Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Am letzten Wochenende, während viele andere Segler ihre Boote schon an Land hatten und dann selber die Tore der Hanseboot stürmten, ging unser Saisonende ein Stückchen weiter:

Am 12. Oktober hatten wir Seewiefke gekrant und fast hätten wir den schönen Ostwind auch für die Überführung von LOTTE genutzt, aber der einsetzende Regen und die recht frischen Temperaturen schreckten uns dann doch ab – es war ja auch noch Zeit. Da wir an dem Wochenende drauf aber nicht konnten, blieb uns nur noch eine Chance… und das Sturmtief kam näher.

So machten wir uns am Freitag, den 25.10., zu unserer normalen Zeit auf den Weg nach Wackerballig und wären bei unserer Ankunft am liebsten sofort los gesegelt: Ein kräftiger Südost bließ in Richtung Förde und 16°C, Ende Oktober und um Mitternacht, waren wirklich außergewöhnlich! Aber Robbi war verdammt müde und es waren auch noch einige Arbeiten am Boot zu erledigen… so stellten wir den Wecker auf 6 Uhr und gingen erst einmal Schlafen. Der Norweger kündigte für den Samstag einen starken Südwest an, aber dieser sollte erst ab Mittag kommen – bis dahin sollten wir die 14nm zum Egernsund geschafft haben.

Am Morgen ging alles dann ganz schnell: Vor dem Abbau der Persenning markierten wir die an ihr zu ändernden Stellen, die Sorgleine wurde demontiert, der Tank gefüllt und während Robbi, mit einem Zwischenstop beim Segelmacher in Flensburg, per Auto in den Egernsund aufbrach, setzte ich die Segel…

Es war ein komisches Gefühl – der frühe Aufbruch, der laue Oktober, eine ungewohnte Richtung für die letzte Fahrt des Jahres und Robbi winkend auf dem Brückenkopf… Die letzten 10 Jahre war LOTTE immer in Gelting Mole aus dem Wasser gekommen, und auch wenn die 600m nicht immer einfach waren (von Starkregen bis Nebel und von Flaute bis Sturm war alles dabei), so war es doch "um die Ecke". Der Weg zu Fuß von Mole zum Auto nach Wackerballig ging schneller als hinterher über die Straße zurück und so waren wir auch immer zusammen an Bord. Der Wind hatte über Nacht zwar schon auf Süd-Südwest gedreht, aber er war eher flau und so ging es die ersten Meilen noch mit Motorunterstützung in Richtung Förde. Während vor mir noch alles im Zwielicht des Morgennebels lag, ging hinter mir die Sonne auf – die See hatte ich ganz für mich alleine. Kein Segel war zu sehen und nicht einmal ein Fischerboot zeigte sich – nur Schwäne und Eiderenten schwammen an mir vorbei. Die Geltinger Bucht lag schon längst hinter mir, aber die Sonne konnte sich noch nicht so wirklich durchkämpfen – das Spiel von Licht und Schatten auf der dunklen See wurde gespiegelt in den kahlen Bäumen an Land und jeder Moment zeigte: Der Herbst ist da! Kurz hinter der Tonne No. 2 – so auf der Höhe von Langballigau – kam dann der Wind. Erst kräuselte sich das Wasser immer mehr, dann kamen kleine weiße Kämme und zum Schluss wurde es nass. Ich war froh so weit unter Land geblieben zu sein, denn schon bald konnte ich Abfallen und mit Backstagsbriese ging es vorbei an Holnis und der Schwiegermutter in Richtung Egernsund. Das letzte Stück, mit freier Bahn für die Wellen von Flensburg an, wurde dann noch etwas rauer… aber auch schneller! Und so erreichte ich drei Minuten vor der 11 Uhr Brückenöffnung den Egernsund. Robbi wartete schon auf der Brücke und es blieb gerade noch Zeit ihn an Bord zu nehmen, bevor es bimmelte, die Schranken runtergingen und die Brücke öffnete.  Danach ging alles wie von selbst: Brücke auf, durch, Liegeplatz gesucht und mit Hilfe eines netten anderen Holzbootbesitzers römisch-katholisch angelegt. Nach dem Anlegen stellten wir freudig fest, dass unser Liegeplatz gleich neben unserem Trailer war – an dieser Stelle nochmals vielen Dank an Jan für den Transport hierher ! Im Hafen erlebten wir dann nicht nur ein imposantes Spiel von Sonne und Wolken, sondern merkten auch mal wieder wie gut der Norweger ist: Pünktlich zum Mittag dreht der Wind dann richtig auf und wir waren froh da bereits im Hafen zu liegen. Auf einem ziemlich schwankenden Boot – bei Südwest ist der Egernsund nämlich alles andere als geschützt – bereiteten wir LOTTE dann auf das Kranen am Montag vor: Segel und Baum runter, Wanten leicht lösen, alle nicht mehr benötigten Dinge von Bord und dann gut vertäuen – für Montag war Sturm angesagt! Nachdem wir mit dem Boot fertig waren, wir wollten gerade nach Flensburg aufbrechen, kam Jochen Dunker zufällig vorbei geradelt und so konnten wir nochmal alles mit ihm durchsprechen. Er ließ sich nicht nur eine weitere "Baustelle" an Bord zeigen, sondern gab uns auch noch den Schlüssel zur Toilette seiner Werkstatt – so waren wir für die letzte Nacht an Bord gut gerüstet.

