Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

24
Dez
2015

LOTTE zieht um

Am Wochenende vor unserem Krantermin – wir kamen gerade aus Japan und hatten einen Zwischenstop in København – erreichte uns ein Anruf von Henner, dem Besitzer unseres Winterlagers: „Ich habe eine Anschlag auf Euch vor, Ihr müsst die Halle räumen!“ Schock!

Nicht nur, dass wir unsere „Werft“ im Verlauf von 12 Wintern auf unsere Bedürfnisse angepasst haben, sondern vor allem die Kürze der Zeit ließen einen Umzug in die Nachbarhalle fast unmöglich erscheinen. Aber alles Reden half nicht. Henner, der sonst eher für Ankündigungen und weniger für Taten bekannt ist, hatte unsere Halle Rainer versprochen und Rainer ist ein Macher. Bereits drei Tage später, und damit rechtzeitig zu unserer Ankunft mit LOTTE, hatte er den ganzen Boden vor der Halle tief abgetragen und ausgekoffert – so war ein komfortabler Wendeplatz für uns entstanden und wir machten eine Stellprobe.

LOTTE passte natürlich (leider) gut durch das baugleiche Tor, aber neben ihr war sehr wenig Platz. Wo sollten wir Lackieren? Wo unsere Werkstatt einrichten? Und vor allem, wo sollten wir unsere ganzen Bootsteile lagern?

Als erstes ging es aber um die baulichen Veränderungen, folgende Dinge standen einem Umzug von LOTTE im Weg:

  • Im hinteren Teil der Halle gab es noch eine Zwischendecke, diese war kanpp 50cm über dem Kajütdach und musste daher raus.
  • Ein Großteil der Wände war offen oder nur notdürftig geflickt – um vor dem Lackieren besser reinigen zu können, sollten die Wände geschlossen werden.
  • In unserer Halle hatten wir eine komplett neue E-Verteilung gelegt – 12 Baustrahler, 25 Steckdosen und viele Leuchtstoffröhren waren im Laufe der Zeit an die notwendigen Stellen installiert worden. So eine Verteilung musste auch in die neue Halle.
  • Da wir auch unseren „Maschinenraum“ verlassen sollten, musste eine neue Werkstatt gefunden/gebaut werden.
  • Die Löcher im Boden der Halle mussten soweit geschlossen werden, dass die Halle fegbar wird.

Die meisten dieser Arbeiten übernahm Rainer, denn er hatte das meiste Interesse an unserem zügigen Umzug. Nachdem er die Wände geschlossen hatte, konnte der von Henner organisierte Elektriker kommen, und eine neue Verteilung bauen – leider betraf das nur die große Halle und nicht unsere neue Werkstatt.Zusammen mit Henner teilte ich dann seinen alten Lagerraum – aus diesem Teil der alten Scheune, in dem nach dem Krieg mal zwei Familien lebten, machten wir unsere neue Werkstatt und einen etwas kleineren Lagerraum für Henners Autoteile. Was sich bei dieser Arbeit als ziemlich schwierig heraus stellte, war der Fußboden: In der Mitte hängen die Eichendielen gute 10cm durch…Als ich gerade mit Henner am Einziehen der neuen Wand war, bekamen wir Besuch von Bärbel und Helmut. Diese waren ein Wochenende im Norden und hatten mir Robbi entführt – wenigstens brachten sie dann neben einigen klugen Kommentaren auch etwas zur Stärkung mit. Gemeinsam besichtigten wir die alten und neuen Räumlichkeiten, denn beide waren noch nie dort und kannten alles nur aus unseren Berichten und von den vielen Photos.Nachdem der neue Werkraum seine Wände hatte, konnte er mit dem ersten Leben gefüllt werden: Nach den Deckenlampen waren dies vor allem die Steckdosen für unsere vielen Maschinen. Insgesamt verbauten wir 8 Doppelsteckdosen für 230V, 2 Drehstromdosen (16A), 3 Baustrahler und 4 Feuchtraumlampen. Zwischendurch kam immer mal wieder Besuch, zum einen interessierten sich alle für unseren Umzug und dann auch für die Schäden am Lack von LOTTE – ein Problem, dem wir bis dato noch gar keine Aufmerksamkeit schenken konnten.Im hinteren Teil der Halle hatte Rainer ja den ganzen Zwischenboden entfernt, im vorderen Teil wollten wir aber gerne einen haben. Hier hätten wir den dringend benötigten Platz für all die Teile, die wir für den Winter aus LOTTE heraus holen, aber nicht mit nach Hause nehmen. Also wuchteten wir den besten (und leider auch schwersten) der alten Balken wieder nach oben und so konnten Robbi und Rainer einen neuen Boden einziehen.Parallel arbeiteten wir weiter an der Ausrüstung unserer neuen Halle, vor allem die Elektrik nahm sehr viel Zeit in Anspruch.Zwar hatte Henner einen Elektriker für die ganzen Kabelarbeiten organisiert, aber der sollte Steckdosen, Lampen und Schalter ja nur anschließen – die genaue Position mussten wir ermitteln.So versuchten wir aus den Erfahrungen unserer alten Halle zu lernen und es dieses mal noch besser zu machen.Unser Plan waren 4 Lichtkreise:

