Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

26
Dez
2015

Viel Arbeit

Als wir im Frühjahr das Boot zu Wasser brachten und die ersten Strahlen der warmen Sonne auf den Lack trafen, da dauerte es nicht lange, und es zeigten sich die ersten Blasen. Nach einer Woche war an vielen Stellen der Lack hochgekommen und LOTTE sah aus, als hätte sie die Beulenpest. Wir rätselten lange, was die Ursache dieses Problems sein mochte – war es der Lack? War es der Untergrund? Oder war es unsere Verarbeitung?

Nach viel Recherche im Internet und vor allem einem langen Gespräch mit Ralf war dann klar: Wir hatten den Verdünner aus dem Epoxy Wood Primer nicht lange genug ausdampfen lassen. Das zweikomponentige Produkt härtet in sich zwar komplett aus, der Verdünner muss aber entweichen können, bevor eine neue Lage aufgebracht wird. Da wir bei relativ niedrigen Temperaturen gearbeitet hatten, war dieses leider nicht überall geschehen und die Wärme der Sonne sorgte für den Rest – der Verdünner wollte entweichen und die Seite mit dem Lack war weicher, als die mit dem Holz.

Die meisten Blasen hatten wir an den Stellen, an denen Lack zusammen gelaufen war – wie am Übergang von Deck zu Kajüte – oder wo wir einfach zu oft gestrichen hatten…

Fehlstellen in der Fläche könnte man relativ gut aufschleifen und dann neu lackieren, aber dabei wären wir auch in das Holz gekommen. Nun hatten wir aber vor dem Lackieren das Holz, gebeizt und daher blieb uns nur die Option „ganz oder gar nicht“. Die Abplatzungen am Übergang vom Deck zur Kajüte waren noch schwieriger, hier half einfaches Schleifen leider nicht, und daher mussten wir mit dem Heißluftföhn den ganzen Lack runter holen. Da wir im letzten Winter den Untergrund aber extrem lange und sorgfältig geschliffen hatten, ging die Arbeit dieses Jahr bisher recht flott von der Hand, und wir entschieden in diesem Jahr auch all jene Teile zu lackieren, die wir im letzten Jahr ausgelassen hatten – jetzt soll LOTTE oben komplett lackiert werden.Mit dem Spachtel den schönen, hochglänzenden Lack herunter zu holen tut schon weh – aber immer, wenn aus einer Blase wieder etwas Wasser kommt, wissen wir, warum wir diese Arbeit auf uns nehmen. Während ich von außen das Boot schleife, versucht Robbi die Backskisten wieder etwas in Form zu bringen. Nicht nur, dass bei ihnen viele Proppen ersetzt werden müssen, sie sind in sich auch nicht plan und daher wackeln die Deckel und arbeiten gegen die Scharniere.Das Schleifen der weißen Planken ist dank eines professionellen Schleifers und guten Schleifpapiers kein Problem. Vorbei sind die Zeiten, in denen mir Dieter zu jedem Geburtstag einen Arbeitstag am Boot schenkte und dann nach 6 Stunden Arbeit, und dem Gebrauch von 4 (10er)Packen Schleifpapier, weiß wie ein Müller vor mir stand – heute dauert eine Seite vom Boot eine halbe Stunde. Leider gibt es aber an einer Planke auch ein Problem mit dem Weiß – nach über 6 Jahren platzt die alte Vorstreichfarbe vom Holz und daher müssen wir auch dort mit dem Föhn ran.So haben wir die beiden Tage vor Weihnachten und den zweiten Feiertag in der Halle verbracht – bei 14 Grad ist das aber alles andere als schlimm.

Kategorien: Winterarbeit