Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Auch in diesem Jahr wollten wir – wann immer möglich – von unserem Sommertörn berichten. Leider hat sich dieses Vorhaben bisher als recht schwierig herausgestellt, denn zum einen haben wir bisher nur am ersten Abend (in Mommark) ein vernünftiges WLAN gefunden und zum anderen ist es schwierig über einen Sommertörn zu berichten, der eher ein Herbsttörn ist…

Ein nasser Start (8/VII)

Am Freitag, kündigte schon das Beladen des Wagens im strömenden Dauerregen das an, was uns über die erste Woche unseres Törns begleiten sollte – Herbstwetter vom Feinsten. Trotzdem machten wir uns gleich, nachdem Robbi mit seinem Kindertraining fertig war, auf den Weg nach Wackerballig und nahmen sofort wenigstens einen postiven Nebeneffekt des Wetters war: Die Autobahn war trotz Hochsaison und zahlreichen Schulferien fast komplett frei, und so brauchten wir gerade mal 2h bis zu unserem Ziel. In einer Regenpause gelangten wir dann sogar trocken an Bord, verzogen uns dann aber gleich ins Wackerpulco, um noch ein kleines Bier zu genießen. Die Gaststätte war eigentlich schon geschlossen, aber wir bekamen nicht nur unser Getränk, sondern es gab sogar noch etwas zu essen – wahrscheinlich wirkten wir so unglücklich, dass der Koch sein eigenes Feierabendbier stehen ließ und extra nochmal seine Küche öffnete… Während es draußen immer wieder regnete begann dann auch drinnen unser Törn feuchtfröhlich, ein gutes Zeichen für einen schwierigen Start.

Nord oder Ost? (9/VII)

Am Samstag weckte uns der Regen und so drehten wir uns erst noch einmal um. Langsam, ganz langsam kam dann aber doch so etwas wie Sonne hinter den Wolken hervor, und lockte uns aus der Koje. Noch vor dem Frühstück (wir hatten ja nix an Bord) ging es nach Gelting zum Einkaufen – Getränke, ein paar Konserven, haltbares Gemüse, Obst, Hartkäse und Räucherware vom Schlachter wanderten erst in den Volvo und danach an Bord.

Trotz der Jahreszeit mussten wir beim Frühstück im Cockpit einen Pullover tragen, ein Kleidungsstück, dass die letzten Sommertörns immer in der Reisetasche geblieben war. Nachdem LOTTE (und zum Teil auch Seewiefke) mit allerlei nützlichem oder nahrhaftem gefüllt war, setzten wir bei einem leichten West-Nordwest die Segel und dann ging es Kurs Dänemark. Die Langzeitprognosen sprachen von zunehmenden und südwestlichen Winden – damit wollten wir durch den kleinen Belt nach Norden und die Gewässer nördlich von Fyn erkunden. Da wir sehr oft im Alssund sind, entschieden wir uns gegen diesen Weg und nahmen uns als erstes Ziel Mommark auf der Ostseite von Als vor.

Mit rauschender Fahrt von über 6kn ging es um den Leuchtturm von Kalkgrund und in Richtung Gammel Pøl, danach kam der erste Anlieger; der Wind hatte mittlerweile gehörig aufgefrischt und so wurden die letzten Meilen nach Mommark recht sportlich. Jetzt zeigte sich auch, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, die warmen Salopetten einzupacken; der Tag war zwar trocken, aber wenn die Sonne nicht schien (also fast den ganzen Tag) war es alles andere als warm.

volle Distanz: 16.53 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.35 knots
Gesamtzeit: 03:14:24

Mommark ist immer noch ein wunderbares Plätzchen. Zwar hat der Hafen nach seiner Modernisierung doch einiges von dem alten morbiden Charme verloren, aber mit viel Liebe wurde Neues kreiert und (mit Ausnahme von den Auslegern an den Schwimmstegen) ist dieses auch gelungen. So gab es, bevor wir uns wegen des einsetzenden Regens wieder in die Kajüte verziehen mussten, wieder ein schönes kaltes Bier mit Blick auf den Hafen.

