Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Da neue Jahr ist ja schon ein paar Tage alt, aber trotzdem an dieser Stelle noch ein frohes neues Jahr von LOTTE und ihrer Crew!

2013 wird für uns ein besonderes Jahr: LOTTE wird 50! Ein halbes Jahrhundert und doch noch gut in Form, wie sagte uns ein Besucher im letzten Sommer – "So gut hat das Boot nicht mal als Neubau ausgesehen." Ein Lob, das man gerne hört, vor allem, da es sich bei dem Besucher um einen Bootsbauer handelte… Für uns ist das aber kein Grund zum Ausruhen, es gibt immerhin den 50ten Geburtstag.

Wann aber ist für ein Boot die "Geburt"? Zählt das Datum der Kiellegung? Die Taufe? Der erste Kontakt mit dem Wasser? Das Datum des Messbriefs? Da wir einige dieser Daten von LOTTE gar nicht genau kennen, sie ist 1962 bis 63 entstanden, haben wir uns auf 1963 festgelegt – dieses Jahr wurde als Baujahr kommuniziert, seit LOTTE in der Familie ist. 2013 feiern wir also einen besonderen Geburtstag und dazu wird es auch einige Neuerungen an Bord geben, Ihr dürft gespannt sein.

Seit LOTTE 2012 aus dem Wasser gekommen ist, ist bereits einiges passiert; nach der Pause durch unsere Japanreise haben wir sie entladen, Schäden gesichtet und einen Arbeitsplan für den Winter entworfen. (Dieser wurde natürlich schon nach wenigen Wochen durch neu entdeckte Schäden zunichte gemacht…) In diesem Winter ist folgendes geplant:

  • Nach 4 Jahren ist unsere Testphase für den LKW-Lack als Farbe für das Freibord zu Ende und das Ergebnis ist perfekt – wesentlich pflegeleichter und standfester als normaler Bootslack. Leider gibt es mittlerweile aber einige Schadstellen, vorwiegend durch äußere Einflüsse, und so werden wir den Lack erneuern.
  • Unter dem Teakdeck liegt nicht nur eine Sperrholzplatte, sondern auch das alte Stabdeck – dieses ist von unten unbehandelt und an vielen Stellen durch Feuchtigkeit und Salz über 50 Jahre in Mitleidenschaft gezogen worden. Da die Holzsubstanz noch sehr gut ist, wird das Deck von unten geschliffen, mit Intertox getränkt und dann mit einem Öl offenporig 2-lagig gestrichen.
  • Am Spiegel platzte der alte Lack an einigen Stellen ab, also wird dieser grundlegend erneuert und außerdem wollen wir das mittlerweile gelbe Mahagoni wieder dunkel, in dem Rotton von vor 50 Jahren, beizen.
  • Am Unterwasserschiff und in der Bilge sind diverse kleinere Arbeiten nötig, wir haben immer noch nicht ergründet, warum an einigen Stellen die Farbe jedes Jahr bis auf das Holz abblättert…
  • Es sind kleinere Lackreparaturen am Deck, dem Baum und dem Ruderkopf nötig – nix großes.

Kurz vor Weihnachten (und auch zwischen den Jahren) war es in Hamburg so warm, dass wir schon sehr viel geschafft haben – vor allem am Deck und am Unterwasserschiff. Leider zeigte sich dort, dass eine kleine Roststelle dann doch nicht so klein war und wir einiges am Ballastkiel zu arbeiten haben.

der Ballastkiel

Im Prinzip ist das ja keine komplizierte Arbeit, aber die 2-komponentigen Anstriche benötigen eine höherere Temperatur als wir zur Zeit haben, sind nur nach einander auftragbar (6 Lagen) und wir können nur an den Wochenenden arbeiten – da wird die Zeit schon knapp.

unter dem Ruderbeschlag

An anderen Stellen waren wir aber hoch erfreut über den Zustand des Holzes: Da unter einem der Ruderbeschläge noch nach Wochen Wasser raus sickerte, haben wir ihn mal abgeschraubt. Außer einer kaputten Schraube kam aber nichts schlimmes zum Vorschein, im Gegenteil: Das Holz war zwar nass aber die Eiche noch sehr gut und fest.

