Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Ein schöner Abend (12/VIII Fortsetzung)

Nach dem wir von unserer Einkaufstour nach Nordborg nicht nur trocken, sondern auch noch erfolgreich wieder gekehrt waren, mussten wir gleich erstmal wieder unseren Grill austesten – mit Rind und Schwein ging es in einen herrlichen Abend.

Ein wenig weiter (13/VIII)

Am Dienstag Morgen kam endlich die versprochene Sonne vollends hervor und diese ließ uns das Heulen des Windes ein wenig verdrängen. Nach einem frühen Frühstück packten wir die Kuchenbude ein (da wir sie am Abend wieder aufbauen wollten, störte es uns nicht, dass sie noch feucht war) und dann ging es unter Motor hinaus auf den Als Fjord. Hier bekamen wir bei unserem harten Anlieger das erste Mal an diesem Tag so richtig die Kraft des Windes mit, und da wir auf unserem Kurs nach Norden mit dem steifen West halben Wind hatten, begannen wir unsere Fahrt erstmal nur unter Fock.

Unser Tagesziel sollte ein Festlandhafen sein – Aarøsund, Skærbæk oder Kongebro – denn am Abend wollte uns Aki besuchen, der mit dem Motorrad auf dem Rückweg von Schweden war. Nur unter Fock machten wir knapp 6kn und waren guter Dinge, bis der Wind etwas einschlief; wir entschieden uns das Groß zu setzen und gleich bei dem Manöver passierte das erste Unglück des Tages: Das Großfall verdrehte sich im Masttop um den Jumpstagbeschlag und obwohl sich das Segel setzen und bergen ließ, hing jetzt ein Großteil des Zuges an dem kleinen Beschlag mit seinen 7 Holzschrauben…

Bis querab Barsø kamen wir gut voran, dann drehte der Wind, kam vorlicher und brachte den ersten Schauer mit schweren Böen. LOTTE legte sich hart zur Seite und unsere Blicke gingen bei jeder weiteren Böe in Richtung Masttop – ob der Beschlag halten würde?

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Kurz vor Aarø drehte der Wind nach einer kurzen Flaute auf Nord und schob eine schwarze Wand heran… wir entschieden uns Segel zu bergen und den Hafen von Aarøsund anzulaufen. Direkt vor dem Hafen erwischte uns dann das Gewitter mit schweren Böen und so hielten wir kurz Position und warteten ab. Im Hafen legten wir uns erstmal längsseits an die Versorgungspier und versuchten das Problem mit dem Großfall zu lösen. Dort, ohne Welle und in einem Moment mit wenig Wind ging das auch recht schnell und wir waren froh… bis wir weitere Probleme entdeckten: An unserer Motorhalterung hatte sich ein dicker Bolzen verabschiedet und auf der Backbordseite hatten wir im vorderen Kajütbereich starken Wassereinbruch.


volle Distanz: 17.01 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.27 knots
Gesamtzeit: 03:52:33

Es ging also an weitere Reparaturen. Der Bolzen war recht schnell ersetzt, aber der Wassereinbruch war merkwürdig… Robbi hatte sofort den Decksdurchgang des Püttingeisens im Verdacht, aber diesen hatten wir im Winter neu gedichtet und es war auch nie bei Regen oder beim Deckschrubben Wasser eingedrungen. Wo also Suchen? Dann erinnerten wir uns an einen winzigen, aber verdächtigen Spalt unter der Scheuerleiste, den wir im Winter gefunden hatten. Mit Hilfe eines Wasserschlauchs erhärtete sich unser Verdacht: Auf einem ca. 20cm langen Stück drang Wasser unter die Scheuerleiste und damit zwischen der obersten Planke und dem Deck in das Schiff ein. Für eine (auch notdürftige) Reparatur war es allerdings viel zu nass, und so musste diese warten.

Mittlerweile war es schon recht spät geworden, wir entschieden uns also in Aarøsund zu bleiben und dort auf Aki zu warten.

Obwohl dieser eingentlich mit der Fähre über Grenå und damit mitten in der Nacht kommen wollte, schaukelte LOTTE plötzlich gegen 22Uhr ganz merkwürdig und ein kurzer Blick genügte: Ein frech grinsender Aki drückte unseren Bug auf und nieder. Bei so einem netten Besuch war der ganze Ärger des Tages vergessen und wir saßen bis in die späte Nacht bei Tee und leckeren Schweinereien.

