Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Die letzten beiden Wochenenden (22.+23.09. & 29.+30.09., verlängert bis zum 3. Oktober) wollten wir Seewiefke überführen und kranen und auf Lotte ein paar schön herbstliche Segeltage verbringen. Die Unplanbarkeit von Segelwochenenden, die sich wie ein roter Faden durch die ganze Saison gezogen hatte zeigte sich auch an diesen Tagen und so klappte mal wieder nix so wie erhofft…

Zusammen mit Gunther und Nino wollten wir deren Seewiefke, die in diesem Jahr Ihren Heimathafen noch in Kopperby an der Schlei hatte, am 22. nach Wackerballig überführen. Dort sollte sie dann eine Woche liegen, bevor sie in Gelting-Mole am 29.9. aus dem Wasser kam.

Bei herrlichem Sonnenschein, aber einem steifen West von 5-7 Bft. starteten wir in Kopperby gemeinsam zu einem schönen Törn; doch das erste Unglück des Tages ereignete sich dann bereits beim Ableger – beim Versuch Seewiefke in den böigen Wind ruhig aus der Box zu führen, bemerkte niemand, wie einer der Festmacher sich erst selbstständig machte und dann um die Schraube wickelte. Da half kein Ziehen und Zerren, einer musste in die kalte Schlei.

Während Gunther und Nino noch darüber diskutierten, wer denn jetzt abtauchen sollte, war Robbi kurzerhand über Bord gehüpft und hatte konnte nach wenigen Tauchgängen einen heilen Festmacher und eine freie Schraube vorweisen.

Lag es jetzt an dem missglückten Ableger oder dem Schock über Robbis Sprung ins eiskalte Nass, auf den Weg nach Kappeln steuerte Nino uns dann erst aus dem Fahrwasser und später fast in ein anderes Boot. (Es ist ganz gut, dass die Beiden im nächsten Jahr in Wackerballig liegen und wir etwas besser auf sie aufpassen können…) Beim Warten vor der Schleibrücke kam dann die Sonne vollends hervor und so setzten wir nach der Passage die Segel und machte gut Fahrt in Richtung Schleimünde.

Vor Maasholm begegneten wir dann zum ersten Mal Booten, die von der Ostsee kamen und erkannten sofort, warum wir uns dick verpackt hatten – mit Reff II und ganz kleiner Fock ging es bei Schleimünde am Leuchtturm vorbei und dann mit einem harten Anleger Kurs Nord-Nord-West. Das Segeln auf der Boström ist im allgemeinen sicher trockener als auf einem Folkeboot, aber bei der steilen See vor Schleimünde ging fast jede Welle über es wurde schnell nass und auch recht frisch.

Mit harten Anlegern kreuzten wir die Küste auf, die letzte Ecke um Kalkgrund (zu allem Überfluss auch noch mit schweren Schauerböen) musste der Motor dann mit helfen… wie ruhig und friedlich so eine Maschine doch im Vergleich zu unserem Außenborder ist!

Kaum am Leuchtturm vorbei war es wie immer: Perfekter Kurs, Sonne und das absolute Glücksgefühl des Segelns – war vorher irgendwas gewesen? Kurz vor Wackerballig holten wir die Genua ein und wollten den Motor starten – nix! Weder mit Handkurbel noch Starter wollte der Motor anspringen und die Hafenmole kam immer näher. Also Genua wieder raus, einen stabilen Kurs gewählt und beratschlagt: Wir mussten unter Segeln anlegen. Das Problem an der Sache war jetzt aber die neue Hafeneinfahrt, diese muss man direkt von Westen her anfahren und im Hafen ist kein Platz für einen richtigen Aufschießer… der Plan war dann mit minimaler Genua in den Hafen segeln und eine der Boxen wählen, die genau in den Wind zeigen. Mit 6 Bft. von hinten rauschten wir also in den Hafen, Segeln einrollen, Schwung nutzen und fest – zu viert kein Problem und ein guter Grund für einen tiefen Schluck zur Belohnung!

