Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

An Land (7/VIII)

Nachdem wir am Abend vorher recht lange bei Johannes gesessen hatten, waren wir nicht böse, dass es an diesem Morgen wie aus Eimern schüttete. Der stürmische Nord-West trieb eine Regenfront nach der anderen vor sich her und so waren wir für die kurzen Regenpausen recht dankbar – sei es zum frisch machen, einkaufen oder zum Frühstück im Cockpit. Der Wechsel von Sonne und Regen ging bis zur Mittagszeit, bis dann endlich für den Rest des Tages die Sonne raus kam. Im Windschatten war es dann auch hoch sommerlich warm, aber im Hafen pfiff der steife Nord-West.

Über einen kurzen Umweg bei Johannes, wir hatten Ihm versprochen nochmal kurz vorbei zu schauen, machten wir uns dann auf zu einer Bustour über die Insel. Auf Æerø kann man die Buslinie 790 (von Søby über Æerøskøbing nach Marstal) kostenlos nutzen und so machten wir uns nocheinmal an die Südspitze auf, vorbei an der herlichen Landschaft mit Blick auf den kleinen Belt mit seinen vielen Schaumkronen und sehr wenigen Booten.

Da wir jetzt den direkten Vergleich zwischen Æerøskøbing und Marstal hatten, können wir eins feststellen: Æerøskøbing ist die hübschere Stadt mit viel Sinn für die Erhaltung Ihrer ursprünglichen Identität, während Marstal zu schnell reich und damit verbaut wurde.


Zurück an Bord fing es wieder leicht an zu regnen und so gingen wir früh in die Kojen und jeder kam in Ruhe zum Lesen.
Ein neues Schiff? (8/VIII)

Frisch gestärkt nach einem guten Brunch mit Leckereien aus der örtlichen Räucherei vertrauten wir sowohl DMI als auch dem Windfinder und verließen (glücklicherweise) nur unter Fock den Hafen von Æerøskøbing mit dem Ziel Faaborg oder Lyø – wir wollten eine gute Ausgangslage für unseren Sprung über den Kleinen Belt.

Was uns dann kurz nach dem Hafen erwartete, habe ich in meinen 20 Jahren Dänische Südsee noch nicht erlebt: Lang gezogene Wellen kamen in einer solchen Höhe zwischen die Inseln, dass man im Wellental im Cockpit sitzend nach Backbord und Steuerbord nur noch Wasserwände sah. Mehr als Kurs Nord war so nicht drin und dieser brachte uns nach gerade mal 5 Meilen in den Hafen von Drejø. Angesagt waren 8-13 m/s, ein Nachbar erzählte uns später, dass zum Zeitpunkt unseres Einlaufens 21 m/s (Windstärke 8-9) herrschten.

Normalerweise bevorzugen wir auf dieser Insel ja den alten Hafen, aber zu diesem hätten wir noch um ein weitläufiges Flach herum gemusst, bei diesem Wetter nicht zu empfehlen.

Ist die See etwas rauer, der Wind steifer oder das Wetter sonstwie unhandig, so zeigt sich die große Hilfsbereitschaft unter den Seglern. Als wir in den Hafen von Drejø einliefen, zeigte uns einer gleich einen Platz und 3 oder 4 andere waren zur Stelle, um uns beim Anlegen zu helfen. So waren wir schnell sicher vertäut und wir konnten in Ruhe die Insel erkunden.

Drejø ist immer einen Besuch wert, sei es beim alten Hafen oder im Dorfkern mit seinen liebevoll renovierten Höfen. So wirklich weit sind wir aber nicht in das Dorf vorgedrungen, denn das schönste der Insel lag bereits auf der anderen Seite des Hafens.

Eine 9 Meter lange Jagt (Baujahr 76) in bestem Zustand wartete dort auf Besucher und will für etwas über 30.000 Euro in liebevolle Hände abgegeben werden. Auf einen Zettel war zu lesen: Informationen bei Ursula und Hans auf Drejø. Wir klapperten fast jeden Hof der Insel ab, aber leider ohne Erfolg. Erst die Hafenmeisterin konnte uns gegen Abend verraten, wo die Beiden wohnen, und so machten wir uns ein weiteres mal auf den Weg ins Dorf. Ein Kontakt war schnell hergestellt und so konnten wir noch am gleichen Abend diesen Traum von einem Boot besichtigen.

Während sich Robert sofort in den 1-Zylinder Dieselmotor verliebte erfreute ich mich an den perfekten Zustand der Grundsubstanz der Planken und sowie des Auf- und Aufbaus.

volle Distanz: 4.59 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 0.00 knots

Ein später Entschluss – Ærø komplett (9/VIII)

Die herrliche Sonne lies uns fast das Schlagen der Fallen und das Pfeifen des Windes vergessen, aber der Nord-West bließ unvermindert und vor der Insel tanzten die Boote auf den Wellen. Wir verbrachten den Vormittag auf dem Boot, gingen ab und zu zu der schönen Jagt und sinnierten, wie schön es doch mit so einem Boot wäre.

Rausfahren oder nicht, nach Norden oder Westen, was sollten wir tun? Auf dem Weg in die Badebucht merkten wir, dass der Wind etwas nach lies. So sollte Mommark doch eigentlich zu erreichen sein! Also schnell retour und Segel gesetzt. Leider kam es wiedermal anders, als geplant: Der Nord-West kam immer westlicher und die Wellen waren auch nur unwesentlich kleiner als am Vortag – So hielten wir alles was an Höhe zu laufen war und erreichten nach recht kurzer Fahrt den Hafen von Søby. Mit diesem Hafen hatten wir jetzt alle 3 Häfen der Insel Ærø angelaufen und somit die Insel komplett.

