Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

…und zweitens als man denkt – ein Saisonstart im norddeutschen April.

Wie hatten wir uns am letzten Tag der Winterarbeit den Saisonbeginn doch schön vorgestellt: Eine glänzende LOTTE präsentiert sich auf dem blauen Wasser der Ostsee, während wir unser Osterfrühstück im Cockpit genießen. Die sanfte Frühlingsbrise treibt die kleinen Schäfchenwolken über den Schleswig-Holsteiner-Himmel und der Hafen erwacht zu neuem Leben.

Die Ernüchterung kam bereits am Montagmorgen bei der Fahrt zur Arbeit, das Thermometer zeigte 3°C an. Auch den Tag über blieben die Werte einstellig und am Dienstag kam dann der erste Regen. Als Robbi am Mittwoch mit unserem Zugfahrzeug aus Stellingen kam, war das Wetter durch einen schneidenden Wind noch ungemütlicher…

Wir stärkten uns erstmal mit einem ausgiebigen Frühstück und dann ging es los. LOTTE stand schon bereit und so konnten wir sie direkt ankoppeln und aus der Halle ziehen. Draußen wurde sie gesichert und der Mast verladen, dann ging es ab nach Norden. Die Autobahn war erstaunlich frei und so hatten wir außer ein paar Verzögerungen um Schnelsen herum eine gute Fahrt.

Auf der Höhe von Grauhöft erwartete uns meine Mutter, die wegen einer Geburtstagseinladung bereits in den frühen Morgenstunden aufgebrochen war und mal wieder unser Kranen erleben wollte. Als LOTTE im Winter noch in Flensburg lag (und ich noch keinen Führerschein hatte), war sie ja immer mit dabei, aber diese Tage sind schon etwas her…

Als wir in Kolonne dann Gelting-Mole erreicht hatten, fing es richtig an zu regnen und unsere Stimmung war auf dem Tiefpunkt. Trotzdem ging alles rasend schnell, viel schneller als je zuvor. In dem Moment, in dem wir die Spanngurte ab hatten, hing LOTTE schon im Kran, als ich den Mast lösen wollte, waren wir schon auf dem Weg zum Wasser.

Ein paar Tupfer Antifouling auf den Kiel, den Motor einhängen und schon hatten wir Wasser von oben und unten.

Jetzt zeigte sich wieder einmal, wie gut es war das Boot vorher zu wässern: Wir nahmen fast kein Wasser! Also konnten wir uns dem Mast widmen und ihn für das Stellen am kommenden Tag an Land bringen, dann gab es erstmal Kaffee und Kuchen.

Den ganzen Nachmittag über präsentierte sich die Ostsee von ihrer garstigen Seite, der Starkwind trieb einen Schauer nach dem nächsten über die Bucht und es war lausig kalt. Da machte es gar nichts, dass Robbi erstmal unser Zugfahrzeug in Hamburg gegen den Volvo tauschen musste: Draußen hätte eh keiner Arbeiten mögen.

Ich fuhr mit meiner Mutter etwas durch die Gegend, wir buchten Ihr ein Zimmer, holten unsere neuen Wanten aus Volkers Garage und kauften ein – dann kam tatsächlich etwas Sonne hervor. Kurz vor unserem traditionellen Saisonbeginn beim Griechen in Gelting stand Robbi im Dauerstau vor Hamburg und wir besuchten unseren Liegeplatz in der ersten (und letzten) Sonne des Tages. Im Hafen war noch nicht viel los, aber trotzdem waren wir über die Menge an Booten verwundert – sonst kommen wir drei Wochen später und es sind weniger Boote dort.

Da Volker krank war und Robbi noch immer im Stau stand, begann die Saison 2017 für mich mit meiner Mutter. Wir hatten Robbi aber beim Griechen schon angekündigt und so bleib die Küche offen und wir bekommen so lange Ouzo, bis er endlich eintrudelte – müde und hungrig.

