Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Am letzten Wochenende war es endlich soweit: Wir wollten LOTTE in ihr Winterlager bringen und damit dann unser Saisonende endgültig abschließen…

Die Überführung von Egernsund nach Dierkshausen war für Samstag, den 23. November, geplant, aber da Jochen, unser Bootsbauer, an dem Tag nicht konnte, machten wir uns am frühen Sonntag auf nach Dänemark. Der Autotausch mit Jan hatte am Samstag bestens geklappt (Vielen Dank!!!), und so konnten wir ohne Umwege auf die Autobahn und ab nach Norden. Der Elbtunnel war frei, die Rader Hochbrücke wieder zweispurig, die Sonne stand im azurblauen Himmel und es war eisig kalt.

Wir hatten uns mit Jochen um 11Uhr an seiner Werft verabredet und da wir so gut durch gekommen waren, hatten wir noch gut Zeit, um die alte Straße an der Flensburger Förde entlang zu fahren. Die herrliche Sonne und die ruhige Ostsee luden zu einem kleinen Stop bei den Ochseninseln ein und so gönnten wir uns bei Annie noch einen Ristet Hotdog.

Die ruhige See, die Sonne und das heimatliche Revier luden zu einem Segeltörn ein – natürlich gut verpackt und mit der Thermoskanne Tee im Anschlag – aber LOTTE stand nun mal an Land und irgendwann ist die Saison ja auch vorbei… Trotzdem: Es ist unser großer Traum das Revier einmal im Winter zu befahren! Zwischen den Jahren um Als herum (oder einmal in die Südsee) – unter Segeln oder auch auf einem Motorboot – wer kann uns das erfüllen?

Als wir den Egernsund erreichten, stand LOTTE im Sonnenschein am Kai und es sah so aus, als ob sie direkt wieder ins Wasser wollte… Unser Tagesziel war aber leider recht weit von der Ostsee entfernt, und so machten wir uns gleich an die Arbeit für den Transport: Das Gut vom Mast musste abgeschlagen werden, das Boot verzurrt und die Ladung innen gesichert.

Zuerst inspizierten wir aber die Arbeiten von Jochen und waren begeistert: Mit sehr durchdachten Lösungen waren alle unsere Probleme gelöst worden! Und das nicht nur im Zeit- und Kostenrahmen, sondern auch handwerklich sehr gut ausgeführt. Zu seiner Art der Arbeit, mit individuellen Lösungen am alten Holz, passte auch seine handgeschriebene Rechnung – wo bekommt man so etwas heute noch?Wir waren kaum mit unserer Begutachtung fertig und hatten gerade mit unseren Arbeiten begonnen, da kam Jochen auch schon. Trotz des Sonntags nahm er sich viel Zeit für uns, erklärte für alle seine Arbeiten das "Wie" und "Warum", und so dauerte es eine ganze Weile, bis wir endlich abreisebereit waren. Der Rückweg war genau so einfach wie die Fahrt nach Norden; ohne Stau und bei wenig Verkehr erreichten wir in der Dämmerung unsere Halle und versuchten dort mal etwas Neues: Neun Jahre hatten wir LOTTE vorwärts auf das Gelände gezogen und dann unter Mühen, auf dem unbefestigten Boden, gedreht… jetzt wollten wir sie gleich rückwärts schieben und somit den selben Weg nehmen, mit dem wir sie im Frühjahr raus ziehen. Die Fahrt über die 100m Stichstraße war rückwärts zwar etwas schwierig, das Rangieren vor der Halle aber sehr viel einfacher! Und so stand LOTTE nach kurzer Zeit und Dank Jans super KIA sicher zum zehnten Mal für einen Winter in Dierkshausen.

Nun ist unsere Saison 2013 wirklich zu Ende und wir kommen, jeder für sich, zum gleichen Résumé: Noch nie (in den letzten 20 Jahren) war LOTTE so lange im Wasser (von Ende April bis Ende Oktober), noch nie waren wir so oft an Bord und noch nie konnten wir so viele Tage auch tatsächlich Segeln!

Auch nach einem halben Jahrhundert im Revier konnte LOTTE mit uns neue Fahrwasser ersegeln und sieht besser aus als je zuvor – ein guter Ansporn für die Winterarbeiten und für die nächste Saison!

Kategorien: Törns, Winterarbeit