Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Das verlängerte Wochenende mit dem 1. Mai sollte unser Saisonauftakt werden, der Wetterbericht versprach sommerliche Temperaturen und bestes Wetter… irgendwo südlich des Weiswurst-Äquators…

Als wir am Freitag, den 27. April, abends um 22Uhr in Hamburg aufbrachen, hatten wir noch 18°C und freuten uns über den milden Abend. Wackerballig empfing uns dann mit 7°C und so kramten wir ersteinmal die dicken Pullover hervor. Auf dem langen Weg über die Brücke stellten wir dann fest, dass es einen großen Unterschied zum Ende der Saison gibt: Es ist alles trocken! Während man ab Mitte/Ende August jeden Abend das ganze Boot voller Tau hat, konnten wir jetzt in Ruhe unsere Schlafsacke auf das Deck legen und erstmal die Persenninge abnehmen. Unser kleiner Lüfter schaffte dann schnell eine Wohlfühl-Atmospähre und wir schliefen schnell ein.

Am Samstag weckte uns dann der Regen, erst leise und eher nieselnd, dann laut und wie aus Eimern ging er auf das Kajütdach nieder. Wenn es draußen kalt und nass ist, dann bleibt man am besten drinnen… einmal zum Brötchen holen und wieder ab in die Kajüte.

Der dänische Wetterbericht versprach ein Ende des Regens um 12Uhr und um 12:15Uhr war es, als hätte man einen Schalter umgelegt – der Regen hörte auf und aus der Flaute wurde der angekündigte Nord-Ost mit 6 bis 8 Windstärken. Da ans Segeln nicht zu denken war, wir hatten die Segel ja noch nichtmal angeschlagen, verbrachten wir den Tag lesend und genossen den Abend in der Marina Lounge bei einem echten Wiener Schnitzel, leckeren Flens vom Fass und in netter Gesellschafft.

Am Sonntag brachte der Starkwind – es wehte immer noch mit 6 bis 7 Bft. aus Nord bis Nord-Ost – dann aber endlich Sonne und so machten wir uns, immer noch in dicken Pullovern, an das Deck und andere Arbeiten. Unseren Versuch das Rigg richtig zu trimmen mussten wir nach kurzer Zeit aufgeben, dafür war der Wind einfach zu stark… wir nutzen aber die Tatsache, dass man in Gelting auch Sonntags einkaufen kann und so gab es leckeres an Bord (wenn auch wieder in der Kajüte).

Mit dem Montag kam das versprochene Wetter, allerdings wieder mit Schalter: Sonne an, Wind aus :(.

Wieder war an Segeln nicht zu denken, aber immerhin konnten wir endlich den Masttrimm korrigieren und die Segel anschlagen. Jeder, den wir in den letzten Jahren gefragt haben, hat eine eigene Philosophie beim Mastfall und der Wantenspannung, da wir jedes Jahr im Nebel stochern, hatten wir uns aus dem Internet eine Anleitung zusammen gebastelt:

  • Der Mastfall, also jene Distanz, um die das Masttop achterlicher als der Mastfuß ist, sollte ca. 60 cm betragen. Gemessen haben wir das in dem wir das Großfall mit einem Bändsel verlängert und mit einem unserer Trinkwasserkanister beschwert haben. Wenn das Boot genau auf, oder parallel zu, seiner Wasserlinie liegt, das Achterstag komplett lose ist (und auch sonst nichts den Gewichtstrimm stört), kann man mit einem Maßband von der achterlichen Kante des Mastes bis zum verlängerten Großfall  messen – bei uns ca. 50cm.
  • Der Mast sollte jetzt auch beinahe an der achterlichen Kante der Mastdurchführung durchs Deck anliegen. Das haben wir da durch erreicht, dass wir alle Wanten und Stagen gelöst und dann zuerst das Vorstag entsprechend gespannt haben. Die Wanten haben wir dann Backbord und Steuerbord mit der gleichen Drehungszahl durchgesetzt.
  • Am Ende haben wir dann noch kontrolliert, ob der Mast auch senkrecht, bezogen auf die Querachse, im Schiff steht. Mit einem Bandmaß am gesetzten Vorfall haben wir die Distanz zum Backbord- und zum Steuerbordpütting gemessen.Mit angeschlagenen Segeln und (hoffentlich) richtig getrimmtem Rigg fehlte jetzt nur noch der richtige Wind für einen Test, aber dieser ließ auf sich warten. Gegen 17Uhr kan eine schwache Briese auf, aber verbrannt wie wir waren war uns das dann doch zu spät… 

Perfektes Segelwetter herrschte dann am Mai-Feiertag – Sonne, 4Bft. aus Ost und kleine Schäfchenwolken am Schleswig-Holsteiner Himmel… und wir mussten nach Hause:(.

Immerhin können wir jetzt sagen, dass LOTTE endlich wirklich fertig ist das nächste, durch Himmelfahrt verlängerte, Wochenende ist ja nicht mehr fern – jetzt muss nur noch das Wetter passen!

Kategorien: Törns

2 Kommentare bisher.

  1. Deborah sagt:

    Two cups of tea in the sun on the boat, I can't help thinking how Thomas is smiling down on this.  🙂

  2. Johann Meerbach sagt:

    Bringt Spass Eure Website zu lesen und Eure Aktivitäten nachzuvollziehen. Bei mir liegen auch schon die ersten Schläge hinter mir. Hier und da noch Korrekturen an den Einstellungen und den Leinenführungen und alles läuft bestens. Zum Masttrimm: Die Wanten nur so fest anziehen, dass am Wind das Leewant leicht lose ist. Jumpstagen auch erst mal nur handfest anspannen.
    Wünsche eine schöne Saison
    GER 320