Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

25
Mrz
2015

Frühling und Frost

Seit 5 Tagen ist Frühling! Vor unserer Halle singen die Vögel, die ersten Knospen zeigen sich an der großen Kastanie und aus den Gärten der Nachbarn treibt der Wind die ersten bösen Pollen herüber – wie gut, dass ich beim lackieren eine Maske tragen darf… Die letzten beiden Wochen waren schön warm und so hat Robbi bei zweistelligen Temperaturen einige Lagen Lack aufgebracht: Jetzt sind wir bereit für den finalen Schliff vor dem Finish.Genau so gut wie an Deck geht es auch am Unterwasserschiff voran: Nachdem wir die feuchten Stellen an der reparierten Naht zwischen Steven und Kiel gut ausgetrocknet hatten, folgte eine Behandlung mit Hempitox und G4. Die offenen Nähte, sowie zwischenzeitlich entstandenen Risse, haben wir dann ganz klassisch mit Bitumenspachtel geschlossen. Dieser bleibt flexibel, ist  wasserbeständig und wirkt oberflächlich (ähnlich wie das Hempitox im Holz) fäulnishemmend. Darüber folgte dann der klassische Aufbau mit einem Chlor-Kautschuk-Primer und dann einem Antifouling. An den Stellen, an denen wir den Lack nur reparieren (und nicht großflächig neu aufbringen) mussten, konnten wir schon mit dem Polieren beginnen: Die Stelle am Baum, in die sich letzte Saison ein „verschlimmbesserter“ Beschlag unseres Segels durch alle Lackschichten bis ins Holz gearbeitet hatte, war die beste Prüfumgebung für die Polierbarkeit des neuen Lacks und unsere neue ROTEX 90. Leider gab es auch einige Rückschritte: Zum einen hatten wir beim abziehen der Scheuerleiste den Lack der obersten Planke beschädigt, zum anderen passen nach der Reparatur des Farblacks die Weißtöne nicht… und das obwohl beides RAL 9010 sein soll. Am letzten Wochenende tauchte dann ein ganz neues – viel schwerwiegenderes – Problem auf: Nach Beizen, schleifen, entfetten – 4 mal mit Epoxi primern, mit Zwischenschliff und allem Trara – nach 10 Lagen Lack, auch mit allem Trara, lößt sich jetzt auf der einen Seite des Bootes an einigen Stellen die komplette Beschichtung vom Holz. Es sind nur ganz kleine Stellen an der Naht zwischen Deck und Kajütaufbau, aber soetwas darf nicht passieren. Wir haben auch noch keine Idee, was der Grund sein kann, da wir immer das ganze Boot bearbeitet haben – ein schlechtes Gebinde, eine Inkompatibilität zwischen Primer und Beize, eine grundlegend falsche Verarbeitung oder ein sonstiges Problem müsste also auch auf der anderen Seite auftauchen… Das Merkwürdige ist auch, dass es ganz plötzlich, nach dem Aufbringen der 10. Schicht auftritt. Uns bleibt jetzt nicht anders über, als das Problem zu beobachten; vor allem stellt sich uns jetzt die Frage, ob es sich evtl. über die Saison verschlimmert – die Wirkung von UV-Strahlung, Sommerhitze und Salzwasser sind nicht zu unterschätzen. Bis jetzt sind es ja nur kleine Stellen mit einer geschlossenen Lackschicht darüber und für eine Reparatur ist keine Zeit mehr – wir wollen endlich ins Wasser!In der Nacht von Samstag auf Sonntag kam dann der Frost zurück: Entlang des ganzen Daches unserer Scheune hingen die Eiszapfen und wir waren froh, dass wir jeden Abend unsere Farben mit nach Hause und in den warmen Keller nehmen.

Als es Sonntag dann sonnig (und damit wenigstens in der Sonne schön warm) wurde, bekamen wir meine Großmutter zu Besuch; seit 20 Jahren begleitet sie nun LOTTE und mich, und noch immer können wir uns über ihre Unterstützung freuen. Als sie letzte Woche anklingen ließ, wie unglücklich sie doch sei den ganzen Fortschritt nur mit Erzählungen und Bildern begleiten zu können, packte meine Mutter sie kurzerhand ins Auto und kam zu Besuch. Neben meiner Großmutter hatte meine Mutter auch Kaffee, Tee und Kuchen im Wagen und so wurde aus dem frisch geschliffenen Cockpittisch schnell eine improvisierte Kaffeetafel – in der herrlichen Frühlingssonne verbrachten wir eine schöne Zeit, bis die beiden nach einem gemeinsamen Spaziergang wieder zurück fuhren und wir die letzten Schleifarbeiten erledigten. Jetzt ist LOTTE bereit am kommenden Samstag entstaubt, entfettet und abgeklebt zu werden, damit wir dann am Sonntag die letzte Lage Lack spritzen können. Über Ostern planen wir dann zu polieren und schon einige Beschläge wieder an zu bauen, damit wir am 25. April endlich wieder ins Wasser können!

Kategorien: Winterarbeit

2 Kommentare bisher.

  1. Ralf Schwarz sagt:

    Moin Björn,
    das Bild mit den 3 Generationen ist sehr schön.
    Toll das deine UrOma das noch so miterleben kann.
    Mein Boot ist schon bereit für den Krantermin und ich hoffe, dass ich am 11. April ins Wasser komme.
    Wünsche euch gutes Gelingen und einen schönen Start in die Saison.

    Gruß
    Ralf

  2. Deborah sagt:

    Another year, another wonderful story.