Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Nachdem uns nun schon seit 2 Jahren immer mehr auf unseren Sommertörns virtuell begleitet haben, wollen wir auch dieses Jahr versuchen – wann immer eine Internet Verbindung verfügbar ist – ein paar Zeilen zu schreiben.

Anfahrt mit Hindernissen (9/VIII)

In diesem Jahr startete unser Sommertrörn ganz ungewöhnlich: Wollten wir nach dem Training und einem kleinen Geburtstagsumtrunk noch schnell nach Wackerballig huschen (wegen des Staus vor der Rader Hochbrücke noch mitten in der Nacht), so wurden wir erstmal nach Heikendorf umgeleitet – mein Vater hatte dort, bei sich, ein Paket für uns deponiert. Also ging es kurz vor Mitternacht nicht weiter nach Norden, sondern über die A215 nach Kiel. Gegen 1 Uhr waren wir dann in Heikendorf und dort stellte sich dann heraus, dass es sich keineswegs um ein kleines Päckchen, sondern eher zwei große Pakete handelte: In einem fanden wie die feinsten Schweinereien zu essen, Schinken, Pasta, Oliven, Salami, Gewürze und einen guten Schluck; in dem anderen war ein Grill für uns. Mein Vater hatte im Blog gelesen, dass wir einerseits oft Grillen und andererseits oft Ankern – mit diesem tollen Geschenk wollte er jetzt beides verbinden. (Da wir einen ähnlichen Plan verfolgten, hatten wir für diesen Törn auch extra einen Grill gekauft, aber die BBQ-Box von Esbit ist nicht auf dem Boot einsetzbar und so wird diese einfach zurück geschickt.)

Nach dem Auspacken ging es schon auf 2 Uhr, und so beschlossen wir einfach in Heikendorf zu bleiben.

Einkaufen, Transportieren, Stauen & ein erster Grillversuch (10/VIII)

Da wir nun schon in Heikendorf waren, konnten wir dort auch den Rest unseres Proviants kaufen – beim Sky gibt es guten Käse und beim Bäcker auch leckeres Vollkornbrot (ein Muss, wenn man nach Dänemark reist). In Heikendorf gibt es aber auch einen sehr guten Schlachter und so beschlossen wir uns dort für den ersten Grilltest einzudecken. Über AWN, wo wir noch neue Karten fürs Kattegat holten, ging es dann an der Küste lang nach Wackerballig.

Drei Wagenladungen, und vier Stunden, später war alles an Bord verstaut und der erste Schauer ging schadlos vorrüber. Dann war Grillen angesagt: Unsere eigene Wahl war ja auf einen echten Holzkohlegrill gefallen, wir mögen den Geschmack von Rauch und leicht angebrannte Ecken, und daher waren wir beim genaueren Hinsehen erstmal skeptisch. Zu oft hatten wir die Leute in den Häfen mit ihren neumodischen COBB Grills gesehen, bei denen eher gebraten/gebacken als gegrillt wird. Bei diesem LOTUS Grill gibt es aber einen echten Grillrost und es kommt ein gutes Feeling auf.

Rind, Reh und Wildschwein wurden schnell und perfekt gar, und der Grill blieb von außen kalt und somit gut auf dem Boot zu händeln.

Der Regen beginnt (11/VIII)

Am Sonntag ging es dann endlich los! Nach einem Frühstück in der Marina Lounge setzten wir Segel und der kräftige Südwest brachte uns schnell aus der Bucht hinaus. Eigendlich wollten wir nach Osten – Rügen, Bornholm oder Südschweden – aber die unsichere Langzeitprognose mit viel Wind und Regen aus Westen brachte uns dann doch davon ab… So ging es Kurs Nord, als Fernziel Samsø, Anholt oder irgendein anderer schöner Flecken. Unser Tagesziel war Bågø im kelinen Belt und wir hatten die Wahl durch den Alssund oder außen um Als herum zu gehen. Wegen der größeren Hafendichte entschieden wir uns für den inneren Weg und das war auch ganz gut so.