Flucht vorwärts! – Mittwoch (14/VIII)

Der frühe Vogel fängt den Wurm, der frühe Aki die Brötchen – da es in Aarøsund weder einen Hafenmeister noch irgendeine Möglichkeit der Proviantierung gibt (der Ort ist trostlos und gleicht einer Geisterstadt), machte Aki sich mit dem Motorrad auf nach Haderslev, dort würde es wohl Brötchen geben. Die Zeit verstrich, eine halbe Stunde, eine Stunde, anderthalb Stunden… endlich kam Aki wieder und war alles andere als glücklich. Zwar hatte er Die Stadt schnell erreicht, aber die Suche nach einem Bäcker dauerte dann eine Ewigkeit. (Robbi wurde bei dieser Erzählung ganz glücklich, denn er erinnerte sich an eine Begebenheit im Yachthafen von Haderlev 2007: Aki, Micha, Ute und ich warteten dort auch über eine Stunde, bis er mit Brötchen wieder kam… Merke: Brötchen holt man nicht in Haderslev!)

Nach einem ausgedehnten Frühstück hieß es dann Abschied nehmen; während Aki weiter nach Hamburg wollte, setzen wir die Fock und verholten uns mit über 6 Knoten nach Baagø. Die Fahrt bei 7Bft. aus West war rasend schnell und bei der herrlichen Sonne hatten wir gute Hoffnung auf Baagø Gelegenheit für unsere letzte Reparatur zu finden.

volle Distanz: 5.91 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.36 knots
Gesamtzeit: 02:04:39

Der Hafen war nahezu leer, aber der einzige Lieger kam schnell, um uns bei dem Anleger zu helfen – bei Starkwind ist jede helfende Hand gern gesehen. Unser Platz lag direkt neben dem Wasserschlauch, und so konnten wir LOTTE erstmal entsalzen, während sie dannach trocknete ging es über die Insel.

Neben dem Fähranleger stehen einige Fahrräder zur Verfügung, die man gegen geringe Gebühr in die bereitstehende Milchkanne gerne nutzen kann. Robbi suchte mit seinem geschulten Fahrrad-Blick „recht“ schnell zwei Räder für uns aus (nicht ohne den Zustand der restlichen, nebst bester Reparaturmethode, ausgiebig zu diskutieren).  Baagø ist eine wirklich schöne Insel, was sich aber leider in dem recht tristen Dorf nicht so recht wiederspiegelt. Genau dort wollten wir aber hin, denn in dem einzigen Hofladen der Insel gibt es in einer Kühltruhe in der Scheune Lammfleisch von der Insel.

Zwischen Hack, Keulen und Rücken suchten wir uns ein paar schöne Kotlettes zum Grillen heraus und da diese nicht richtig ausgezeichnet waren, fragten wir beim Besitzer des Hofs nach dem Preis; als dieser hörte, dass wir extra wegen seinem Lamm in das Dorf geradelt waren, machte er uns sofort einen Extrapreis.

Zurück im Hafen war LOTTE in Wind und Sonne mittlerweile gut getrocknet und so liehen wir uns von unserem einzigen Nachbarn sein Schlauchboot für die Reparatur von außen.

Im Winter, beim Lackieren, werden wir uns selber verfluchen, aber als Notreparatur mit Bordmitteln kam nur eine feine Naht mit Silikon in Frage und diese war auch schnell gezogen. Nach dem stürmischen Ritt, der Radtour über die Insel und der (erfolgreichen) Reparatur von LOTTE freuten wir uns am Abend wieder über unseren tollen Grill und das leckere Lammfleisch.

Segeln! – Donnerstag (15/VIII)

Am Donnerstag weckte uns die Morgensonne und der Wind hatte auf Südwest gedreht – perfekte Bedingungen, um endlich weiter nach Norden zu kommen! Als Ziel hatten wir uns Fredericia genommen, dort konnten wir nicht nur versuchen Steff zu treffen, sondern uns auch neu Proviantieren. Von Anders (einem Segler aus Fredericia, mit dem ich seit einem Jahr schreibe) hatten wir den Tipp bekommen, doch einmal in den Stadthafen zu gehen. Seit die Werft geschlossen ist, sei dieser für Gäste offen und er liegt mitten in der alten Stadt. Diesem Vorschlag folgten wir gerne, denn der Yachthafen in Erritsø ist wirklich das Allerletzte.

