Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Konstante Ostwindlage, (Tages-)Temperaturen über 20°C und Sonne ohne Ende – bei so einer Wettervorhersage denkt man eher an Hochsommer als an das erste Wochenende im Mai. Schon am Mittwoch Mittag hielt uns nichts mehr in Hamburg und wäre ganz Norddeutschland nicht ein einziger Stau gewesen, so hätten wir sicher noch am Abend die Segel setzen können. Nach über 4 Stunden im Auto begann unser verlängertes Wochenende aber zunächst bei einem schönen kalten Bier im Wackerpulco.

Himmelfahrt begann dann aber mit einer bleiernden Flaute und für uns mit dem ersten „richtigen“ Frühstück an Bord. Wir hatten genug Zeit uns schon vor dem Auslaufen tüchtig zu verbrennen, und so half nach dem Ablegen nur noch textiler Sonnenschutz. In der Sonne war es herrlich warm, fast schon zu heiß, im Schatten dagegen merkten wir die Kälte der Ostsee.

Bei Winden aus (süd-)östlichen Richtungen wollten wir nach Nordosten und hatten mehrere Ziele für den ersten Tag: Bei schwachem Wind wollten wir nach Mommark, bei etwas mehr Wind nach Fynshav und sollte alles super laufen nach Lyø. Auf der Höhe von Gammel Pøl nahm der Wind dann etwas zu und so setzten wir Kurs auf unsere Lieblingsinsel. Mit 4-5 Knoten ging es nach Nordosten, doch als wir die Höhe von Skjoldnæs erreicht hatten, flaute der Wind ab und wir mussten den Rest unter Motor laufen.

volle Distanz: 28.2 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.04 knots
Gesamtzeit: 07:41:07

Im Hafen fanden wir ungewöhnlicherweise sofort einen Platz und auch wesentlich größere und später eintrefende Boote mussten nicht ins Päckchen – eine ganz ungewohnte Situation für einen Hafen am Tor der dänischen Südsee. Nach dem Essen, wir waren recht spät eingelaufen, erlebten wir einen der schönsten Sonnenuntergänge unserer gemeinsamen Segelzeit. Es stimmte einfach alles: die See war spiegelglatt, die Sonne verschwand nicht hinter Wolken und der Hafen bot eine grandiose Kulisse. Kaum war aber die Sonne weg, wurde es wieder eisig kalt – wir fühlten uns wie Weltraumfahrer auf einem fremden Planeten: Am Tag kocht einen die Sonne, in der Nacht erfriert man.

Am Freitag Morgen, beim Gang über die Insel zum Købmand, offenbarte sich dem aufmerksamen Beobachter, dass ganz Lyø erst langsam aus dem Winterschlaf erwachste. Zäune wurden neu getüncht, in den Gärten standen Schubkarren mit den Hinterlassenschaften des Winters und hier und da begann die erste Blume zu blühen.

Während viele der Hafenlieger gen Westen, zum Beispiel um Als segeln wollten, zog es uns weiter in das Südfünische Inselmeer. An diesem Tag hatten wir uns einen der letzten weißen Flecken auf meiner Hafenkarte als Ziel erwählt: Fjællebroen. Wir mussten zwar genau gegen den Wind, aber bei den paar Meilen macht das Kreuzen richtig Spaß und unsere neuen Segel konnten sich richtig beweisen.

volle Distanz: 11.59 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.05 knots
Gesamtzeit: 03:08:16

Fjællebroen ist ein wirklich netter (und auch günstiger) kleiner Hafen mit einer hervorragenden Eisdiele. Wir nutzten den Rest des Tages zum Entspannen, Kochen und Faulenzen.

Leider mussten wir ja am Sonntag schon wieder nach Hause, und so suchten wir uns am Samstag einen guten Ausgangspunkt für unsere Rückreise. Da den Sydfynske Øhaved nach südwesten durch Ærø begrenzt wird, bieten sich bei Ostwind sowohl Marstal als auch Søby, für das wir uns entschieden, an.

volle Distanz: 8.8 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.29 knots
Gesamtzeit: 01:54:00

Da man auf Ærø kostenlos Bus fahren kann, machten wir einen Ausflug nach Ærøskøbing. Auch dort, in dem sehr beliebten Hafen, gab es noch viele Freie Plätze und die heimliche Hauptstadt der dänischen Südsee bezauberte uns bei bestem Wetter und ohne Touristen. Mit neuen Eindrücken, vielen Photos und leckerem Essen machten wir uns am späten Nachmittag wieder in Richtung Søby auf (natürlich nicht ohne vorher noch ein kaltes Bier und eine Fischfrikadelle in der berühmten Räucherrei genossen zu haben). Auf der Rückfahrt war der Bus voll mit Flüchtlingen, von denen cirka 80 auf der Insel leben. Später lernten wir auch den Grund für ihre rege Reisetätigkeit: Der Bus ist nicht nur kostenlos, er bietet auch ein gratis WLAN an.

Sonntag nahm der Wind ordentlich zu und so waren wir froh, weder zu weit aus dem Westen (zum Beispiel Genner Bugt), noch aus Marstal zu starten. Von Søby aus hatten wir die meiste Zeit halben Wind und so machten wir zum Teil über 6 Knoten Fahrt.

volle Distanz: 23.05 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.31 knots
Gesamtzeit: 04:35:03

Bei der Geschwindigkeit waren wir schon gegen 15 Uhr in Wackerballig und da ich zur Zeit nicht mehr sonntags nach Wilhelmshaven muss, ließen wir uns viel Zeit mit dem Boot und der Rückfahrt. In Kappeln nahmen wir dann noch einen Anhalter mit: Ole hatte gerade die Lovis verlassen und war sehr erstaunt, dass ich ihn sofort als ein Crewmitglied des Traditionsseglers erkannt hatte – es wurde eine sehr schöne Rückfahrt.

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