 

Rauschend gen Norden (10/VII)

Die Nacht in Mommark war regnerisch und der Morgen begrüßte uns mit allen Seiten des Herbstes: Ein kalter Wind fegte mit 5 bis 6 Bft. über den Belt und trieb dunkle Wolken und schwere Schauer vor sich her – Sommer geht anders!

Unser Frühstück fiel leider auch kürzer aus als sonst, immer wieder mussten wir es wegen einsetzendem Regen unterbrechen – hier zeigte sich der Nachteil des Lebens im Cockpit.

So verließen wir zwar satt, aber alles andere als glücklich, Mommark und segelten weiter nach Norden. Vorbei an den Untiefen des Kleinen Belts ging es noch unter Fock, dann ließen die schweren Böen etwas nach und wir setzten das Groß. Jetzt wurde unsere Fahrt mehr als schnell, egal ob es an den neuen Segeln, dem Wind oder dem Kurs lag, LOTTE machte im Schnitt fast 7kn und so erreichten wir kurz vor dem großen Gewitter den Hafen von Bågø.

volle Distanz: 24.64 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.91 knots
Gesamtzeit: 05:15:01

Auch Bågø ist ein Hafen, der sich in den letzten Jahren sehr verändert hat. Aus dem kleinen Fischereihafen, umrandet durch eine alte Betonmauer, wurde ein kleiner Sportboothafen mit allem was dazu gehört. So liegen jetzt Wasser und Strom auf allen Plätzen bereit, man liegt in viel zu langen Boxen mit Heckpfählen und der alte Hafenmeister wurde durch einen Automaten ersetzt. Trotzdem ist dieser Hafen immer noch eine Reise wert, denn die Insel mit ihrem lieblichen Dorf, dem Museum im alten Leuchtturm, dem hübschen kleinen Strand oder auch einfach nur dem Blick auf den kleinen Belt ist immer eine Reise wert.

Wir konnten vor dem ersten Donnergrollen gerade noch ein Bier am Kiosk genießen, dann kamen die ersten Tropfen. Es folgte ein Rein-und-Raus zwischen Kajüte und Cockpit, trotzdem schafften wir es in den durchaus sonnigen Regenpausen erst zu kochen und dann zu essen. In der Nacht rollten dann einige Gewitter über uns hinweg, aber wenn man in der trockenen Koje liegt, ist das ja kein Problem.

Schnell, schneller, LOTTE (11/VII)

Nachdem die Gewitter über uns hinweg gezogen waren, wurde es etwas wärmer und es blieb (zumindest den Vormittag über) trocken. Nach dem Frühstück checkten wir erstmal die Wetterlage und nutzten dafür den Mittelwert von YR, DMI, Windfinder und den Aussagen unserer Nachbarn. Der kräftige Südwest sollte im Laufe des Tages bis 6 Bft. zunehmen und dies versprach uns eine schnelle Reise nach Norden.

Das kurze Stück bis zur grünen Ansteuerungstonne legten wir noch unter Fock zurück, dann setzten wir das Groß und LOTTE wurde immer schneller: Machten wir anfangs noch 6-7kn wie am Vortag, so näherten wir uns bald der 8 und als im Bereich von Bredningen langsam der Strom spürbar wurde, zeigte unser GPS 9 Knoten!

Die Dichte der Häfen in diesem Bereich zwischen Fyn und Jylland ist zwar groß, die Auswahl jedoch etwas begrenzt – die Konditionen für ein Folkeboot in den Häfen von Middelfart sind gelinde gesagt frech und die Häfen in Fredericia alles andere als schön. Daher wollten wir mal wieder in den niedlichen kleinen Hafen von Kongebro. Freuten wir uns auf dem Weg nach Norden auch so sehr über die Geschwindigkeit, so sorgen die vielen, und zum Teil sehr schweren, Schauerböen für eine ganz andere Stimmung. In einem der wenigen sonnigen Abschnitte des Tages passierten wir die alte Brücke und während sich die Schweinswale um uns tummelten, liefen wir in den Hafen von Kongobro ein.

volle Distanz: 17.58 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 6.31 knots
Gesamtzeit: 03:04:13

Für den Abend hatten wir uns mit Steff verabredet, der die 10km aus Fredericia mit seinem Fahrrad kommen wollte. Wir fürchteten schon, dass dieses Treffen im wahrsten Sinne des Wortes ins Wasser fallen würde, aber es gab nicht nur eine kurze Regenpause zur richtigen Zeit sondern Steff war auch komplett mit Regenzeug ausgestattet – ein Däne kennt halt den dänischen „Sommer“. Kurz bevor wir uns auf den 2km Fußmarsch nach Middelfart machten, trafen wir noch auf Viola und Paddy die mit ihrem Folkeboot Navicula im Yachthafen von Middelfart lagen und sich als fleissige Leser unseres Blogs herausstellten.

