Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

02
Mai
2013

Eisiger Saisonbeginn

Nach all den vielen Tagen (und Nächten) bei teils eisigen Temperaturen in der Halle freuten wir uns, endlich ins Wasser zu kommen. Am Freitag, den 26. April, brachte Jan uns nachmittags seinen Wagen und mit diesem ging es dann am Samstag nach Norden. Foto1Es wurde die schwierigste Überführung, die wir je hatten… Trotz jahrelanger Erfahrung (LOTTE wohnt den zehnten Winter in der Heide bei Hamburg) mussten wir mehrfach anhalten und Zurrgurte nach justieren, verloren gegangene Polster ersetzen oder los-gewackelte Stützen wieder fest schrauben. Die immer schlimmeren Straßen taten das Übrige und so wurde jedes Schlagloch zur Probe für uns und die ausgetrocknete LOTTE auf ihrem Trailer. Von Schlagloch zu Schlagloch und Stau zu Stau ging es nach Gelting und als wir dort gegen 16 Uhr an kamen, wartete Nino schon, um uns zu helfen.    IMG_9249Während wir noch auf den Kran warteten (und in der Zeit den Mast vom Boot holten und die große Tauchpumpe installierten), wurden bereits zwei weitere Folkeboote aus Wackerballig gekrant. Mit soviel Übung hatten wir wenigstens die Hoffnung, dass beim Kranen alles glatt gehen würde. IMG_9251 IMG_9254Als beide anderen Boote im Wasser waren, ging es schnell wie immer: LOTTE wurde unter den Kran gezogen….IMG_9268… präsentierte ihren frisch polierten Spiegel (und das erste Mal ihren Heimathafen)… IMG_9276… Patrick, der Hafenmeister, macht einige Späße…IMG_9291…wir hielten dagegen… IMG_9311… und schon hing die alte Dame in den Gurten.IMG_9324Danach wurde noch an einigen Stellen das Antifouling gestrichen, vor allem dort wo vorher die Stützen waren und wo das Boot auf dem Kiel gestanden hatte. Bei dieser Arbeit haben wir immer nicht nur viel Tageslicht, sondern oft auch noch schöne Sonne; und so finden wir immer auch einige Stellen, die wir vorher einfach vergessen haben. IMG_9343Besonders ärgerlich ist es, wenn man jetzt die Stellen findet, die man vorher selber übersehen hat…IMG_9353Nach dem Pinseln geht es ab ins Wasser und dann, zumindest für uns, immer zu erst zu einem Liegeplatz mit Steckdose. Dort wird die große Tauchpumpe angeschlossen und diese bewahrt die alte Dame dann vor dem Untergang. So lief es auch in diesem Jahr.IMG_9359Den Mast setzen wir daher fast immer erst einen Tag später und in diesem Jahr war das auch aus einem anderen Grund sehr gut: Unsere letzte Lackierung des Mastes war nämlich gründlich daneben gegangen, der Lack war geliert und bildet eine Orangenhaut. Seinen Schutz kann der Lack so entfalten, aber optisch ist das eine Katastrophe und so gab es den ganzen Abend Diskussionen, ob wir das Ding nochmal pinseln sollten – ich war dafür, Robbi dagegen. IMG_9383Nach einem guten Essen beim Griechen, der ersten Nacht auf dem Boot und der Meinung einiger Unparteiischer im Hafen setze sich dann Robbi mit seiner Meinung durch – der Mast wurde gestellt, wie er ist und ich musste versprechen über diesen, in meinen Augen, „Schandfleck“ nicht weiter zu reden.

Nach dem wir dann am Sonntag Mittag den Mast gesetzt hatten, verholten wir LOTTE nach Wackerballig und brachten Zugfahrzeug und Trailer zurück nach Hamburg. Bei schönstem Wetter durch Angeln zu fahren ist immer eine Freude und so fiel es uns auch nicht so schwer, nach einer Auto-Tausch-Aktion vor Hagenbeck, dem Zurückbringen des Trailers in die Halle und einem kurzen Zwischenstopp zuhause wieder nach Wackerballig zu fahren. In einer sanften Brise, kurz nach Sonnenuntergang, schaukelte Lotte auf ihrem Platz und wir freuten uns auf 2 schöne Wochen.