An dem Abend war es dann wie immer: Kaum sind die Segel verpackt und das Boot fest im Hafen kommt die Sonne raus, der Wind lässt nach und es wird ruhig und schön.

Am Sonntag, den 23.9., wäre dann das perfekte Wetter für die Überführung gewesen: Ein schöner Ost mit 3 bis 4 Bft. hätte uns im Nu in die Flensburger Förde getragen und die phantastische Sonne hätte diesen Tag zu einem Highlight der Saison werden lassen. Das Boot musste aber überführt werden und die Unplanbarkeit hätte auch am Sonntag zuschlagen können…

Am Samstag, den 27.9., haben wir uns dann alle in Wackerballig wieder getroffen, der „Plan“ war Seewiefke zu Kranen und dann mit LOTTE ein paar Tage zu Segeln… Das Frühstück in der warmen Kajüte der Boström blieb dann aber das einzige was nach Plan verlief, kurz vor dem Krantermin um 10 Uhr fing es an zu schütten und der Regen hielt bis spät in den Nachmittag. Während Robbi sich mit dem Auto auf den Weg nach Mole machte, brachten wir das Boot und dann ging alles ganz flott:

Kaum lagen wir beim Kran war der Mast schon gelegt und das Boot aus dem Wasser – die Jungs in Gelting-Mole sind nicht nur super nett, sondern auch flott!

Gunther und Nino konnten kaum glauben wie schnell alles gehen kann, im letzten Jahr in Kopperby hatte die ganze Aktion fast 2h gedauert…

Wenn man schon nass ist, dann kann man auch ordentlich mit Wasser spielen und so nahm Nino es mit dem Kärcher besonders genau – genauer als einigen der Spachtelstellen am Unterwasserschiff lieb war und so ist gleich auch die Winterarbeit gesichert.

Nach einer heißen Dusche gab es dann abends in der Marina Lounge eine kleine Feier, nach all den Abenteuern hatten wir uns das auch verdient! Leider gefiel der Tag im Regen meinem Hals gar nicht und so präsentierte er am Sonntag Morgen, geschwächt durch eine Erkältung in der Woche vorher, dicke und entzündete Mandeln. Anstatt das schöne Segelwetter zu nutzen gab es dann am Montag Morgen vom Arzt in Gelting ein Antibiotikum und wir konnten den vielen Segeln auf der Förde nur aus der Ferne zugucken.

In vielen kleinen Schritten machten wir dann das Boot fertig – jetzt ist alles Bereit für unseren Krantermin am kommenden Samstag!

Kategorien: Törns

3 Kommentare bisher.

  1. Bertl Leitner sagt:

    hallo björn und robbi,
    danke schön für eure berichte, bin immer wieder aufmerksam am lesen, ganz spannend wird es wahrscheinlich jetzt wieder im winter. die arbeiten stehen an und weil ich mir auch ein folke wünsche, werden auch diese berichte mit freude erwartet.
    schöne grüsse aus bayern,
    bertl leitner

  2. Bertl Leitner sagt:

    …. noch eine frage: darf man mit dem volvo das folkeboot ziehen?
    danke für eine antwort
    bertl  leitner

  3. admin sagt:

    Moin Bertl,

    es gibt zur Zeit definitiv keinen Volvo, der unser Folkeboot ziehen kann 🙁

    Laut Liste wiegt ein Folkeboot 1,9t (segelfertig), ein Alutrailer würde um die 400kg wiegen, die großen Volvos kannst Du max bis 2,4t auflasten lassen – das würde gehen… LOTTE ist aber voll mit Pütt&Pann, ist nach der Saison voll gesogen mit Wasser und wir haben einen "normalen" Trailer, der selber schon 540kg wiegt – wir hatten das Gespann mal auf der Waage und kamen auf 3050kg, also noch 50 mehr als unser Trailer darf…

    Bei dieser Last hilft nur ein LKW oder ein richtiger Geländewagen.

    Gruß Björn