Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

07
Mai
2018

April vorbei – Mai

Nachdem wir LOTTE gekrant hatten, stand am folgenden Wochenende eine Familienfeier an – eine Hochzeit mitten in der Saison, wer macht den sowas?

Da das Wetter aber perfekt war, entschieden wir uns nüchtern zu bleiben und noch spät in der Nacht nach Wackerballig zu fahren. Der Sonntag machte dann seinem Namen alle Ehre und so hatten wir am 22. April unseren ersten kleinen Törn des Jahres. Mit Tümmlern vor, hinter, neben und unter uns ging es einmal nach Dänemark und zurück – ein perfekter Start für die Saison 2018.

Das letzte Aprilwochenende wollten wir dann zum 1.Mai hin verlängern und 4 Tage segeln – die Saison sollte richtig beginnen. 2018 bietet der Mai sowieso recht viele Segelwochenenden: mit 3 Feiertagen und 2 potentiellen Brückentagen gibt es auch genug Chancen auf passendes Wetter.

Leider war dann aber gleich für das erste der Wochenenden die Vorhersage alles andere als gut – 2 Tage kaum Wind und dann 2 Tage Starkwind und Regen… Wir ließen uns aber nicht entmutigen und schmiedeten beim Frühstück mit Ike&Karin gemeinsam Pläne für den Abend. Anscheindend wollte der halbe Hafen nach Høruphav und da wir lieber langsam segeln als schnell motoren, führte auch unser Kurs dorthin.

Vorher erneuerten wir noch schnell die Landstromkabel von LOTTE und Lycka – ohne etwas Basteln geht es eben nicht – und dann setzten wir die Segel und nahmen Kurs auf LOTTEs alten Heimathafen. Der Himmel zeigte sich in allen Schattierungen von grau-blau und ab und an kam sogar mal die Sonne durch. So segelten wir von Windfeld zu Windfeld, und es ging langsam gen Norden. Um uns herum hörten wir es alle paar Minuten schnaufen und platschen, die ganze Bucht war voller Schweinswale und diese zogen in kleinen Gruppen umher oder spielten mit den Booten.

Schon beim Anlegen in Høruphav tauchte Peter Sparboom, der Vorbesitzer von LOTTE, im Hafen auf – er hat echt einen siebten Sinn für unsere Besuche. Zusammen gab es den ersten Anleger und dann, wie abgesprochen, tauchten Martin&Lars auf – Prost zum zweiten!

Abends genossen wir dann unser Kalb vom Grill und waren dabei froh über die hübsche Grillhütte, es wurde nämlich sehr schnell recht kühl… So besuchten wir zusammen mit Lars&Martin noch ein älteres Ehepaar auf einer riesigen Malö – was für gigantische Boote es doch gibt.

Der Sonntag war grau aber warm und wir frühstückten erstmal lange und ausgiebig im Cockpit von Lycka. Längsseits am Steg hielten wir Hof und mit der Zeit kamen alle Bekannten (und einige Unbekannte) vorbei, hielten einen kurzen Schnack oder grüßten einfach.

Wir ließen uns viel Zeit, denn der Wind sollte erst recht spät kommen. Gegen Mittag machten wir LOTTE seeklar, und dann ging es bei einem schwachen Ost aus dem Hafen, Kurs Wackerballig. Wie gern wären wir weiter nach Norden gesegelt, aber die Wetterprognose war einfach nicht gut und da Karin am Montag arbeiten musste, begleiteten wir die beiden auf dem Weg in die Heimat.

Irgendwann kam von Osten der Nebel. Ganz langsam verschwand die Förde und während wir schon auf unserer vertrauten Bucht segelten, ertönten aus der Ferne die ersten Typhone. Ohne Termine segelten wir zeitlos gen Süden und die Stimmung war gespenstisch – obwohl die Sicht bei uns noch eine knappe halbe Meile betrug, wirkten die unter Motor vorbeieilenden Boote wie schattenhafte Wesen aus einer anderen Welt.

Der Wind nahm immer weiter ab, aber um uns schnauften die Schweinswale und so störten uns auch die 0,5kn nicht – in solchen Momenten lieben wir unsere alte Dame: immer dicht am Wasser, mitten im Geschehen!

Eine knappe Meile vor Wackerballig löste dann ein leichter Regen den letzten Hauch von Wind ab und nach einer halben Stunde Treiben, bargen auch wir die Segel und freuten uns über unseren Motor und auf einen schönen heißen Kaffee in Wackerballig.

Abends, im Wackerpulco, gab es dann ein großes Wiedersehen mit vielen anderen Hafenliegern. Viele hatten das Wochenende für die Überführung genutzt und so füllte sich der Hafen ganz langsam wieder.

Am Montag wurden wir durch die Unwetterwarnung auf dem Handy geweckt – Starkregen und Gewitter in Gelting und Umgebung. Wir waren schon etwas sauer über das tönende Handy, aber keine 5 Minuten später ging es dann richtig los und die Donner rollten über die Bucht. Wie so oft liefen die eigentlichen Gewitter an Wackerballig vorbei, aber trotzdem bekamen wir so manchen Schauer und einige Böen an dem Vormittag ab.

Was macht man bei schlechtem Wetter? Richtig: Lange Frühstücken und nur kurze Aktionen im Freien. Ich zeigte Ike wie man bei einem perfekt eingeweichten Cockpit das Teak schonend pflegt und Robbi half Werner bei der Reparatur eines Hafenkabels – so ging der Tag schnell vorbei und abends brachte Karin die Sonne aus Hamburg mit.

Am Tag der Arbeit machten wir uns einen faulen Tag – während es draußen kräftig wehte, planten wir die kommenden Wochenenden und schwelgten in der Vorfreude auf den Sommer.

Kategorien: Törns