Leider trieb der Wind nämlich auch Wolken vor sich her und so waren wir kaum aus der Bucht heraus, da war es um uns herum plötzlich dunkel und wir erlebten den ersten schweren Schauer des Tages. Zum Glück brachte er nicht viel Wind, aber er zog eine kurze Flaute hinter sich her und so wurde der Tag zu einem ewig gleichen Spiel: Segeln – Regen – Flaute – Segeln – Regen – Flaute – …

Robbi gab mir natürlich gleich Schuld an dem Wetter, er meinte der Regen wäre nur gekommen, weil ich mir eine wasserdichte Kamera zugelegt habe… aber ich sehe das anders: Ich war schlau genug so ein Ding zu kaufen, denn ich kenne ja unser Glück mit dem Wetter.

In Sønderborg hatten wir kurzeitig sogar blauen Himmel und dieser erschien ab dann immer wenn wir uns einem Hafen näherten: Wir mussten also weiter!

Auf dem Als Fjord kam dann mit dem Regen der Wind – mit 6 Knoten und einem harten Anlieger ging es Richtung Belt…

…aber irgendwann hatte ich die Schnauze voll – wir setzten Dyvig als unser neues Tagesziel fest!

Platt vorm Laken und mit fast 7 Knoten rauschten wir durch die Enge und entschieden uns – nach den Schwärmereien von Nino&Gunthi – für den Hafen an dem neu errichteten Hotel. Das war eine gute Wahl: 100DKr, Strom und Fahrräder inklusive – was wollen wir mehr?

Wenn wir auch 20 Meilen weniger als erhofft geschafft haben, so hatten doch einen tollen Segeltag – leider nur nicht das, was wir uns unter einem Sommertörn vorstellen.

volle Distanz: 21.46 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.07 knots
Gesamtzeit: 05:14:19

Regen in Dyvig (12/VIII)

Die Nacht hat es wie aus Eimern geschüttet und der Wind schüttelte das Rigg. Am Morgen waren wir richtig glücklich über unsere Eingebung beim Packen, in diesem Jahr doch mal wieder die Kuchenbude mit zu nehmen – trocken und mit viel Platz konnten wir den Tisch decken und erstmal in Ruhe die Leckereien aus Heikendorf probieren.

Nach draußen wollte auch keiner, denn fast jeder Blick auf die andere Seite der orangen Plane zeigte einen trüben Himmel und Regen ohne Ende…
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Gegen Nachmittag klarte es dann etwas auf und so konnten wir mit den schönen Fahrrädern des Hafens die 3km nach Nordborg radeln – wenn es schon draußen eklig ist, so soll es drinnen warm und lecker werden… und so ein toller Grill will ja benutzt werden!

Kategorien: Törns

2 Kommentare bisher.

  1. Dom sagt:

    Hi,

    große Sommerturns müssen wohl immer so losgehen daß etwas nass wird… kenn ich irgendwoher… nur noch mit Übernacht segeln 😉

    Wünsch Euch viel Spaß, gutes Wetter, Wind aus der richtigen Richtung und immer ´ne Handbreit Wasser unterm Kiel!

    LG Dom

    btw: laut Eurer Karte seid Ihr aber ganz schön geradlinig unterwegs 😉 Respekt!

  2. Johannes sagt:

    Moin,

    so hat unsere vierwöchige Tour Rund Seeland Anfang Juli auch angefangen und es wurde stetig besser! 

    Noch ein paar Hafenempfehlungen (falls ihr sie nicht schon kennt): Korshavn: an der Nordostspitze Fünens – sehr schöner kleiner Naturhafen, Langør: im Norden von Samsø – schöner Hafen und eine sensationelle Einfahrt, Sejerø: ziemlich genau östlich von Samsø, schöne kleine Insel und ein gemütlicher Hafen…

     

    Der Reitbalken hat die knapp 500 Meilen Rund Seeland einwandfrei funktioniert und das ein oder andere Mal wurden uns dadurch ein paar Wenden erspart – vielen Dank nochmal für die Hilfe bei der Renovierung und Konstruktion!

     

    Ich wünsche euch einen tollen Törn! Hoffentlich schaffen wir es irgendwann mal uns auf dem Wasser zu treffen…

     

    viele Grüße,

    Johannes