Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

19
Apr
2021

Frühstart

So früh wie noch nie war alles fertig, dann sprach Frau Merkel von Osterruhe – das gab einen Stich in mein Herz. Nicht nochmal wollten wir ein fertiges Boot in der Halle stehen haben und dann einen Monat lang voller Ungewissheit gegen Trocknungsrisse kämpfen. Wir hatten die Wintersaison auf den Tag genau mit dem 2. Lockdown begonnen und uns den ganzen Winter mit der Aussicht auf eine schöne Saison aufgemuntert, das durfte jetzt nicht sein! Mit Freude hatten wir gelesen, dass wenigstens Schleswig-Holstein Dauercamper und Dauerlieger in Yachthäfen ins Land lässt und dann diese Drohung von ganz oben. Mit Bangen verfolgten wir die Nachrichten, dann die erlösende Nachricht: Kommando zurück, Osterruhe gibt es nicht. Die Saison konnte beginnen!

Am Montag, den 29. März, machten wir uns bei eisiger Kälte auf den Marsch zu StarCar und hofften, dass es dieses Jahr nicht wieder Ärger mit dem Zugfahrzeug geben würde – eine halbe Stunde später saßen wir glücklich in einem Sprinter, wenigstens das hatte geklappt.

Leider wird es immer schwieriger ein passendes Zugfahrzeug zu bekommen, denn echte Geländewagen werden immer seltener und der Umstieg zur e-Mobilität, die höheren Umweltauflagen und nicht zuletzt die geringere Zahl an Geschäftsreisen auf Grund der Corona-Krise machen es für die Vermieter immer weniger lukrativ große Fahrzeuge in der Flotte zu haben.

Auch wenn wir dieses Mal wenigstens die kurze Version des Sprinters bekommen hatten, ist das hohe Dach immer wieder eine Herausforderung – wir müssen dann unsere Maststütze erhöhen.

Trotzdem klappte alles reibungslos und bei schönster Sonne ging es wenig später in Richtung Ostsee.

Unser Krantermin war erst für Dienstag Morgen gebucht, denn wir hatten das Zugfahrzeug nur für einen Tag: Also morgens mit dem Boot an die See, dann mit dem Zugfahrzeug zurück nach Hamburg und am Ende mit unserem Auto wieder hoch – was für eine Fahrerei.

Während Robbi die beiden letzten Fahrten alleine absolvierte, machte ich das Boot und vor allem den Mast für den kommenden Tag fertig, einmal wollten wir auch das Boot Kranen und gleich den Mast setzen.

Abends fiel das Quecksilber wieder unter den Gefrierpunkt und wir waren wirklich froh, dass wir bei Volker ein Bettchen gefunden hatten und nicht an Bord schlafen mussten.

Der Dienstag war sonnig, windstill und schon wieder etwas wärmer – perfekte Bedingungen zum Kranen und auch für die kurze Fahrt nach Wackerballig.

Leider gab es ein kleines Problem mit unserem Flögel und so musste ich, bevor es in unseren Heimathafen ging, erstmal in den Mast – eine gute Gelegenheit für ein paar Bilder von oben.

Wackerballig empfing uns bei bestem Wetter noch fast leer – wir waren das vierte Boot im Hafen und das erste in unserer Boxengasse. Im Winter hatte sich im Hafen viel getan und die Arbeit war immer noch nicht fertig, 2 Tage vor dem offiziellen Saisonbeginn gab es noch keinen Strom und die neue Brücke hatte auch noch kein Geländer – Baustelle eben.

Mittwoch war das Wetter bombastisch: Kein Wind, viel (zuviel) Sonne und Temperaturen von knapp 20 Grad. Während Robbi LOTTEs Deck reinigte konnte ich Werner und Jenny etwas beim Hafenbau helfen.

Thomas hat die tolle Stimmung in einem kleinen Video festgehalten:

Am Gründonnerstag, dem 1. April und damit dem offiziellen Saisonstart, war das schöne Wetter dann wieder weg. Ich wollte morgens nur schnell die Sorgleinen anbringen, danach fühlte ich kaum noch meine Finger – bei Nieselregen und einem eisigen Nordwind konnte man es draußen kaum aushalten.

Über Ostern zeigte sich der April dann von seiner besten Seite: Karfreitag war es sehr wechselhaft, aber immerhin schafften es Ike&Karin am Abend noch gut von der Schlei nach Wackerballig. Samstag war es dann wieder super und so konnten wir abends mit Volker angrillen, Ostersonntag waren wir in Heikendorf bei meinem Vater und Ostermontag kam der Winter zurück.

Auf dem Weg zum Hafen kämpfen wir uns gegen einen kleinen Schneesturm an, mit 8 Bft. trieb uns der Nordwest dicke Flocken entgegen, dann gab es Sonne und später wieder Schnee – dieser Wechsel blieb den ganzen Tag.

Nach dem Frühstück machten wir unsere alte Dame sturmfest und starteten dann mit dem Trailer unseren Rückweg nach Hamburg.

Natürlich waren wir die letzten beiden Wochenenden wieder oben und jetzt hoffen wir auf eine schöne Saison und vor allem die Möglichkeit endlich andere Häfen anlaufen zu dürfen. Vorgestern konnten wir bei bestem Wetter zwar auch einen schönen Schlag segeln – aber wir haben ja Zeit, so früh war LOTTE in den letzten 3 Jahrzehnten noch nie im Wasser.

Kategorien: Törns, Winterarbeit

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