Durch die Temperatur konnten wir den Spiegel nicht nur Abziehen und Schleifen, sondern auch schon erste Versuche mit der Beize starten – jetzt müssen nur noch einige Proppen ersetzt werden und schon kann es mit dem Spiegel weitergehen.

der Spiegel ist geschliffen

die Beize ist stark alkalisch

erste Versuche

Die Schäden an dem weißen Lack vom Freibord hatten zwei Gründe – zum einen waren da mechanische Beschädigungen nach Anlegemanövern oder ähnlichem, zum anderen war an einigen Stellen der Lack einfach zu dünn. Dort war Feuchtigkeit unter den Lack gekrochen und hatte diesen gelöst. Nach Rücksprache mit Sebastian werden wir aber nicht nur diese Stellen reparieren, sondern ganz einfach das ganze Boot neu spritzen… dieses, so sagte er uns, geht einfach schneller.

Freibord nach dem Schleifen

Während Robbi viele Tage in teilweise sehr unbequemen Positionen unter dem Deck lag um dieses von unten zu Schleifen, begutachtete ich jedes von ihm ausgebaute Teil; Metallteile habe ich poliert, andere einfach neu gebaut. Hier konnte ich mal wieder großen Nutzen von den alten Fenstern meines Vaters machen – 40 Jahre abgelagertes Teak und Mahagoni, da nutzt man auch die kleinsten Reste.

Robbi unter dem Achterdeck

Teile der Motorhalterung unter Deck

Nach 2 Jahren des Rätselns, bekamen wir am 2. Januar endlich Hilfe eines Fachmanns: Partice kam extra aus Bremen, um den Fehler in unserer Hallenbeleuchtung zu suchen. Zwar haben wir im Laufe der Jahre die ganzen Steckdosen und Strahler neu angeschafft und sauber eingebaut, es gibt aber auch noch immer die alten Lampen und diese vertrugen sich nicht mit unserem neu installierten FI-Schalter. Trotz häufiger Suche hatten wir den Fehler nie gefunden und so musste der Meister ran:

Patrice in luftiger Höhe

Ready for action!

Nach 6 Stunden in (gefühlt) eisiger Kälte hatte Patrice nicht nur alle Fehler gefunden, sondern wir hatten gemeinsam auch schon neue Lampen installiert – mal sehen, was Sebastian beim Lackieren von dieser neuen Rundum-Beleuchtung hält.

In jedem Jahr bekommen wir bei unseren Arbeiten an LOTTE Besuch – meine Eltern, meine Großmutter, andere Segler oder Freunde kommen und lassen sich zeigen woran wir gerade arbeiten. Unser erster Besuch in diesem Jahr war Dominik, mit dem ich so viele schöne Stunden an Bord und so viele qualvolle Stunden im Winter verbracht habe. 

Nik zu Besuch

Mit Nik habe ich aus einer alten Scheune eine Werft gemacht und er ist Schuld, dass ich in den letzten Jahren soviel Geld für Werkzeug ausgegeben habe… wehe, wenn er bei seinen Besuchen mal kein Profiwerkzeuig findet. Leider ist er seit 7 Jahren nicht mehr mit gesegelt, aber er besucht uns immer und in diesem Jubiläumsjahr wird er einfach mal ein Wochenende eingepackt!

…doch bis dahin ist noch viel zu tun! 

Kategorien: Allgemein, Winterarbeit

Ein Kommentar bisher.

  1. Bertl Leitner sagt:

    Hallo,
    ich freue mich immer über Nachrichten von Lotte.
    Diesmal bin ich richtig gespannt wie der gebeizte Spiegel unter Lack aussieht.
    Viel Erfolg,
    ein grosser Folkefan, besonders von Lotte,
    Bertl Leitner, Segelmacher