Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Die Wettervorhersage für das Pfingstwochenende versprach beste Bedingungen fürs Segeln und lange warme Abende – genau das richtige für uns, wollten wir uns doch mit Freunden treffen!

Unser Wochenende begann aber auch schon sehr früh, bereits am Donnerstag brachten wir meine Großmutter mit Sack&Pack nach Wackerballig. Nachdem sie vor 3 Jahren Ihren Wohnwagen verkauft hat, verbringt sie jetzt – mit 89 Jahren – trotzdem noch jeden Sommer einen Monat an der See. Genau an der Stelle Ihres alten Platzes, keine 25m vom Wasser entfernt und mit perfektem Blick über die ganze Bucht bis Dänemark, steht jetzt ein mietbares Mobilheim mit fester Küche, WC und Dusche. Hier halfen wir ihr beim Einziehen und freuten uns beim Blick auf die blaue See schon auf den kommenden Törn. (Wer auch nur einmal diesen Blick auf die blaue See – gesäumt von Wäldern, Feldern, Stränden und Steilküsten – genossen hat, der käme nie wieder auf den lächerlichen Vorschlag: Legt LOTTE doch mal für eine Saison nach Wilhelmshaven.)

Nach der Autofahrt entlang der schönen Schlei, dem Beziehen des Mobilheims und einer Einkaufstour beschlossen wir: Heute kochen wir nicht, heute gehen wir Essen! Mit Ihrem "Mercedes" war der lange Steg für Oma kein Problem (die vielen kaputten Planken waren im Winter ja auch ausgetauscht worden) und so konnten wir den Tag mit einem Essen bei dem herrlichen Blick über die Bucht ausklingen lassen. (Natürlich haben wir vorher auch LOTTE einen Besuch abgestattet, dieses Mal allerdings ohne einen Besuch an Bord.)

Bei einem Cocktail – Robbi stellte sofort nach Erhalt der Karte fst, dass wir in der Cocktail-Happy-Hour waren – checkten wir nochmal die Wetterprognose und freuten uns auf die kommenden Tage. Bei schönen Gesprächen im Kreis der Familie verfliegt die Zeit (auch die recht lange Wartezeit aufs Essen) und mit dem herrlichen Sonnenuntergang über der Geltinger Bucht machten wir uns dann auf den Rückweg zum Campingplatz.

Auf dem Weg entlang der See sieht man dann immer wieder vertraute Gesichter – auch nach zum Teil über 40 Jahren in Wackerballig kommen viele jeden Abend an den Strand und genießen den Sonnenuntergang.

Am Freitag ging es dann endlich aufs Wasser! Aus der anfänglichen Flaute, die wir schön für einen ausgiebigen Brunch mit Oma nutzen konnten, kam ein frischer Südost auf und so brauchten wir gerade mal 2h bis nach Høruphav, wo wir uns mit unseren Freunden Bärbel und Helmut treffen wollten. 

Die Beiden hatten eine schöne Segelwoche auf ihrem Folkeboot verlebt und nun wollten wir das Pfingstwochenende gemeinsam verbringen. Geplant war eigentlich ein Treffen zum Grillen in Mjels Vig, aber als die Beiden sich aus Hørup meldeten, wunderten wir uns über die geänderte Abendplanung nicht – wir sollten nichts zum Grillen einkaufen…

Da wir die Beiden schon länger kennen, hätten wir eigentlich damit rechnen können dass etwas im Busch ist, aber mit den Fleischbergen hatten wir dann doch nicht gerechnet. Von ihrem Lieblingsschlachter auf  Ærø hatten sie Spareribs an Bord, für jeden von uns gefühlt ein ganzes Schwein.

Es wurde ein sehr schöner Abend, erst an Land und später auch noch an Bord. Etwas dichter untereinander verteut wirken die beiden Cockpits fast, als ob wir in einem Boot sitzen würden und so verbrachten noch einige Stunden und es gab viel zu erzählen.

Der Samstag Morgen war dann sonnig, windstill und brüllend heiß. Die Sonne brannte schon um 9 Uhr so, als ob wir Highnoon hätten und so blieben wir noch einige Zeit in Hørup liegen. Es war Zeit zum Einkaufen, Brunchen und für Gespräche mit anderen Folkeboot Seglern. Gegen 14Uhr wurde es dann drückender, leichte Wolken zogen auf und die Vorhersage lautete: "Abends Gewitter" Wir entschlossen unter Motor nach Wackerballig zu laufen und dort gemeinsam der Einladung von Oma zu folgen.