Der Abend mit Steff wurde sehr schön, und fast hätten wir es auch trocken zum Boot geschafft, aber so füllte sich unsere Trockenleine eben mit ein paar weiteren Kleidungsstücken.

Unerwarteter Besuch (12/VII)

Diesen Morgen blieben wir lange in der Koje. Schwere dunkle Wolken brachten einen Schauer nach dem anderen und wir hatten keine wirkliche Lust schon wieder nass zu werden. Am späten Vormittag wurde das Wetter aber ein wenig besser und so konnten wir sogar im Cockpit Frühstück essen.

Ein kleiner Nachteil an dem schönen Hafen von Kongebro ist, dass die nächste Einkaufsmöglichkeit in Middelfart und damit 2km entfernt liegt. Wir hatten keine Lust soweit zu laufen und daher entschieden wir uns erstmal nur einen ganz kurzen Schlag zu segeln und einen Zwischenstopp im alten Hafen von Fredericia einzulegen; dort liegt man im Herzen der Stadt und es sind gerade mal 300m zum nächsten Føtex. Für mehr als zum Einkaufen ist dieser Hafen auch (zur Zeit) nicht wirklich geeignet, denn die Sanitäreinrichtungen sind weit weg und man liegt auch nicht wirklich ruhig.

Von Fredericia aus ging es erst nach Nordosten und dann, an Trelde Næs vorbei, in den Vejle Fjord. Unser Ziel war Rosenvold, ein (uns beiden) gänzlich unbekannter Hafen. Der Südwest blies kräftig und machte die Ansteuerung des winzigen Hafenbeckens nicht einfach, aber dennoch sehr lohnenswert.

volle Distanz: 15.04 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.95 knots
Gesamtzeit: 04:43:05

Schon gleich nach unserer Ankunft wurden wir von Mitgliedern des örtlichen Vereins Willkommen geheißen; und man lud uns ein, das gut ausgestattete Clubhaus mit zu benutzen. Während draußen ein Weltuntergang auf den nächsten folgte, saßen wir in dem über 200 Jahre alten Gebäude und bereiteten unser Abendessen vor. Die Dänen boten sich gleich an, unser Fleisch auf ihrem Grill zu legen, und so konnten wir nach kurzer Zeit warm und trocken genießen.

Wir waren gerade mit dem Abwasch fertig und wollten in einer Regenpause dem Minimarkt auf dem nahen Campingplatz einen Besuch abstatten, da fuhr ein uns wohlbekannter Truck vor – und grinsend, mit ein paar Dosen Bier in der Hand, zeigte sich Erik „der Wikinger“. Was herrschte da für eine Freude, ein lieber Freund mit gutem Bier, das sorgt auch bei miesestem Wetter für gute Laune. Da Erik LOTTE noch nie in Natur gesehen hatte, gab es erst eine Bootsführung, bevor wir es uns dann auf einer Bank am Meer gemütlich machten. Erik wusste viel über die Gegend zu berichten (ist er doch nur wenige Kilometer entfernt aufgewachsen) und so verflog die Zeit bis er uns leider wieder verlassen musste.

Ein Sonnentag (13/VII)

Der Morgen empfing uns mit einem blauen Himmel, kleinen Schäfchenwolken und einer herrlich warmen Sonne. Das Frühstück genossen wir auf der Terrasse des Clubhauses und dann setzten wir die Segel. Ausgebaumt ging es erstmal Richtung Bjørnsknude und von da sollte es nordwärts nach Hjarnø gehen. Innerhalb der ersten Stunde unter Segeln änderten sich die Wetterberichte aber dermaßen, das wir auch unseren Kurs änderten und bereits an diesem Tag nach Endelave liefen. Vorbei am Møllegrund, vollgepackt mit Robben und Seehunden, liefen wir bei bestem Sonnenschein in den Hafen dieser wunderhübschen Insel.

