der Region, und auch die Anlage selbst lädt zum Verweilen ein. Bemerkenswert ist außerdem, dass es hier noch einen echten Hafenmeister aus Fleisch und Blut gibt. Am Abend nutzten wir den ersten schönen Sonnenuntergang unserer Reise für ein paar Fotos, bevor wir uns dann in unsere Koje zurück zogen.

Nach dem Frieren beginnt das Schwitzen (20/VII)

Der Tag empfing uns mit den Resten eines dicken Frühnebels, im gleißendem Licht der Morgensonne. An Bord war alles nass, aber während wir duschten entfaltete die Sonne ihre volle Kraft, und so gab es unser Frühstück unter dem ersten azurblauen Himmel des Törns. Der Wind wehte schwach aus östlichen Richtungen, aber da wir uns als Tagesziel das nur 9NM entfernte Årø gesucht hatten, machte das gar nix. Langsam kreutzen wir aus der Bucht von Hejlsminde und dann nach Süden. Vorbei an dem kleinen Naturreserwart von Linderum passierten wir den Ausgang des Haderslev Fjords und liefen dann den Hafen der hübschen kleinen Insel Årø an.

volle Distanz: 10.2 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.37 knots
Gesamtzeit: 03:21:20

Die Insel mit ihrem hübschen kleinen Ort und dem lebendigen Hafenleben ist immer eine Reise wert – trotzdem verzogen wir uns nach unserer Ankunft erstmal für einige Zeit in die Kajüte, Die Juli-Sonne war uns einfach zu stark. So ist das eben beim Segeln, entweder ist es zu heiß oder zu kalt, zu nass oder zu trocken, zu viel Wind oder zu wenig,…

Als es etwas kühler wurde, machten wir dann unseren Inselrundgang, bevor wir uns an das Schreiben dieses Blogs machten.

Kategorien: Törns