Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Nach vielen Jahren intensiver Lackarbeiten sind die Oberflächen auf LOTTE in einem ganz guten Zustand, außerdem merkt man die geringere Abnutzung durch die wenigen Segeltage der letzten Saison. So hatten wir vor der Bestandsaufnahme für die anstehenden Winterarbeiten nur recht wenige Punkte: die kaputte Batterie, etwas Elektrik, ein paar Schrammen und die Kajüte von innen.

Am Anfang einer Wintersaison, wenn das Boot leer geräumt und unser Gerüst aufgebaut ist, gehen wir immer gemeinsam alles ab und ergänzen die Liste, die wir schon in der Saison begonnen haben. Die großen Punkte in diesem Jahr heißen Deck und Bolzen.

Unser Teakdeck ist immer noch in einem guten Zustand, aber leider wäscht es bei Lage sehr unterschiedlich aus und so haben sich einige Fugen geöffnet. Neue Fugen sind eigentlich kein Problem, bemerkenswert ist aber, dass es sich um sehr viele kurze Querfugen handelt. Bei dem Versuch, die alte Vergussmasse einer Fuge zu entfernen, stellten wir dann fest, dass die Teakstäbe aus irgendeinem Grund nicht komplett gefräst sind und daher das Holz schon unter der Fugenmasse hervor scheint.

So blieb uns nichts anderes übrig als alle Querfugen neu zu fräsen. Die Stäbe sind alle noch mind. 6mm stark, daher ist das von der Sache kein großes Ding, aber die Fräse am eigenen Deck anzusetzen, erfordert schon einiges an Überwindung…

Wir bauten erstmal eine passende Führungsschiene und dann gab es ein paar Testfräsungen auf der Werkbank, bevor wir den Fräser in unser Deck senkten. Glücklicherweise ging alles glatt und dann waren die wenigen zu ersetzenden Längsfugen ein Selbstläufer. Den Rest des Decks haben wir nur ganz vorsichtig geschliffen – Ziel war nicht eine einheitliche Fläche aller Stäbe, sondern nur die nach knapp 20 Jahren überstehenden Fugen zu nivellieren.

Die Bolzen waren da ein ganz anderes Kaliber. Während wir vor zwei Jahren die großen Kielbolzen in der Werft haben wechseln lassen, gammelten die beiden letzten Bolzen, die Verbindung zwischen Steven und Knie, noch munter vor sich hin. Da bei einem der Bolzen mittlerweile oben die Mutter abgetrottet war, blieb nur eins zu tun: raus und neu.

Die Enden der Bolzen im Steven waren schnell frei gelegt, leider reagierten beide Bolzen (einer 230mm, der andere 780mm) weder auf gutes Zureden noch Gewalt.

Der erste Versuch war die Demontage der Bodenwrange (was den langen Bolzen immerhin um die Hälfte kürzte), leider brachte dieses nichts anderes als die Erkenntnis, dass der Bolzen im Übergang von Wrange zu Kiel tatsächlich durch war – bewegen wollte er sich nicht.

Als weder der Schlagschrauber noch der Vorschlaghammer etwas brachten, musste ein neuer Plan her: ausbohren. Mit einem zur Lochsäge umgearbeiteten Niro-Rohr ging es Millimeterweise entlang der Bolzen und tatsächlich: Nach 2 kompletten Tagen hatten wir beide Bolzen draußen. Der lange hatte bis zum Ende gekämpft, auch als nur noch knappe 2cm im Holz saßen, ließ er sich nicht treiben.

Das Problem liegt an den Materialien und der damals angewandten Bautechnik: Um keine Hohlräume zu erzeugen, in denen sich später Wasser sammeln könnte, hat man früher die Löcher untermaßig gebohrt und die Bolzen dann hinein getrieben – unser 10er Bolzen saß also schon direkt nach dem Einbau bombenfest.

Dazu kommt der Übergang zwischen dem rostenden Eisen und der sauren Eiche, bei so einer Verbindung entstehen aus 1mm Eisen bis zu 10mm Rost.

Während sich immer einer um die Bolzen kümmerte, hatte der andere Zeit für parallele Arbeiten und so ging es an die Lackschäden außen und die Kajüte.

Leider mussten wir nach dem Sieg über die Bolzen feststellen, dass wir nicht nur neue Bolzen, sondern auch eine neue Bodenwrange und zwei neue Spanten brauchen – so füllt sich unsere Liste immer weiter.

Kategorien: Winterarbeit