Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

05
Mai
2014

Endlich im Wasser

Am Samstag, den 26. April, war es endlich soweit: Dank Jan hatten wir wieder ein super Zugfahrzeug, alles war gepackt, der Mast verladen – LOTTE war abfahrbereit! Bei bestem Wetter (und einer sehr bescheidenen Verkehrs- und Straßenlage) ging es dann von Stau zu Stau, von Schlagloch zu Schlagloch. Irgendwie tut es uns immer leid unsere alte Dame so über die Piste zu zerren, vor allem nach dem Winter, wo das Holz trocken und damit „beweglicher“ ist. Trotzdem hatten wir uns eine etwas zügigere Fahrt vorgestellt, knapp 5h sind doch eine lange Zeit.

Gelting begrüßte uns mit dem besten Kranwetter – Flaute, Sonne, 20Grad – und es wurde einer der wenigen Saisonstarts im T-Shirt. Während schnell noch ein anderes Folkeboot gekrant wurde, schnappten wir uns ein paar Helfer und entluden den Mast; dann waren wir auch schon im Wasser – wie schnell und einfach das doch gehen kann. Da wir in den vergangenen Jahren immer ein Problem mit recht starkem Wassereinbruch hatten, verholten wir uns schnell in eine Box um ein Kabel für die Pumpe zu legen… aber es kam kein Wasser! Nach einer halben Stunde hatten wir gerade mal eine Hand hoch Wasser in der Bilge und so machten wir uns beruhigt an den Mast, schlugen laufendes und stehendes Gut an und dann konnten wir ihn auch schon stellen –  wie schnell und einfach auch das doch gehen kann. Robbi mit dem Auto über die Straße, ich mit LOTTE übers Wasser – schon am Kranabend ging es nach Wackerballig und dort fanden wir neben unserem altbewährtem Liegeplatz auch unsere neue Hafenmeisterin Bianca. Von Anfang an machte sie einen super sympathischen Eindruck, hoffentlich kann sie jetzt auch noch gut mit Booten umgehen! Die Saison beginnt (und endet) für uns immer beim Griechen in Gelting. Auch hier hatte sich über den Winter einiges getan: Neuer Name, neue Betreiber aber noch immer sehr leckeres Essen. Der Rückweg nach Wackerballig (und vor allem über den Steg zum Boot) wurde dann sehr schwierig… nach einem guten Essen und der vielen Arbeit in der prallen Sonne schafften wir es gerade noch in die Koje!

Für die kommenden Tage waren dann Restarbeiten geplant: Sonntag wollte Robbi das Deck reinigen während ich Trailer und Zugfahrzeug zurück nach Hamburg brachte, Montag wollten wir etwas Polieren und uns dann mit Mike und Familie treffen, Dienstag hatten wir einen Termin in Gelting und dann sollte es endlich auf See gehen!

Während das perfekte Sommerwetter dafür sorgte, dass wir nicht nur schnell mit dem Boot fertig wurden, sondern auch einen wunderschönen Grillabend mit Katja, Mike und Niklas am Strand von Wackerballig hatten, wurde das mit dem Segeln erst am Donnerstag was… vorher war reine Flaute und wir genossen die Zeit bei Fahrten über Land oder einem Besuch in Flensburg. (Dieser war vor allem wichtig geworden, denn am Sonntag, beim Deckschrubben, hatte irgend jemand unseren Eimer entwendet… unseren schönen, stabilen und gut eingesessenen Eimer…) Bei dieser Gelegenheit trafen wir uns dann auch noch mit Alex. Dieser ist mit seiner alten Varianta oft allein unterwegs und so planten wir im Beachclub einen gemeinsames Ankern im Sommer.

Donnerstag, am 1. Mai, kam dann endlich etwas Wind! Nur mit T-Shirt ging es raus auf die Bucht und dann mit einer schönen Backstagsbrise in die Förde. Was für ein Unterschied zum letzten Jahr, während wir heuer an blühenden Rapsfeldern und einem Meer von Booten vorbei kamen, hatten wir vor einem Jahr morgens noch Eis auf der Brücke und mussten auf unsere Radtour über die Geltinger Birk noch Handschuhe und dicke Mützen mitnehmen. Mit über 6 Knoten ging es vorbei an Langballigau und Holnis, bis dann die Ochseninseln (Okseøer) vor uns auftauchten – trotz ihrer Nähe zu Wackerballig waren wir dort noch nie mit LOTTE und so war das ein gutes erstes Ziel für dieses Jahr.

volle Distanz: 16.9 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.19 knots
Gesamtzeit: 03:38:19

An dem alten (und recht maroden) Schwimmsteg bekamen wir glücklicherweise noch ein kleines Plätzchen, auch wenn uns die Manöver einer nach uns kommenden Bavaria nicht nur fast den Bug gekostet hätten, sondern uns auch noch an einen sehr unschönen Knick zwischen den Stegen trieb… Für uns wieder mal der Beweis: Wer mit seinem Plastikbomber nicht umgehen kann, der sollte erstmal klein anfangen und auf einem richtigen Boot lernen! Trotz der kleinen Aufregung mit dem Plastikbomber machten wir uns einen schönen Abend mit gutem Essen und noch besseren Getränken, bis wir dann totmüde in die Koje fielen.

Am Morgen, es war erst kurz nach 7 Uhr, wurden wir von dem Geräusch schabender Fender wach. Der Wind hatte gedreht und trieb uns jetzt genau auf den Knick zwischen den beiden Pontons – da half nicht viel, wir machten die Leinen los und versuchten den leichten West zu nutzen, um aus der Förde zu Segeln. Aus dem Wind wurde dann aber schnell wieder eine Flaute und zu allem Überfluss begann es auch noch zu regnen. Kalter Regen, kein Frühstück und dann auch noch so früh hoch – nördlich von Langballigau hatten wir keine Lust mehr und warfen Anker in der Skelde Vig. Hier lagen wir geschützt, konnten in Ruhe frühstücken und steckten unsere Köpfe erst wieder aus der Kajüte, als die Sonne zum Vorschein kam.

volle Distanz: 9.27 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.38 knots
Gesamtzeit: 02:18:00

Mit etwas mehr Schlaf und vor allem gut gestärkt kreuzten wir zurück nach Wackerballig; vorbei an blühenden Rapsfeldern und mit dem beeindruckenden Wolkenspiel nach einem Regen konnten wir uns gar nicht richtig auf das Segeln konzentrieren – so schön ist der Norden im Frühjahr.

volle Distanz: 9.66 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.16 knots
Gesamtzeit: 02:31:46

Die Entscheidung bereits am Freitag nach Wackerballig zurück zu kehren erwies sich dann am Samstag als goldrichtig: Aus dem leichten Ost der vergangenen Tage war ein steifer Nordwest geworden und während sich bei 6Bft. immer mehr Schaumkronen auf der Bucht zeigten, trieb dieser arktische Kaltluft aus Skandinavien runter. Von 20°C konnten wir nur träumen, die Tagestemperatur wurde nicht mal zweistellig…

Wir machten uns trotzdem einen schönen Tag an Bord und bekamen abends noch Besuch von Hans-Jürgen, mit dem wir dann eine schöne Zeit in der Marina Lounge hatten. Dort erzählte er uns, dass deren Folkeboot „Svanen“ in diesem Jahr auch wieder nach Wackerballig kommt und LOTTE somit in bester Gesellschaft sein wird!

Kategorien: Törns, Winterarbeit

Ein Kommentar bisher.

  1. Deborah sagt:

    So Beautiful…the land of my memory, golden fields and Wackerballig.