Sommertörn ’18 – I : Folkeboot Lotte

Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

So wie schon in den vergangenen Jahren, so möchten wir auch 2018 versuchen, während unseres Sommertörns zu bloggen. In den letzten Jahren waren wir hierfür immer auf WLAN Zugänge in den Häfen angewiesen, aber seit wir in der ganzen EU unsere Handys wie Zuhause nutzen können, haben wir auch die Chance dieses wirklich von unterwegs zu erledigen. Mal gucken, wie das so funktioniert – denn Strom und ein Handy-Netz braucht man trotzdem.

Tag 1 – Ab aufs Boot (12/VII)

Nach der Arbeit gibt es für uns in Hamburg kein halten mehr. Mit einem kleinen Abstecher zu Compass, wo wir noch eine Ersatzpatrone für unserer Rettungswesten kaufen, geht es nach Norden und in Richtung unseres Sommertörns. Da die Strecke zwischen Büdelsdorf und Eckernförde immer noch gesperrt ist, fahren wir über Schleswig und dann durch das Herz von Angeln.

Angekommen in Wackerballig verstauen wir nur die wenigen zu kühlenden Vorräte und dann geht es erstmal zu Jenny & Werner ins Wackerpulco. Ein letzter gemeinsamer Abend vor unserem Sommertörn, der mit 4 Wochen (= 30,5 Tage) mein längster Törn seit 2003 wird.

Tag 2 – Planen heißt: Den Zufall durch den Irrtum zu ersetzen (13/VII)

Was für ein Morgen! Die Sonne strahlt, der Himmel ist blau und weiße Schäfchen-Wolken ziehen über unseren Köpfen entlang. Nach einer Stunde Boat-Office beginnt mein Urlaub und der Startet mit Bunkern und dem Einräumen unserer vielen Dinge. Auch wenn wir uns gemeinsam auf eine große Tasche beschränkt haben, so wandern Kuchenbude, Gummiboot, Vorräte, Getränke, Extra-Leinen, viele Seekarten, Nautische Literatur und 2 große Photo-Ausrüstungen auf unsere alte Dame.

Gegen Mittag sind wir fertig und bei einem frischen West, mit leichten nördlichen Anteilen, verlassen wir Wackerballig und steuern auf den Kalkgrund zu. Die ganze Zeit diskutieren wir, ob wir den kleinen oder den großen Belt nutzen wollen – nur ein ist klar: Wir wollen nach Norden! Nachdem wir im vergangenen Sommer nur eine Nacht in den Schären hatten, so wollen wir in diesem Jahr mindestens eine Woche die Inselwelt nördlich von Göteborg erkunden.

Erst planen wir um Als herum in den kleinen Belt zu gehen, dann aber dreht der Wind auf Nord-West und so laufen wir mit teilweise über 7 Knoten Richtung Langeland.

Noch während wir uns fragen auf welcher Seite wir Sjælland passieren, dreht der Wind wieder etwas zurück und so setzen wir Kurs auf Marstal und weiter nach Rudkøbing. Eigentlich würden wir gerne bis Nyborg oder wenigstens Lundeborg segeln, aber kurz hinter Strynø dreht der Wind plötzlich auf und kommt auch wieder etwas nördlicher – in der anstehenden Dämmerung wollen wir aber nicht gegen 6 Bft. ankreuzen und so suchen wir uns ein geschützen Platz im Hafen von Rudkøbing.

volle Distanz: 36.8 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 5.90 knots
Gesamtzeit: 06:30:30

Die Hauptstadt der Insel ist zugleich die einzige Stadt von Langeland. Rudkøbing feierte 1987 das 700jährige Jubiläum der Verleihung seiner Stadtrechte als Marktort. Die Stadt und die Marktrechte sind zwar älter als 700 Jahre, aber im Jahre 1287 wurden nachweisbar ihre Privilegien als Marktort bestätigt.