  1. Sechs waagerechte Leuchtstoffröhren als „Hallenbeleuchtung“.
  2. Acht senkrechte Leuchtstoffröhren (4 links und 4 rechts vom Boot) als Arbeitslicht für den Bereich vom Kiel bis zum Deck.
  3. Vier Baustrahler links vom Boot, als „Deckslicht“.
  4. Vier Baustrahler rechts vom Boot, als „Deckslicht“.

Mit einem von uns gezeichneten Plan machte sich der Elektriker dann ans Werk, und das Ergebnis kann sich durchaus sehen lassen – unsere alte Dame steht jetzt nicht mehr im Dunkeln.Nach knapp 4 Wochen intensiver Arbeit (zum Teil bis lange nach Mitternacht) war es dann soweit, LOTTE zog um. Im Gegensatz zu Lotta, die ja nur kurzfristig zu Tante Berg zieht, war es für LOTTE leider ein Abschied für immer – leb wohl du weiträumige Halle.Da der Elektriker leider nur die große Halle verkabeln sollte, mussten wir bei unserer Werkstatt leider selber Hand anlegen. Während allerdings das setzen der Steckdosen und das verlegen der Kabel noch schnell vonstatten ging, dauerte das anschließen Ewigkeiten…Wie waren wir da froh, dass wir nach einem Aikidolehrgang das tolle Angebot von Karsten bekamen, dass er uns helfen würde. Zusammen ging es nach einem ziemlich anstrengenden Training in die Kälte der Halle und während Robbi noch mit einem Baustrahler kämpfte, hatte Karsten (als Elektrikermeister) schnell alles verdrahtet und dabei noch Zeit für einen guten Schnack – vielen, vielen Dank!!!Jetzt, mit Licht und Strom, konnten wir auch an den Umzug unserer Werkzeuge, Materialien und Maschinen denken. Zusammen mit meiner Mutter suchte ich alle Kleinteile in der alten Halle zusammen, sortierte und reinigte sie und verstaute sie dann in dem vom Robbi und Rainer montierten Regal. Mit dieser neuen Ordnung machte die Arbeit dann auch langsam wieder Spaß, zumal es mittlerweile auch wieder recht warm geworden war. Bei zweistelligen Temperaturen hätten wir zwar lieber am Boot gearbeitet (und es schomal grundiert), aber ohne Werkzeug ist das nicht so einfach und außerdem wollte Rainer ja langsam auch mal drüben einziehen.Nachdem drinnen fast alles fertig war, mussten nun auch draußen die Spuren der Arbeiten beseitigt werden. Und so machten Rainer, dessen Sohn und Henner aus dem riesigen Stapel an Holzmüll Futter für den Ofen. Vier große Anhänger wurden beladen, und noch immer schleppten Robbi und ich neue Teile aus der Halle. Jetzt blieb nur noch eine Arbeit über, der Umzug unserer großen Maschinen. Während Rainer für uns neue Gerüstböcke schweißte, versuchte ich stabile (und vor allem waagerechte) Fundamente für die schweren Geräte zu schaffen. Das war gar nicht so einfach, aber mit den vorhandenen Multiplexplatten und viel Geduld bekamen wir auch dieses Problem in den Griff. Zusammen mit Rainer wuchteten wir dann alle Maschinen in unsere neue Werkstatt und nachdem wir sie auch noch gesäubert und vor allem entrostet hatten, waren wir endlich fertig – am 19. Dezember konnten wir nach 6 Wochen Umzugsstress endlich mit den Arbeiten am Boot beginnen.

Kategorien: Winterarbeit