volle Distanz: 18.97 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.26 knots
Gesamtzeit: 04:33:39

Auch Endelave hat vor einigen Jahren eine Hafenerweiterung erfahren, aber hier stimmt noch alles: Bei einem Preis von 130dkr für ein Folkeboot sind nicht nur Wasser und Strom, sondern auch die Duschen und die Waschmaschine inklusive. So gab es vor unserem Inselspaziergang (sogar mit kurzer Hose) erstmal eine schöne Dusche und dann wurde die Waschmaschine befüllt. Nach einem Besuch der malerischen Kirche, des lebendigen Dorfkerns und vor allem des urigen Landhandels gab es dann noch ein leckeres Bier im Kro. Auf Endelave gibt es noch wirklich alles, und wir hoffen, dass dieses auch lange so bleibt. Bei unserer Rückkehr in den Hafen war die Waschmaschine bereits fertig und während ich schon das Abendessen bereitete belud Robbi den Trockner.

Nach dem Essen, kurz vor Sonnenuntergang, wurde es richtig kalt. Der Wind nahm zu und die Sonne ging hinter Türmen von Wolken unter und kündigte von einer abermaligen Wetteränderung für den nächsten Tag…

Hafen-Hopping(14/VII)

Der Wind pfiff in den Riggs, Wanten klapperten und genau wie wir waren fast alle anderen Besatzungen auch schon sehr früh auf den Beinen. Entgegen aller Prognosen hatte der Wind bereits in der Nacht gut zugelegt, kam aber noch immer, wie versprochen, aus Südwest. Da wir wieder zum Festland wollten und der Wind auf West drehen sollte, gab es kein Frühstück und wir setzten bereits kurz nach 9 die Segel. Kurz vor Hjarnø zeigte sich, dass diese Entscheidung goldrichtig war: Nach einem Regengebiet mit schweren Schauerböen drehte der Wind auf West und wir waren froh, jetzt nicht mehr mitten auf dem Wasser zu sein.

Der Hafen von Hjarnø lag malerisch unter schweren Wolken an der hübschen Insel, leider aber mit sehr viel Schwell und so machten wir gar nicht erst fest, sondern verholten uns in den nur 500m entfernten Hafen von Snaptun. Hier wollten wir einkaufen und vielleicht solange abwarten, bis im Hafen von Hjarnø ein sichererer Platz frei würde. Leider gibt es in Snaptun außer einem kleinen Kiosk nichts, und so machten wir uns recht bald wieder auf den Weg in Richtung Insel – erreichten diese aber nie. Mitten auf dem Weg hatte Robbi plötzlich die Idee nach Horsens zu fahren, und da der Wind gerade eine Pause für einige weitere Schauer machte, tuckerten wir die paar Meilen in den Fjord.

volle Distanz: 16.72 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.10 knots
Gesamtzeit: 05:32:37

Die Yachthäfen (sowohl der alte, als auch der neue) von Horsens liegen noch vor dem Industriehafen und damit recht weit von der City entfernt. Leider waren bei unserer Ankunft schon alle Fahrräder vergeben (die man als Hafenlieger kostenlos benutzen kann) und so machten wir uns die 3km zu Fuß auf den Weg. Die Altstadt von Horsens ist wirklich sehr nett, aber leider machen fast alle Geschäfte zwischen 17 und 18 Uhr bereits dicht. Wir hatten das Gefühl, das jeder Bürgersteig den wir betraten gerade hochgeklappt wurde. Trotzdem hat sich der Ausflug gelohnt, es gab nicht nur gutes Essen, sondern auch viel zu sehen.

Ein Hafentag (15/VII)

Heute zwar der Tag zwar trocken, aber der West-Nordwest pfiff mit 6-7 Bft. über unser Boot und so blieben wir erstmal in der Koje. Mit einem der Fahrräder ging es dann zum Bäcker und zum Supermarkt – endlich ein Urlaubsbrunch wie es sich zum Erholen gehört!

Danach nutzen wir die Zeit, um das Boot zu reinigen, das Deck zu schrubben, und endlich mal den Blog zu schreiben…

Kategorien: Törns