Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Im Prinzip ist das Bauen einer Bodenwrange oder auch eines Spants kein Problem – aber wie so oft lauern die Probleme in den Details.

Das größte Problem stellte sich als erstes: Woher bekommen wir auf die Schnelle ein passendes Stück Eiche? Das von Peter aus Brunsholm stammende Stück reichte gerade für die Wrange, aber nun fehlte Eiche für die Spanten. Bei Max Cropp in Harburg wurden wir fündig und glücklicherweise hatte auch Matthias etwas Zeit und so konnten wir die 4mm Eichenstreifen für den Bau der Spanten bei ihm auf seiner großen Säge schneiden.

Die Tage vor Weihnachten und auch zwischen den Jahren verbrachten wir jeden Tag bei LOTTE und so bauten wir erst die beiden neuen Spanten und passten dann die neue Bodenwrange an. Begünstigt wurden die Arbeiten durch die milden Temperaturen, bei knapp 11Grad konnten wir ruhigen Gewissens mit Epoxy arbeiten.

Als erstes haben wir ein Pappmodell des Backbordspants gebaut und dieses auf eine stabile (und vor allem verwindungsfeste) Platte übertragen. Für unser Modell haben wir einfach kleine Pappstücke mit Klebeband an eine Trägerpappe geklebt und so ein genaues Abbild der Plankengänge erhalten.

Mit stabilen Winkeln haben wir dann auf der Platte die Plankensprünge nachgebildet, also genau die Punkte, um die wir jetzt unsere Leisten biegen müssen.

Bevor wir den neuen Spant allerdings mit Epoxy lamelliert haben, gab es einige DryRuns ohne Kleber – ist die Technik gut, sitzen die Handgriffe, geht es schnell genug,…

Während der erste Spant und die Wrange in Ruhe härteten, hatten wir Zeit für andere Arbeiten. Neben dem Schleifen in der Kajüte und dem Lackieren der Schubladen stand vor allem die Arbeit an den Löchern der Bolzen im Vordergrund. Nach unserem Ausbohren hatten wir Löcher mit einem undefinierten Durchmesser von ca. 12mm im Boot, dazu noch viel Rost und unsaubere Abschlüsse.

Wir wollen später die neuen Bolzen (auch wieder 10mm) in 14mm Bohrungen setzen und diese mit einem Infusionsharz vergießen – damit festigen wir zum einen das Holz im Bohrloch, stellen aber auch sicher, dass sich keine Hohlräume für Wasseransammlungen bilden.

Den ersten Spant hatten wir kurz vor Weihnachten fertig, so dass wir am 23.12. noch schnell den zweiten bauen wollten, aber obwohl die beiden Spanten genau gegenüber sitzen, passte die Schablone nicht. Also schnell eine neue gebaut und den Steuerbord-Spant lamelliert – was uns beim Ersten noch 2 Tage gekostet hatte, ging jetzt in einem halben.

Am zweiten Feiertag wurde es dann spannend: Die alten Spanten mussten aus dem Boot gesägt und die neuen angeschäfftet werden – Robbi verzog sich lieber zu seinen Eltern und ließ mich alleine fluchen. Nach ein paar Stunden, vielen Flüchen und einigem an Spänen später, waren die neuen Spanten bereit zum Einbau – wenn nicht noch die Bodenwrange fehlen würde. So legten wir die Spanten beiseite und weiter ging es mit der nächsten Schablone.

Da wir noch die alte Bodenwrange haben, konnten wir uns gut an ihrer groben Form orientieren und sägten diese grob aus einer dünnen HDF-Platte aus. Da diese Schablone sehr viel genauer sein muss als die Schablone für die Spanten, übertrugen wir dieses Mal die Lage der Planken nicht mit Pappe, sondern mit kleinen Plattenstücken, die wir mit doppelseitigem Klebeband an der groben Platte befestigten.

Eine gute Kontrolle für unsere Schablone waren die gut passenden neuen Spanten, da sie ja direkt an die Wrange stoßen (was auch der Grund für ihren Gammel war). Dann konnten wir die erste Form der neuen Bodenwrange an der Bandsäge aussägen. Leider klingt das viel einfacher als es war, denn das Teil war zu groß, so dass wir nicht alle Schnitte mit unserer Bandsäge machen konnten und das hieß: Handarbeit.

Jetzt hatten wir die Form und Größe der neuen Bodenwrange in Richtung Bug – ihre größere Seite. Leider ist diese Wrange so weit am Heck des Bootes, dass die Planken schon auf den 40mm Wrangenbreite stark zusammenlaufen und wir daher alle rechtwinkligen Flanken mit ihren korrekten Winkeln versehen und neu sägen mussten.

Die Tage zwischen den Jahren bestanden also vor allem aus Messen, Sägen, Hobeln, wieder Messen, Schleifen, …

Am Neujahrsmorgen hatten wir dann endlich eine passende neue Bodenwrange in den Händen, an einen Einbau war aber noch lange nicht zu denken. Es fehlte nicht nur der neue Bolzen und auch die abschließende Form der Oberkante, es fehlte auch nach das Loch für den neuen Bolzen – ein 600mm langes 14mm Loch durch massive Eiche mit einem definierten Ein- und Austrittspunkt des Bohrers…

Nach diesem spannenden Jahresauftakt wird es an den kommenden Wochenenden weitergehen – die Saison kommt schnell näher!

Kategorien: Winterarbeit

Ein Kommentar bisher.

  1. Hans-Georg sagt:

    Puh, was für eine Bastelei! Ich hatte ja schon früher mal erwähnt, dass ich euch für eure Geduld bewundere. Und ihr beweist immer wieder euren Einfallsreichtum. Toll!