Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

31
Mai
2017

Folkeboottreffen 2017

Mike von Klassisch am Wind hatte uns schon vor Monaten eingeladen. Er hatte Werbung auf seiner Website und in unzähligen Gruppen sozialer Netzwerke gemacht und es gab (obwohl er ja ein ganz böser Vercharterer mit kommerziellen Absichten ist) sogar einen Beitrag in den Folke-News: Vom 19. bis 21. Mai 2017 ist Folkeboot Treffen in Arnis.

Im Jahr des 75-jährigen Folkeboot Jubiläums wollten wir uns dieses Event natürlich nicht entgehen lassen, zumal es in den vergangenen Jahren immer eine tolle Feier mit bester Stimmung war. So steuerten Robbi und ich am Freitagmittag unsere alte Dame aus dem Hafen von Wackerballig und alles schien zu stimmen – die Sonne wärmte, die Wetterprognose war gut und ein leichter Wind schob uns ohne Motorhilfe aus dem Hafen. Die ersten 3 Meilen machten wir gute Fahrt, aber als wir knapp südlich vom Leuchtturm Kalkgrund waren, verschwanden Turm und Land aus unserem Blick: Nebel. Innerhalb von Minuten fiel die Sicht auf unter 50m und anstelle der wärmenden Sonne spürten wir auf unseren Gesichtern den kalten Hauch der Nebelschwaden. Schon bald bildeten sich an unseren Nasen sowie an jedem Tau, dem Segel und allen anderen hervorstehenden Bootsteilen kleine Tropfen und um uns herum war bleierne Stille.

Gleichzeitig schlief der Wind ein und so entschieden wir uns, unter Motor die Abkürzung über den Kalkgrund zu nehmen. Schnell erreichten wir die angepeilte Kabeltonne auf der Ostseite und so plötzlich, wie sie aus dem Nebel aufgetaucht war, war sie auch wieder hinter uns verschwunden. Unser Weg bis Schleimünde war dann ein Wechsel zwischen langsamem Segeln im fahlen Licht der sich mühsam durch den Nebel kämpfenden Sonne und Strecken unter Motor durch dichtere Nebelbänke mit absoluter Flaute.

Kurz vor Schleimünde klarte es dann etwas auf und so liefen wir bei immer besser werdendem Wetter in die Schlei. Vorbei an der Lotseninsel und Maasholm steuerten wir den Hafen von Henningsen&Steckmest in Grauhöft an, hier wollten wir uns mit Erik und dem Rest der Besatzung von Pommery zum Grillen treffen. Leider war aber auch in Eckernförde Nebel und kaum Wind, eine schlechte Kombination mit dem schwachen Motor und dem späten Start von Pommery. So wurde es fast 22Uhr, bis der rote Rumpf in der Ferne sichtbar wurde. Erik hatte wieder das Rennfieber gepackt und zusammen mit Havfruen lieferte sich Pommery ein Duell bis zum Hafen.

Trotz aller Unwetterwarnungen blieb es in Grauhöft trocken und so versammelten sich die Crews von Pommery, Havfruen, LOTTE und Lill, die in Grauhöft ihren Heimathafen hat, zum stimmungsvollen „Vorglühen“ für das Treffen am Samstag. Das Grillgut war schon lange in unseren Bäuchen und auch die Biervorräte am Grillplatz gingen zur Neige, als das Wetterleuchten um uns immer stärker wurde – die Gewitterfront erreichte die Schlei. So verholten wir uns kurzerhand auf das Boot mit dem größten Biervorrat und während es draußen blitzte und donnerte, während einige Böen den Regen peitschten, saßen acht vergnügte Folkebootsegler unter der Kuchenbude von Pommery.

Am Samstag hatten wir viel Zeit, denn von Grauhöft bis Arnis ist es nicht weit und der erste Programmpunkt war für 14 Uhr angesetzt: die Regattavorbesprechung. In den vergangenen Jahren hatte die kleine Folkebootregatta immer am Sonntag stattgefunden, mit dem Erfolg, dass viele Wochenendsegler bereits wieder abgereist waren. Daher sollte die Wettfahrt in diesem Jahr bereits am Samstag, vor der großen Party, durchgeführt werden.

Mit der Zeit füllte sich die Kranpier in Arnis und pünktlich zum Briefing waren knapp 15 Boote vor Ort. Um die Wettfahrt nicht durch die Enge von Arnis laufen zu lassen, wurde die Startlinie zwischen die Tonnen des ersten Paares nach der Enge gelegt und so liefen gegen kurz nach 14 Uhr alle Boote bei bestem Wetter aus dem Hafen. Bei westlichen Winden von 4 bis 5 Bft. erreichten wir schnell den Startpunkt und als Startschiff gab LOTTE um 15 Uhr das Signal zum Beginn des Rennens. Hoch am Wind kreuzten die Boote in Richtung Lindaunis und schnell zog sich das Feld auseinander – die meisten Teilnehmer waren eben keine Regattaprofis.

