Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Wieder einmal ist es auf diesen Seiten etwas ruhig geworden – einige Wochenenden mit Aikido und die viele Arbeit an LOTTE ließen uns nicht zur Ruhe kommen. Jetzt ist es aber dringend Zeit für ein Update und genug passiert ist ja…

Seit ich – vor nun mehr 10 Jahren – das letzte Mal den Klarlack von den Mahagoni Aufbauten runter gezogen hatte habe es immer wieder den Kommentar: „Dann hättest Du das Holz aber nicht so gelb lassen dürfen!“ Diese Aussage hat mich immer geärgert, denn obwohl ich LOTTE mit diesem gelben Holz kennen gelernt habe, kenne ich die Originalfarbe doch von innen und immer wenn ich in der Koje liege, ärgere ich mich über meine damalige Faulheit.

Wegen einiger tiefer Kratzer, noch mehr Abplatzungen und vor allem wegen dem desolaten Übergang von Kajütseite zu Deck haben wir uns kurz vor Weihnachten dazu entschlossen, den ganzen Lack ab zu ziehen. Mit Heißluftföhn und unserem geliebten kleinen Festool-Schleifer (dem RS 400) war das kein Problem, nur der Kasten zwischen Vorluk und Kajüte bedurfte intensiver (und damit extrem zeitraubender) Handarbeit.

Nach dem wir alles gut geshliffen hatten, kam die Frage nach dem Farbton auf: So dunkel wie im Inneren oder doch etwas heller? Welches Produkt sollten wir nutzen?  Und vor allem, wie stellt man einen einheitlichen Farbton her?

Unserer erste Wahl fiel auf die Pasta Mogano, ein 2K-System von Stoppani; unsere Versuche zeigten aber schnell: Die Verarbeitung ist top, aber die Farbe ist zu hell und das Holz wird tot gebeizt. Unser nächster Versuch ging in die etwas klassischere Schiene; Roberts Vater besitzt noch einen Eimer Mahagoni Beize zum anrühren mit Salmiak – stink noch schlimmer als das Lösungsmittel von Stoppani, aber der Farbton lässt sich sehr gut einstellen.
Nach einigen Versuchen hatten wir „unsere Farbe“ gefunden, danach ging das Auftragen dann ganz schnell. In weniger als einer halben Stunde hatte LOTTE eine neue Farbe und da die feuchte Beize ungefähr den Farbton nach dem Lackieren hat, können wir sagen: Es sieht jetzt von Außen wieder fast so aus wie von Innen.
Mit dem Endergebnis waren wir sehr zufrieden, so dass auch schon der nächste Schritt folgen konnte: Das Aufbringen der Grundierung. Nach vielen Jahren mit einem Aufbau von Owatrol Öl – Epifanes – 2K Decklack, wollen wir in diesem Jahr einen neuen Weg gehen. Wir werden als Grundierung einen Epoxi-Woodprimer nutzen, der in 4 Lagen aufgebaut wird. Darüber werden 8 Schichten 2K Lack gepinselt/gerollt und am Ende werden wir entscheiden, ob wir diesen bereits aufpolieren oder wieder ein Finish spritzen.

Bevor es aber an das erste Pinseln ging, mussten viele Stellen – vor allem am Deck – abgeklebt werden. Das geht nach so vielen Jahren aber dermaßen routiniert, dass alles in weniger als einer Stunde geschafft war.
Dank des 2K-Systems konnten wir bereits am ersten Tag zwei Lagen aufbringen – da wir ja immer nur an den Wochenenden am Boot arbeiten können und in endlicher Zeit fertig sein wollen, ist das schonmal ein sehr guter Start.
Der erste Eindruck der Holzfarbe war dann auch schon sehr vielversprechend – diese Farbe unter Hochglanz und wir sind glücklich!
Während ich also fleißig (auf unserem tollen Gerüst) um das Boot laufen und pinseln durfte, machte Robbie es sich im Vorluk bequem: Dort war er aus dem Weg und hatte die perfekte Position, um dort einige Fugen im Deck auszubessern. In der Zeit konnte ich das Vorschiff pinseln und dann schon von achtern mit der zweiten Lage beginnen.
Nach dem ersten Streich-Wochenende waren wir mit dem Ergebnis sehr zufrieden, leider kam dann auch der große Kälteeinbruch… jetzt hoffen wir auf etwas bessere Temperaturen am kommenden Samstag – dann kann es mit dem Lackaufbau weiter gehen!
Zu guter letzt – bevor Fragen oder Kommentare kommen – bleibt noch eins zu sagen: In diesem Jahr testen wir die Beize und den Lackaufbau  an dem Aufbau von außen und den dazu gehörenden Teilen vom Cockpit. Alle anderen Teile wie das Schiebeluk, seine Schienen, die Backskisten oder das Hauptschott kommen dann im nächsten Jahr…

Kategorien: Winterarbeit

2 Kommentare bisher.

  1. Dietmar Kohlgraf / Erftstadt sagt:

    Hallo ihr beiden,
    seit einiger Zeit verfolge ich eure Seite und finde gerade die Beiträge zu den Winterlagerarbeiten klasse.
    Ich selbst segle seit 18 Jahren ein Waarschip 740, allerdings besteht der Kajütaufbau nicht aus Sperrholz sondern aus Mahagoni Vollholz, welches ich mit Schooner Klarlack streiche.
    Ich habe in der Hundekoje hinter der Wegerung rohes Sperrholz entdeckt und möchte diese Stellen schützen.
    Hierzu wollte ich Owatrol Öl nutzen – ähnlich wie ihr bei eurem Kajütdach von innen.
    Ihr benutzt Grundöl von Owatrol. Entspricht dies dem normalen einfachen Owatrolöl welche meistens zum Rostschutz angeboten wird ?
    Ausserdem würde mich interessieren im welchem Verhältnis ihr das Öl dem Klarlack beimischt.

    Ich freue mich auf eure Antwort.

    Danke und Grüsse
    Dietmar

  2. robert sagt:

    Moin Dietmar,

    beim Überarbeiten der Website sind wir über Deinen Kommentar gestolpert. Da wir normalerweise Kommentare mit einem weiteren Kommentar beantworten un dies hier nicht der Fall ist, fürchten wir, Deine Frage übersehen zu haben… Jetzt kommt die Antwort. Besser spät als nie:

    Es handelt sich dabei um das Owatrol-Öl, welches auch zum Rostschutz benutzt werden kann. Das Mischungsverhältnis hängt von der Außentemperatur und der Lage des Lacks ab. Je kälter es ist bzw. je früher die Lage Lack ist, desto stärker verdünnen wir. Maximal 50%, minimal (Finish) 5%.

    Lieben Gruß,
    Robert