In Flensburg steppte wie immer der Bär und so bummelten wir erst durch einige Geschäfte, bis wir dann zum FrühstückMittagDinner bei San Marco einkehrten. Hier waren wir früher immer Essen, als LOTTE im Winter noch in Flensburg lag und so war es die beste Gelegenheit diese Tradition wieder zu beleben!

Im Anschluss, es war schon Dunkel, gingen wir noch ein wenig am Hafen spazieren und genossen die laue Abendstimmung – bei 17°C Ende Oktober an der Ostsee, wann gibt es das schonmal?!?

Am Sonntag, wir mussten nach unserer letzten Nacht an Bord nur noch die Schlafsäcke und die Polster in das Auto laden, ging es dann zurück nach Hamburg. LOTTE kommt erst Montag aus dem Wasser, und zum ersten Mal seit 10 Jahren bin ich beim Kranen nicht dabei… ein weiteres Häppchen unserer Saisonendes. Ende November holen wir sie dann nach Hamburg, dann beginnt die Wintersaison.

2013 war eine phantastische Saison! Sie dauerte nicht nur ganze 6 Monate, sondern wir haben auch fast immer Segeln können. Hatten wir 2012 noch so viele Wochenenden bei Regen und Starkwind in Wackerballig verbracht, so konnten wir in diesem Jahr soviel Segeln wie lange nicht mehr: Zwei Wochen im Mai, zwei Wochen im August, eine Woche im Oktober und fast jedes Wochenende zwischendurch. Wir haben viele Freunde (wieder) getroffen, Freundschaften gefestigt und neue Freunde gefunden, wir haben neue Häfen und altgeliebtes gesehen, wir haben LOTTEs Jubiläumsjahr gebührend gefeiert!

Jetzt kommt der Winter – für uns aber keine Zeit, untätig rum zu sitzen! Es gibt genug zu tun und Ihr habt wieder die Gelegenheit uns dabei (virtuell) zu begleiten!

NACHTRAG:

Am Montag Morgen, bei strömenden Regen und eine halbe Stunde vor den ersten schweren Böen ist LOTTE sicher und gut aus dem Wasser und in die Werfthalle gekommen. Während draußen der Orkan an den Fenstern rüttelt, beginnen drinnen schon die ersten Arbeiten.

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Käpt'n La Pirogue sagt:

    Eine angenehme Wintersaison an LOTTE von der "La Pirogue". 🙂

    Grüße vom Käpt'n (Holger)

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    Segeln aus Leidenschaft

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    http://www.sailing-lapirogue.de