Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Eigentlich beginnt unsere Wintersaison immer gleich – the same procedure as every year. Nach viel Neuem in der vergangenen Sommersaison, starteten wir unseren Winter auch etwas anders.

Wir hatten am Samstag, den 31.10., unsere alte Dame so gut in ihr Winterquartier gebracht, dass wir am Sonntag gleich mit den ersten Arbeiten anfangen wollten – dann legte die Hexe auf mich an. Wir schafften es den Mietwagen zurück zu bringen und beim Boot die Spanngurte zu lösen – mehr war einfach nicht drin.

Am Montag sagte mein Hausarzt: „Vermeiden Sie das böse S – Stehen und Sitzen, üben sie das gute L – Liegen und Laufen!“ So machte ich mich allein auf den Weg zu LOTTE und begann mit den Schleifarbeiten am Mast; brav in aufrechter Haltung am Mast entlang gehen und schleifen. Diese Übung hatte eher einen therapeutischen, als einen praktischen Effekt, aber immerhin ging es mit den Arbeiten los.

Am folgenden Wochenende, meinem Rücken ging es wieder besser, war LOTTE immer noch nicht aufgebockt, außer den Lebensmitteln war sie noch voll beladen und unser Gerüst stand auch noch nicht – so haben wir noch nie mit den Winterarbeiten begonnen.

Mit schweren Teilen durch das Boot zu kriechen wollte ich meinem Rücken noch nicht zumuten, so beschlossen wir einfach ein Tuch über alles zu decken und außen zu beginnen; ich begann (jetzt richtig) mit dem Mast und Robbi mit dem Unterwasserschiff.

Wir wollten den Mast schon im letzten Winter neu streichen, aber dann fiel uns auf, dass er eigentlich komplett abgezogen und neu lackiert werden müsste – das konnten wir damals zeitlich nicht mehr schaffen. So machte ich mich mit diversen Schleifern, einem Lackföhn und viel Geduld an den Mast. Obwohl Robbi immer mal mit schliff (er konnte ja nicht den ganzen Tag unterm Boot sitzen und Überkopf arbeiten), dauerte es fast 2 Wochen, bis nicht nur alle alten Farbschichten entfernt waren, sondern bis die Oberfläche auch glatt und schier war.

Bei den warmen Temperaturen Ende November konnten wir auch gleich mit der Grundierung starten – nach einem Wochenende hatte der Mast 15 Lagen D1 bekommen und war bereit für den Lack.

Wir nutzen jetzt seit einigen Jahren den hochglänzenden Bootslack von Wilckens, da es den guten alten Sikkens Dutch Quality ja nicht mehr gibt. Dieser klassische Einkomponenten-Lack ist nicht nur sehr gut in der Verarbeitung, er kostet auch weniger als halb soviel, wie vergleichbare Produkte von International, Hempel oder Epifanes.

Während ich am Mast gut voran kam, zu Weihnachten hatten wir bereits 10 Schichten Lack auf dem guten Stück, klappte es mit dem Unterwasserschiff nicht so wirklich:

Wie schon öfters beschrieben, haben wir immer einige Stellen an denen sich nach der Saison Antifouling und Primer bis auf das Holz gelöst haben, an anderen ist der Farbaufbau mittlerweile viel zu dick – die Lösung war: alles runter!

Antifouling zu entfernen ist kein Spaß, das Zeug ist nicht nur giftig, es ist auch extrem hartnäckig. Da wir nicht Strahlen können und mit Abbeizern schlechte Erfahrungen gemacht haben, half nur Muskelkraft. Mit dem Lackföhn wurden die obersten Schichten entfernt, wobei die Masse zäh wie altes Kaugummi wird, nach dem Erkalten ist sie dann hart und spröde; so konnten wir die Reste mit Ziehklinge und Schleifer entfernen.

Bei Schleifen konnten wir mal wieder den Pfusch der letzten Jahrzehnte bewundern: Die Planken hatten nirgends mehr eine plane Fläche. Mit dem großen Schleifer rückten wir diesem Problem auf den Planken zu Leibe, unter den Planken blieb nur das Schleifbrett – was für ein Knochenjob.

Bei allen Arbeiten am Antifouling gilt für uns stehts auf den Arbeitsschutz zu achten: Die Schleifer (und sogar unser Lackkratzer) sind an Staubsaugern angeschlossen, die extra Filter und Beutel für giftige Stäube haben und wir tragen immer eine Halbmaske mit Partikelfilter P3, beim Streichen oder Arbeiten mit dem Heißföhn zusätzlich einen Gasfilter.

Nachdem endlich alles glatt war, konnten wir mit dem Wiederaufbau beginnen: Erst wurden die Nieten nachgespachtelt, dann kleinere Absätze mit Bitumenspachtel geglättet. Dieser Spachtel hat den Vorteil, dass er nie komplett aushärtet und daher auch nicht reißt, wenn das Holz arbeitet. So kann keine Feuchtigkeit unter den Spachtel dringen und das Holz dort schädigen.

Nachdem auch diese Arbeiten erledigt waren konnten wir grundieren, da das Boot von innen mit D1 behandelt ist, verzichteten wir darauf es auch von außen zu ölen. Nach 7 Lagen mit unterschiedlicher Verdünnung war LOTTE endlich wieder bereit für ihr Rouge.

Ende Januar war unsere alte Dame dann von unten schon wieder fertig und hätte fast ins Wasser gekonnt, wären da nicht noch die Arbeiten am Deck und der plötzliche Kälteeinbruch. Wir nutzten die Gelegenheit und räumten LOTTE endlich leer, dann kam unser Gerüst und damit auch die komfortable Möglichkeit das Deck zu Schleifen.

Wann immer es die Temperatur zuließ (manchmal auch durch unsere Heizung unterstützt), bekam das Deck jetzt seinen Lack und nebenbei auch ein paar neue Fugen. Auch diese Arbeiten mussten aber bei -18°C pausieren, als der Winter so richtig über uns hereinbrach, haben wir nur noch etwas geschliffen, Beschläge poliert und dann Zuhause vom Sommer geträumt.

Mitte Februar kam dann endlich ein Hauch Frühling und während ich schon wieder ganz froh über die Halbmaske als Pollenfilter war, bereiteten wir unsere Dame auf das große Lackieren am kommenden Mittwoch vor und übten uns schonmal an einigen kleineren Teilen.

Leider mussten wir aber bei unseren letzten Vorbereitungen feststellen, dass sich an unserem Bug der Lack komplett vom Steven gelöst hat – dank der Temperatur von knapp 20°C konnten wir aber auch schon ein paar Lagen Grundierung aufbringen, jetzt kann der neue Lack kommen.

Kategorien: Winterarbeit

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