Wir übernamen mit LOTTE die Führung und so ging es in einer Geschwaderfahrt (Sind 2 Boote schon ein Geschwader?) über die Grenze, nicht ohne einige schöne Aktionen unterwegs.

Mal wechselte ich auf Petits Fours….

… mal Robbi.

Robbi war sowieso gut drauf…

… kaum sah er Helmuts Kamera,…

… musste er gleich mal ins Wasser springen; und das bei gerade mal 14°C !

In Wackerballig hatte Oma schon einen Tisch gedeckt, zu frischen dänischen Erdbeeren gab es nicht nur Kaffee und Tee, sondern auch eine Flasche Champagner und den herrlichen Ausblick auf die Geltinger Bucht.

Als Bärbel und Helmut uns vor zwei Jahren das letzte Mal in Wackerballig besucht hatten, war es eisig kalt und als Flucht vor dem Nordwest Sturm blieb nur das Auto. Dieses Mal war das Wetter perfekt: Das angekündigte Gewitter blieb, bis auf ein paar entfernte Blitze, aus und der Sonnenuntergang war vom Feinsten.

Da wir den Samstag Abend bei Oma verbracht hatten, wollten wir sowohl sie, als auch Bärbel&Helmut, am Pfingstsonntag gerne zum Frühstück einladen – trotz einiger Befürchtungen wegen des angekündigten Gewitters hatten wir einen Tisch bestellt und das war die richtige Entscheidung. Der Morgen erwartete uns mit einem warmen und ganz lauen Ostwind und die Sicht war perfekt; Oma war guter Dinge freute sich auf den Spaziergang über den Steg und das Wiedersehen mit uns allen.

Ein gutes Frühstück schmeckt in geselliger Runde gleich doppelt gut und so merkt man gar nicht, wie die Zeit vergeht…

… bis in der Bucht das erste andere Folkebbot unter Segeln auftaucht!

Nun gab es für uns auch kein Halten mehr – nach dem Abschied von Oma ging es für LOTTE Kurs Nord und für Petits Fours heim in den Egernsund.

Das Wetter war perfekt, 4Bft aus Südost brachten uns schnell wieder nach Dänemark. Da für Pfingstmontag West voraus gesagt war, entschieden wir uns dazu wieder in den Als Sund zu segeln.

Die Brücke in Sønderborg ging ausnahmsweise mal fast direkt für uns auf, und so segelten wir in der weniger intensiven Nachmittagssonne den Sund hoch und ein Stück wieder hinunter.

Unser Ziel war eigentlich der Anleger bei den Ruderclubs, direkt zwischen den Brücken. Aber eine kleine Ortsbesichtigung zeigte: 500m zu den Toiletten, Schwell und das für 115Dkr – also ging es wieder durch die Brücke und ab in den Yachthafen von Sønderborg.

Hier passten wir endlich die Pinne nochmal an den neuen Ruderkopf an, an der einen Seite bohrte sich immer ein Stück Holz in das Ruder, wenn man die Pinne zu hoch nahm. Außerdem  versuchten wir zu ergründen, warum sich in den letzten Tagen unser Backskistendeckel plötzlich nach oben biegt, die letzten fast 50 Jahre hat er das ja nicht gemacht… Wärend wir noch am Rätseln waren. hatten wir zu später Stunde dann das Glück, dass Malte Steckmest mit seinem Folkeboot Kairos in den Hafen kam, von ihm bekamen wir wertvolle Tipps und hatten auch noch einen schönen Abend mit "Segelgesprächen".

Pfingstmontag war dann der versprochene West da, in den Riggs rauschte der Wind und wir hatten bei halbem Wind eine Rauschefahrt nach Süden. Eigentlich wollten wir nur das Boot aufklaren und ab zu Oma, dann aber kam alles wieder anders: Mit seinem Folke Jonny war Johann aus Glücksburg gekommen und hatte, in der Hoffnung uns zu treffen, in Wackerballig festgemacht. Johann ist ein eifriger Leser unserer Website und weiß wohl mehr Details über LOTTE als wir – zusammen kramten wir auf jeden Fall den Klassenbrief hervor und werden bald der Seite über die Bootshistorie noch etwas hinzufügen! Nachdem er uns auf einen Kaffee eingeladen hatte – vielen Dank – besuchten wir natürlich auch sein Boot und fanden eine Menge super schöner Details, die sich sicher auch gut auf LOTTE  machen würden!

Das ganze Wochenende wurde dann von einer staufreien Rückfahrt gekrönt, um 23Uhr waren wir müde aber glücklich in Wilhelmshaven!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. "Immer eine Hand breit Wasser…" wünsche ich euch für die nächste Saison! Gefällt mir euer schönes Boot 🙂