Der Montag begann dann so, wie fast gesammte letzte Saison gewesen war: Ein eisiger Starkwind fegte einen Regenschauer nach dem nächsten über die Bucht und so konnten wir die Arbeit am Boot erstmal vergessen. Mit dem Auto ging es nach Flensburg, wo wir neue Flaggen kauften und uns mit dem Segelmacher für den nächsten Tag verabredeten. Gegen 17 Uhr wurde es dann aber doch noch trocken und so konnten wir wenigstens etwas schaffen. Während Robbi das Teak-Deck vom Staub und Dreck des Winters befreite, habe ich eine neue USB-Steckdose installiert. Brauchte man früher überall 12V KFZ-Steckdosen, so wird heute fast alles (Kameras, Handys, Tablets, …) über USB geladen. IMG_9394Da wir auch noch andere Arbeiten zu erledigen hatten, war das ganze Boot voller Werkzeug und Material – in anderen Worten: Es herrschte Chaos.IMG_9395Mit jedem Arbeitsgang konnten wir uns aber einen Teil von LOTTE zurück erobern und so hatten wir am Dienstag Morgen sogar schon einen Platz für den Kocher. Die Wassertemperatur liegt zur Zeit bei ca. 5°C, in der Nacht gab es wieder Frost, und so freuten wir uns trotz Heizlüfter auf ein gutes Frühstück mit heißem Kaffee und leckeren Eiern. IMG_9396Nach dem Frühstück gaben sich die Handwerker dann die Klinke in die Hand (oder wie nennt man das auf dem Boot?), und so kam als erster der Segelmacher, um eine neue Persenning auszumessen. Bei Starkwind war die Mustererstellung mit der großen Plane gar nicht so einfach. Foto2 Foto3Da nach kam Herr Lenschau, von dem wir unsere genialen Polster haben, und wollte sich ein kleines Problem angucken: An einer Stelle verrutschen die Polster leider, aber er hatte hier sofort eine Lösung parat.

Später, am Nachmittag, haben wir das Boot von innen aufgeräumt und von außen zu Ende poliert – jetzt war die alte Dame fertig für Ihre 50. Saison! Am Abend sind wir dann wieder nach Flensburg gefahren und haben dort bei der Hochschulgruppe ein sehr nettes Aikido-Training mitmachen dürfen. IMG_9400Der 1. Mai begann zwar wieder eisig, aber in der Flaute merkte man die Kraft der Sonne und so konnten wir das erste mal im Cockpit frühstücken. IMG_9404Die herrliche Sonne lud zu Aktivitäten draußen ein, die Flaute verhinderte aber das Ansegeln. So schwangen wir uns auf die mitgenommenen Räder und zusammen mit Volker ging es in Richtung Geltinger Birk. IMG_9408Beim Fahrradfahren merkten wir erst, wie weit die Küste doch hinter Hamburg zurück ist: Alle Bäume sind noch kahl und das erste Grün an einigen Büschen ist sehr zaghaft. IMG_9410Die Geltinger Birk, das Naturschutzgebiet am Ausgang der Geltinger Bucht, ist nicht nur für die zahlreichen Vogelarten und die frei herumlaufenden Highland-Rinder bekannt, sondern auch für einige Herden an Wildpferden. So oft ich in den letzten Jahren auch auf der Birk war, die Koniks hatte ich bis jetzt noch nie gesehen. Und so war es für Robert und mich eine große Freude, als diese Tiere mit ihren Fohlen direkt neben dem Weg standen. IMG_9427 IMG_9446Obwohl die Landschaft und die Temperatur noch wenig Kraft in der Sonne vermuten ließen, so wurde es an geschützen Stellen doch schon recht warm und die Intensität der Sonne sorgte trotz Sunblocker für einen dicken Sonnenbrand bei Robbi und mir. IMG_9454Heute war es dann endlich so weit: Der Wind war zwar schwach und kam alle paar Minuten aus einer anderen (östlichen) Richtung aber es war genug zum Segeln. Mit viel textilem Sonnenschutz ging es hinaus auf die Bucht und Richtung Norden; zwischen Treiben und 5 Knoten Fahrt war alles vertreten. Foto5Auch wenn es in der Sonne recht warm ist, so merkt man doch das kalte Wasser. Freuen wir uns auch über kalte Getränke und frische Lebensmittel, so fehlt einfach eine Wärmequelle und daher wollten wir nicht allzulange auf dem Wasser bleiben. Geplant war es eigentlich noch durch den Als Sund zu kommen, aber der Wind flaute immer mehr ab und so ging es in den Hafen von Sønderborg. Auch hier liegen noch nicht viele Schiffe im Wasser und im ganzen Gästebereich gibt es nur eine Hand voll Boote. Wir haben uns erstmal in die Kajüte verzogen, raus aus der Sonne und ran an diesen Blog.IMG_9495Nachdem wir im letzten Jahr soviel Erfolg mit der Darstellung unserer Törns hatten, probieren wir dieses Jahr eine neue Software aus: Nutzten wir im vergangenen Jahr noch die Karten von Navionics, so tracken wir jetzt mit denen von Transas. Der erste Versuch verlief ganz erfolgreich.

volle Distanz: 9.43 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.36 knots
Gesamtzeit: 03:13:39

Die nächsten Tage werden wir uns einfach nach dem Wind richten, weder Ziel noch Route sind geplant. Unser nächster Termin ist der Krantermin von Gunther und Nino am kommenden Mittwoch.

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Ralf Schwarz sagt:

    Hallo Björn,

    ich wünsche dir und deiner Crew eine äußerst gute Saison, möge euch die Sonne und der mäßige Wind stets zur richtigen Zeit am richtigen Ort begegnen.

    Beste Grüße

    Ralf