Bei herrlicher Sonne machten wir perfekte Fahrt nach Norden und schon bald merkten wir, dass in der Nacht wohl auch der Strom gekippt war: Mit unaufhaltsamer Kraft schob er uns vorbei am Kolding Fjord, vorbei an Kongebro und Middelfart unter den beiden Brücken durch, und unser GPS zeigte konstant über 8 Knoten an!

Als wir den alten Stadthafen von Fredericia erreichten, war es erst 15Uhr, aber wir hatten unser Kommen angekündigt und so liefen wir ein. Wenn man als einziges Schiff in dem kleinen Hafen liegt, so wirkt auch dieser recht groß und wir waren froh, als wir – gerade bei Steffs Ankunft – noch ein paar Nachbarn bekamen.

volle Distanz: 21.75 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.19 knots
Gesamtzeit: 04:40:08

Wenn Steff nach Harburg kommt, dann muss er bei uns das Training geben – jetzt wollte er den Spieß umdrehen. Nach einer Stunde SMS, WhatsApp und Telefon hatte er Dogis und Transport für uns nach Vejle organisiert, und so standen wir alle um 21Uhr dort auf der Matte (ein gutes Lockmittel für uns war auch die Aussicht, auf eine lange, kostenlose heiße Dusche.)

Es war ein schönes Training und das warme Willkommen ließ uns den langen Tag und unsere Müdigkeit vergessen. Leider hatte Robbi nicht so viel Glück, einer von Steffs Neuen stellte sich beim Wurf auf seinen Fuß und trotz rascher Kühlung ist jetzt erst einmal Humpeln angesagt.

Nach dem Training, der Rückfahrt nach Fredericia und einem Bier bei Stig bekamen wir dann (gegen Mitternacht) auch noch Besuch von Anders. Die Gelegenheit uns zu Treffen wollte er sich dann doch nicht entgehen lassen, zumal er nur 200m vom Hafen entfernt wohnt.

Über den Grund und auf dem Grund – Freitag (16/VIII)

Der Morgen dannach war schwül, warm und diesig. Daher machte es gar nichts, dass wir lange in der Koje blieben und vor dem Frühstück erstmal durch die Stadt schlenderten und einkauften. Bei Føtex findet man fast alles (und das zu relativ humanen Preisen), und so deckten wir uns erstmal reichlich ein. Nachdem wir gefrühstückt und das Boot klar gemacht hatten, kam Steff zur Verabschiedung und wir setzten Segel und mit einem steifen Süd und immer noch mitgehendem Strom schossen wir regelrecht nach Norden.

Unser Ziel war Endelave, diese wunderhübsche kleine Insel sollte der nördlichste Punkt unseres Törns werden. Nach dem schlechten Wetter am Anfang, dem Starkwind und Regen, war Anholt einfach nicht mehr drin und unser neues Ziel war Fyn Rund. Auf unserem Weg dorthin rollte von achteraus eine hohe Welle, und so ließ sich der Kurs schwer halten. Trotzdem waren wir froh den Wind von achtern zu haben, denn auf einem uns entgegenkommenden Folkeboot kam das Wasser eimerweise von vorne
Bei der Ansteuerung von Endelave ging es über einige Flachs, die mit 3-6m für uns keine Probleme darstellten. Als wir aber auf den letzten Meilen an der großen Robbenbank vorbei kamen, waren wir von den Tieren so fasziniert, dass wir uns dann doch noch versteuerten und einige male auf einer Sandbank aufditschten, bevor wir wieder tieferes Wasser erreichten.

volle Distanz: 23.19 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.80 knots
Gesamtzeit: 04:14:40

Der Hafen von Endelave war fast so leer wie der von Baagø, und so konnten wir uns unseren Liegeplatz frei aussuchen.

Endelave ist nicht nur von der Insel her eine Reise wert, es gibt hier auch einen super Hafenmeister: Dieser besteht nicht nur aus Fleisch und blut, sondern mit Witz und Humor, bestückt mit Mütze und Ledertasche, ist er ein Original, wiees heute nur noch selten zu finden ist. Dazu ist der Hafen auch noch extrem gut ausgestattet, in den 125 Dkr Hafengeld sind nicht nur Wasser und Strom, sondern auch das freie Duschen und die Benutzung von Waschmaschine und Trockner in dem perfekt ausgestatteten Sanitärgebäude enthalten. Während wir mal wieder unseren Grill in Aktion setzten, drehten unsere dreckigen Klamotten bereits Ihre Runden in der neuen Profi-Miele.

 

Kategorien: Törns