Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

24
Sep
2013

Goldener Alssund

Auch für das vergangene Wochenende – wie schon fast für die gesamte Saison – stimmt die Wetterprognose, und so freuten wir uns auf einen herrlichen Herbsttörn. Die Ankunft bei LOTTE, wie immer am späten Freitag Abend, stimmte uns schon so richtig auf einen perfekten Törn ein, denn es war warm und trocken. Obwohl es beinahe windstill war, lag kein Tau auf Deck oder Persenning und so saßen wir noch einige Zeit mit recht dünnen Pullovern im Cockpit. Draußen war es einfach noch gemütlicher, denn im Boot merkte man die Feuchtigkeit der Nachsaison: Alles war leicht klamm und dort wo evtl. mal Salzwasser drüber gelaufen war (wie an der Schranktür), konnten wir dicke Tropfen sehen. So ließen wir drinnen für eine halbe Stunde den Heizlüfter laufen und machten danach einmal Durchzug – schon war die Luftfeuchtigkeit um über 20% geringer…

Am Samstag weckten uns die Möwen und ein phantastischer Sonnenaufgang. Der Wind kam mit 3 bis 4Bft. aus nordwestlichen Richtungen, und so kam nach dem Frühstück schnell die Frage nach dem "Wohin?" auf. Wir entschlossen uns in den Alssund zu Segeln und dort dann zu Ankern. Wir Ankern zwar sehr gerne, aber zum Ende der Saison wird es doch schon früh dunkel, feucht und kalt… Dann wird ein Folkeboot schon recht eng, und wenn wir um den 3. Oktober noch eine Woche unterwegs sind, sind die Tage eben schon kürzer. So setzten wir Segel und es ging, wie so oft, Kurs Nord.

Da Robbi wegen einer Schleimbeutelentzündung sein Knie schonen sollte (und ich in diesem Jahr evtl. noch einen Einhand-Überführungstörn mit LOTTE vor habe), habe ich die Hafen- und Segelmanöver alleine durchgeführt und Robbi versuchte als "Backup" nicht zu sehr im Wege zu sein.

Letzte Woche hatten wir außerdem festgestellt, dass ich auf den 400GB Segel-Photos seit 2004 kaum zu sehen bin… also schnappte Robbi sich sein iPhone und dokumentierte das ganze Wochenende. Ich musste lediglich versprechen, bei dem Sortieren weniger kritisch zu sein und auch mal einige seiner Bilder zu nutzen – nun, in diesem Artikel sind jetzt alle von Robbi.

Während des Aufklarens nach dem Frühstück waren zwar dunkle Wolken aufgezogen, aber der Norweger versprach 0 mm Regen und Sonne für den Abend – da es dazu auch noch schön warm war, war das kein Grund zu Warten oder gar im Hafen zu bleiben! Soweit war das, zumal bei dem leichten Wind, überhaupt kein Problem. Mit fest gesetzter Pinne und unter Motor läuft LOTTE sehr kursstabil und es bleibt genug Zeit für die Arbeit am Mast. Für mich war es eine gute Übung, denn obwohl ich kein Einhandsegler bin, so denke ich dass jeder sein Boot auch alleine beherrschen muss (und zwar nicht nur im Notfall)! So wie wir ab und an mal ein Boje-über-Bord Manöver fahren, so gilt auch für Segelmanöver: Nur wer sie übt, wird sie im richtigen Moment beherrschen. Und mal Hand aufs Herz: wer, zumal mit einem größeren Boot, legt öfters mal unter Segeln an oder übt das Beiliegen?Die Fahrt aus der Geltinger Bucht, über die Flensburger Außenförde und Richtung Alssund verlief warm, schnell und trocken. Auf dem Wasser hatten wir dann das Gefühl, dass alle Häfen leer sein mussten, es waren Boote ohne Ende zu sehen. Die ganze Förde war voller Masten, und während die weißen Segel denen auf Westkurs eine gute Lage bescherten, kamen von Flensburg her die großen Spinnaker und Blister in den buntesten Farben.

Der Wetterbericht hatte aber nicht nur mit der Prognose bezüglich des Regens recht, sondern auch mit dem Wind – und so kam dieser immer vorlicher und wurde mit jeder Meile schwächer. Während wir die Brücke in Sønderborg noch gut (und ausnahmsweise auch mal 5 Minuten vor der Brückenöffnung) erreichten, mussten wir danach bei sehr schwachem Wind Kreuzen. Da wir ja keine lange Strecke mehr machen wollten (oder gar mussten), ließen wir alle "Motorsegler" schnell an uns vorbei und zusammen mit einem anderen Boot kreuzten wir langsam nach Norden.