Am Donnerstag gab es erstmal ein gemeinsames Frühstück bei Janbecks, dann machten wir uns an die Arbeiten am Mast – immer wieder durch schwere Schauer unterbrochen. Als ich ein Problem mit den neuen Wanten entdeckte, gab es erstmal eine längere Pause, aber Hauke Steckmest machte kurzen Prozess und fertigte einfach zwei neue an. Gegen 14Uhr, meine Mutter war gerade in Richtung Hamburg aufgebrochen, stellten wir dann den Mast und verholten sofort nach Wackerballig. Die Fahrt war kurz aber extrem rau, LOTTE schlingerte bei 6Bft. aus Nordwest wild hin und her.

In Wackerballig angekommen waren wir komplett durchgefroren und es fing auch mal wieder an zu schütten, so dass wir uns über die Einladung von Jenny und Werner zum Kaffee sehr freuten. Jenny war gerade dabei das Wackerpulco für die Saisoneröffnung zu reinigen und da es dort trocken und vor allem schön warm war, boten wir unsere Hilfe an. Den Rest des Tages wechselten wir zwischen Arbeiten am Boot und im Bistro – bis wir uns abends mit Volker trafen und nach Flensburg fuhren.

Karfreitag verlief ähnlich, aber am Ende des Tages hatten wir in den Regenpausen immerhin den Baum aus der Kajüte und den Mast getrimmt. Abends wurden wir dann von Jenny zum Essen eingeladen – aufrecht sitzen und nicht mehr frieren.

Ostersamstag, in den letzten Jahren immer der Hauptarbeitstag an den Osterwochenenden in der Bootshalle, wurde das Wetter noch schlechter. Martin  postete auf Facebook: „Ostern ist 8 – 8°C Wassertemperatur, 8°C Außentemperatur, Windstärke 8“. So verbrachten wir viel Zeit in der Kajüte oder beim Betrachten des Hafenkinos, als bei Böen von 9Bft. drei große Charteryachten einliefen und Kleinholz aus den Leinenfängern und ihren Bordwänden machten. Wegen des Sturms fiel auch das Osterfeuer winzig aus, aber wir waren immerhin an der See!

Ostersonntag machten wir einen Besuch bei Lars und Martin in Maasholm und hatten tatsächlich einen tollen Osterspaziergang um die Maas bei Sonnenschein; erst in Wackerballig fing es wieder an zu schütten. Da freuten wir uns über eine weitere Einladung von Ike und Karin auf Lycka.

Abends wurde es dann fast windstill und auch klarer, an Land sanken die Temperaturen unter den Gefrierpunkt. Ostermontag begann mit herrlicher Sonne und fast hätten wir im Cockpit gefrühstückt, aber dort war noch alles nass und so blieben wir unter Deck. Als wir gegen Mittag Besuch von Frank bekamen, war es kurze Zeit sonnig und windstill, da merkte man die Kraft der Frühlingssonne.

Rechtzeitig vor dem nächsten Regen brachten wir unsere Plünnen an Land und machten LOTTE fertig. Da wir noch keine Segel angeschlagen haben, werden wir bis zum ersten Maiwochenende auf die Persenning verzichten – so kann der Lack in der Sonne (wenn mal welche da ist) gut härten und unsere neuen Fender präsentieren sich vor einer hübscheren Kulisse.

Der Rückweg nach Hamburg verlief trotz Rückreisewelle und Trailer problemlos, gegen 21Uhr waren wir Zuhause.

Das war also der Saisonbeginn 2017 – das erste Mal zu Ostern im Wasser. Sicherlich war es etwas weniger Arbeit als in den letzten Jahren, aber es war mindestens ebenso anstrengend. Vielleicht liegt es aber auch nur am Aprilwetter – wenn Ostern das nächste Mal im März ist, dann testen wir es wieder!

Kategorien: Törns, Winterarbeit