Zu unserem eigenen Erstaunen schlug LOTTE sich sehr gut, obwohl wir doch einige Patzer beim Segeln machten, um für die Photodokumentation eine bessere Position zu erreichen. LOTTE ging im vorderen Drittel des Feldes um die Wendetonne, aber dann zog einer nach dem anderen an uns vorbei… Da halfen weder das Ausbaumen, noch Robbis Verrenkungen auf dem Vordeck – mit unserer Fahrtenausrüstung sind wir einfach zu hecklastig. Wasser, Kraftstoff, der großen Motor, die schweren Anker, der massive Mahagoniausbau und das Gewicht des Skippers sind einfach nicht konkurrenzfähig gegenüber fast leeren Rennschüsseln wie Pommery.

Wenigstens blieben dieses Mal die Spottkommentare der anderen Segler aus – diese Veranstaltung ist wirklich offen für jeden und die Spaßregatta trägt ihren Namen zurecht. Auf dem Folkeboot Treffen geht es wirklich um die Freude an und mit dem Boot und auch wir als Fahrtensegler werden nicht so weggebissen wie bei der Klassenvereinigung.

Noch während die Regattateilnehmer ihre Boote im Hafen vertäuten, kamen weitere Folkeboote hinzu und so wuchs die Zahl auf über 20 vor der Verlosung des Regattapreises. Verlosung ist genau das richtige Wort, denn anstelle einer Verleihung des Preises an den ersten, zweiten oder n-ten Platz wurde er unter allen teilnehmenden Booten verlost. Niklas, der Junior von Klassisch am Wind zog den Namen aus einer stilechten Skippermütze: Lord Jim.
Thomas nahm den Preis entgegen, einen Print aus der Photoausstellung „75 Jahre Folkeboot“ im dänischen Sportbootmuseum in Svendborg. Die beiden Photographen Michael und Udo haben dort in beeindruckender Weise das Leben auf und mit verschiedenen Folkebooten ausgestellt und man bekommt sehr persönliche Eindrücke von dem, für was das Folkeboot mal konzipiert war: ein Segelboot für die ganze Familie.

Danach ging es zum Grillen und während sich viele (vor allem auch ganz kleine) Hände um unser leibliches Wohl kümmerten, war Zeit für Gespräche mit alten und neuen Freunden. Gegen 20 Uhr begannen dann Dara McNamara und Claus Aktoprak, der Sailing Bassman, alle Anwesenden mit Gitarre, Gesang und Kontrabass in ihren Bann zu ziehen – eine Kombi die schon vor drei Jahren beim ersten Treffen ihre Wirkung beim Publikum nicht verfehlt hatte.

Bei uns war es auch wie in den letzten Jahren: Nachdem wir satt und der Lautstärke etwas überdrüssig waren, fanden sich einige Crews auf und um Pommery zusammen. Bier, Wein, Gin und guter Whiskey lockten immer weitere Gäste an. So saßen wir bis tief in die Nacht, bis auch dem letzten fast die Augen zu fielen und alle auf ihre Boote verschwanden.

Was wäre ein Folkeboot Treffen in Arnis ohne das gemeinsame Frühstück von sehr müde wirkenden Seglern? Während die ersten sich schon auf den Rückweg machten, während Mike und Nicolas noch die Bühne abbauten und während die Sonne immer höher stieg, sammelten sich die Crews von Pommery, LOTTE, Tadorna und Red Bull zum Brunch. Die Tradition sieht vor, dass die Reste vom Feste gemeinsam vernichtet werden, und so brutzelten schon Würstchen in der Pfanne, als von allen Booten noch anderes Essbares und vor allem Kaffee gebracht wurden.

Dann ging alles irgendwie ganz schnell und plötzlich waren alle schon wieder auf dem Wasser. Bei bestem Wind ging es mit hunderten anderen Booten die Schlei hinab und der Ostsee zu, erst hinter der Lotseninsel nahmen fast alle unterschiedliche Kurse. Bei brennender Sonne und bestem Segelwind erreichten wir schnell den Leuchtturm von Kalkgrund und dann ging es mit knapp 7 Knoten in die Geltinger Bucht.

Die rasante Fahrt war der krönende Abschluss eines phantastischen Wochenendes, für das ich an dieser Stelle nochmal allen ganz herzlich danken möchte, den Organisatoren Mike, Katja und Nicolas, den Musikern Dara McNamara und Claus Aktoprak, den Preisstiftern Michael und Udo sowie allen Teilnehmern und Helfern – zusammen macht Ihr das Folkeboot Treffen in Arnis zu einem tollen Event für alle Segler und Liebhaber von Folkebooten, wir kommen nächstes Jahr wieder!

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Hans-Georg sagt:

    Total tolle Fotos, wie immer. Aber Nr. 2 gefällt mir am besten.