Wenn die Boote und die Blätter weniger werden, wenn die feuchten und dunklen Pfähle der ehemaligen Anleger markant aus dem Wasser ragen, dann ist im Herbst die Zeit der Vögel: In großen Scharen flogen Formationen von Gänsen über uns und jeder Platz am Ufer war voller Möwen. Mit lauten Gekreische und atemberaubenden Formationsflügen startet dann "ein ganzer Acker", wenn ein unbedarfter Spaziergänger seinen Hund von der Leine läßt oder ein Angler sich seinen Weg durch das Schilf bahnt.

Nach dem Segelsetzen stellte ich fest, dass ich einen langen aber nicht sehr tiefen Schnitt in meinem Finger hatte. Dieser blutete zwar nicht, aber bei jeden Greifen blieb die Hautfalte irgendwo "hängen" und so gab es ein kleines Tape… Am Abend, stellte Robbi dann fest, dass er (an der anderen Hand, aber auch am Zeigefinger) einen eben solchen Schnitt hatte – wo kamen die her? Die Suche hatte nach dem Aufbau unseres neuen Kochers schnell ein Ende, denn an der Rückseite des Optimus gab es ein kleine Stelle die nicht entgratet war… genau dort, wo wir ihn immer hoch heben.

Unsere Versuche mit dem Optimus stehen erst am Anfang, aber wir können drei Dinge feststellen:

  1. Der Brennwert des Petroleums ist (wie erwartet) um einiges besser als der des Spiritus beim Origo. Man kocht wie auf einem Gasherd, das heißt auch scharfes Anbraten und das schnelle Kochen eines ganzen Kessels Wasser sind kein Problem.
  2. Der Optimus ist um einiges größer als der Origo und so finden wir einfach keinen guten Platz, um diesen zu verstauen… unser Origo steht hochkant im Schrank, das geht aber mit dem Optimus leider nicht…
  3. Wir haben noch nicht die perfekte Methode zum Anzünden gefunden – immerhin sind die Stichflammen aber nicht mehr einen halben Meter, sondern nur noch 20cm hoch.

Wir werden also weiter testen, vom Kochen mit dem Teil sind wir aber mehr als überzeugt.

Das schönste an der Leistung der "Gasflamme" vom Optimus ist, dass wir jetzt auch auf dem Tisch im Cockpit kochen können, wenn wir keine Kuchenbude oder Persenning aufgebaut haben. Vor Anker gab es dann, wie bei uns üblich, eine Art Eintopf – da gibt es einfach weniger zum Abwaschen.

Wärend des Abendessens kam dann auch die Sonne hervor und tauchte die Ostseite des Sunds in einen goldenen Schein. Hier zeigte sich leider einmal wieder die Schattenseite des Alssunds im wahrsten Sinne des Wortes: Wer unter dem Wald an der geschützten Westseite liegt, der bekommt nie den Sonnenuntergang zu sehen… darf sich aber berechtigte Hoffnungen auf den nächsten Morgen machen!

Am Sonntag Morgen bekamen wir dann auch den Goldenen September – von Segel und Baum tropfte der Tau, Deck und Cockpit waren klitschnass; aber in jedem Tropfen reflektierte sich die herrliche Morgensonne und es wurde nicht nur sehr schön, sondern auch schnell warm. Bei dieser Nässe zeigt sich schnell ein echter Vorteil unseres hochglanz-lackierten Cockpits: Einmal mit dem Abzieher drüber und man kann sich sofort hinsetzen. Da wir mehr im Cockpit als unter Deck leben, ist das für uns wirklich wichtig; und ein Blick zu den anderen Booten zeigte uns, dass dort noch niemand draußen saß… Pünktlich nach dem Frühstück trübte es wieder ein, so zogen wir vorsichtshalber die Jacken an und machten uns dann auf den Rückweg. Aber schon kurz hinter dem Stadthafen von Sønderborg, wir setzten gerade wieder Segel, kam die Sonne hervor und wir wollten Dänemark gar nicht so recht verlassen…

…kündigten die dunklen Wolken über Deutschland doch schon von dem, was das Wahlergebnis am Abend bestätigen sollte…

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Jan sagt:

    Moin Ihr Beiden!

    Schöner Bericht. …aber so ganz ohne Schwimmweste? 😉

    LG, Jan