In dem recht vollen Hafen machten wir dann den Fehler, uns neben ein anderes Folkeboot zu legen. Das Boot war zwar sehr schön (und 60 Jahre alt), aber es lag sehr schlecht zum Wind und so pfiff es die ganze Nacht in unsere Kajüte (auf der wunderschönen Jagt gab es vorne eine riesige Kajüte, durch einen großen Salon getrennt von einem verschließbaren Niedergang).

volle Distanz: 6.71 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 0.00 knots

Heimwärts (10/VIII)

Graue Wolken hingen schwer am Himmel und der Nord-West bließ noch immer. Da wir auf die Wettermeldungen nicht mehr vertrauten, setzten früh die Segel Kurs Wackerballig. Bis zur Nord-Spitze von Ærø mussten wir hart an den Wind, nahmen so manche Welle mit, konnten dann aber abfallen und mit über 6 Knoten nach Süd-Westen rauschen. Je näher wir der Küste von Als kamen, desto niedriger wurden die Wellen und umso schneller unsere Fahrt. Vor Gammel Pøl passierte dann das, was ich schon so oft erlebt hatte: Aus 2 verschiedenen Richtungen kommen sich Boote mit achterlichem Wind entgegen und jeder weiß, dass der eigene bequeme Kurs nun ein Ende hat. Von Gammel Pøl bis zum Leuchtturm Kalgrund bekamen wir wieder ordentlich einen auf die Mütze und alles, was bisher trocken war, wurde jetzt noch nass. Wenigstens war es warm und die Sonne schien, so trocknete man auch schnell wieder.

Kurz vor dem Hafen von Wackerballig mussten wir feststellen, das während unseres Törns die Hafeneinfahrt nun entgültig verlegt worden war. Gab es vor 2 Wochen noch 2 Hafeneinfahrten, so war die alte jetzt dicht und wir mussten die neue benutzen. Diese führt leider von Südwesten in den Hafen hinein und so hat man keine Gelegenheit im Hafen gegen den Wind die Segel zu bergen – in der Welle vor der neuen Einfahrt hatten wir mächtige Probleme und unser Außenborder drehte die Hälfte der Zeit in der Luft.

volle Distanz: 23.4 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 0.00 knots

Rein Schiff (11/VIII)

Nach dem harten Ritt und dem langen Abend am Tag zuvor wollten wir eigendlich etwas länger schlafen, aber da wir weder Schotten noch etwas anderes vor unserem Niedergang hatten, wurden wir schon recht früh von der herrlichen Morgensonne geweckt. Beim Einkauf in Gelting traf ich dann im Laden auf Volker und wir verabredeten uns ganz spontan zum abendlichen Grillen bei ihm – so einen Sommer muss man doch nutzen!

Da wir früh aufgestanden waren, war nach dem Frühstück noch genug Zeit, dass Boot einmal gründlich von innen zu putzen. Als wir vom Bug bis zum Heck alles ausgeräumt hatten, stellten wir fest wie nötig diese Reinigung doch mal wieder war: Wir hatten die Wochenenden vor unserem Sommertörn LOTTE fast nur zum Wohnen und Schlafen benutzt… Freitags spät zum Boot und sonntags nach dem Frühstück schnell wieder weg; da war wenig Zeit zum Putzen und so ging es jetzt mit Essigwasser, Schwamm und Zahnbürste in jede Ritze und hinter jedes Spant. Waren es im Bereich der Kojen vor allem Federn aus den Schlafsäcken, so förderte unsere Arbeit im Cockpit Krümel und im Vorschiff noch Schleifstaub vom Winter zu Tage.

Während wir im Boot beim Schuften ganz schön schwitzten, konnten an Deck die Kuchenbude (die wir zum ersten Mal in diesem Jahr aufgebaut hatten), Polster, Kissen und Segelkleidung in Ruhe Lüften und Trocken.

Gegen 17 Uhr war wir dann fertig (im doppelten Sinn) und freuten uns, dass wir für das Abendessen keinen neuen Dreck an Bord machen mussten. Zu Fuß ging es die paar Schritte zu Volker und der hatte schon den Tisch in seinem herrlichen Garten gedeckt.

So schön die vielen Bäume doch waren, in ihrem Schatten wurde es recht schnell kühl und so nutzten wir die Gelegenheit das gerade die Feriengäste aus dem Sommerhaus abgereist waren und genossen den Nachtisch im Sonnenuntergang auf der kleinen Terasse mit dem wunderbaren Blick auf die Geltinger Bucht.

 

Wieder daheim (12/VIII)

Sonntag ging dann alles recht schnell, nach einem leckeren Frühstück im Bistro (keiner von uns wollte wieder Krümel in die Bilge machen) machten wir LOTTE dicht und verließen mit einem wehmütigen Blick auf den perfekten Sommer Wackerballig. Es ist dieses Jahr wie schon so oft: Das Wetter an den Wochenenden ist sehr durchwachsen bis schlecht, das Wetter auf den Törns ist schon etwas besser und das Wetter bei der Abreise ist dann perfekt…  die herrliche Sonne und ein leichter Ost mit 3 bis 4 Bft. sorgten für eine Bucht voller Segel und wir hofften daher auf etwas weniger Stau auf den Autobahnen. Richtig Stehen mussten wir nie, aber 4,5h nach HH und 4h nach WHV waren dann doch ein strammer Stiefel… Jetzt hoffen wir nur noch, dass sich dieser „Sommer“ bis zum nächsten Wochenende hält, wir wollen endlich Ankern und Baden!

Kategorien: Törns