 

Das von oben verordnete Monopol hat im 13. Jahrhundert wahrscheinlich bei den Streitigkeiten zwischen den Anhängern des Königshauses und dem nordschleswigschen Herzogsgeschlecht auch eine maßgebende Rolle gespielt. 1280 kam es zum offenen Krieg zwischen König Erik Klipping und seinem Halbvetter, Herzog Valdemar IV. von Nordschleswig. Der Herzog wurde schließlich auf Schloss Søborg eingekerkert und erst wieder freigelassen, nachdem er Lehnstreue geschworen hatte. Allzu ernst hat er es mit dem Schwur wohl nicht gemeint, denn am 22. November 1286 wurde der König von maskierten Männern in der Dorfscheuer von Finderup ermordet. Zwar wurden Reichsmarschall Stig und eine Reihe weiterer hochstehender Adliger des Mordes schuldig gesprochen und geächtet, aber der Hauptverdächtige Waldemar saß unter den Richtern. Von der Königswitwe war ihm nämlich das Amt des Reichsverwesers angeboten worden. Als solcher war es natürlich seine „vornehmste““ Aufgabe, die Mörder aufzuspüren. Als Folge des adeligen Kuhhandels, der offenbar hinter den Kulissen ablief, gelang es der Witwe, den minderjährigen Sohn Erik zum König ausrufen zu lassen, und dem Reichsverweser Waldemar, die Privilegien Rudkøbings zu untermauern. Am 29. September 1287 wurden im Rittersaal auf Schloss Tranekær die Stadtrechte Rudkøbings bestätigt.

Geschlossenheit bewiesen die Langeländer gegen die Schweden, die im Krieg 1658/59 dreimal vergeblich versuchten, die Insel einzunehmen. Allerdings bekamen die Inselbewohner die ganze Wut der Angreifer zu spüren, nachdem der vierte Versuch geglückt war. Halb Rudkøkbing wurde dabei zerstört. Der Stadt hatte bereits 40 Jahre zuvor ein Feuer so stark zugesetzt, dass sie durch die neuerlichen Zerstörungen nachhaltig verarmte. So kann sie auch heute nicht mit Schlössern oder anderen prunkvollen Bauwerken aufwarten. Erst mit dem Bau des Hafens im 19. Jahrhundert ging es wieder aufwärts.

Auch wenn es an Pracht und Prunk fehlt, so verfügt Rudkøbing doch über einen sehenswerten Stadtkern mit alten Fachwerk‑ und Kaufmannshäusern. Zu der verträumten Altstadt zählt die alte Apotheke in der Bogade 15 zwischen dem Markt und dem Hafen. Hier findet man Apothekerinventar aus drei Jahrhunderten, das samt und sonders an Ort und Stelle benutzt worden ist. Der Inhalt, der sich früher in den Schubladen befand, ist heute freilich weniger gefragt: Drachenblut, Krebsaugen, gestoßene Mumie oder lebende Blutegel. In dem unter Denkmalschutz stehenden Garten bei der Apotheke wurden jahrhundertelang Heilkräuter gezogen.

Das kulturhistorische Langeland-Museum im Jens Wintersvej 12 widmet sich der Geschichte der Inseln Langeland und Strynø. Die Ausstellung umfasst eine umfangreiche vorgeschichtliche Sammlung, die auch das Ergebnis von Ausgrabungen auf Langeland ist. Was Altertumsfunde betrifft, gilt die­ses Museum als eines der besten in Dänemark. Aus der Zeit nach 1600 sind geschmackvolle Möbelstücke von zahlreichen Herrenhöfen der In­sel zu besichtigen. Aus Wikingergrä­bern stammen prächtige, mit Silber besetzte Waffen und Reitausrüstun­gen.

Mitten im Ort zwischen der Smedegade im Norden und der Brogade im Süden liegt die Kirche von Rudkøbing, die aus einem spätromanischen Langhaus mit gotischer Sakristei und spätgotischem Kreuzarm besteht. Reste einer Mauer aus unbehauenen Findlingen kann man im westlichen Teil des Landhauses sehen, wahrscheinlich die Überreste der ersten Kirche, die vermutlich um 1100 erbaut wurde.

Der Bau der katholischen Kirche, 1925 in einem umgebauten Bürgerhaus eingerichtet, ist auf polnische Fremdarbeiter zurückzuführen, die Anfang des Jahrhunderts nach Langeland kamen, um im Rübenanbau zu arbeiten. Die sehenswerten Fenster der Kapelle sind als Glasmosaik mit Motiven aus der Geschichte Christi gestaltet.

Am Abend gibt es dann nur ein kaltes Abendbrot, bevor wir ziemlich Müde in die Koje fallen.

Tag 3 – Durch den Großen Belt (14/VII)

Am morgen hat der West wieder etwas nach gelassen, und so beginnt der zweite Tag unserer Reise mit bestem Segelwetter. Wir machen noch eine kleine Tour durch Rudkøbing, kaufen ein paar dänische Spezialitäten und dann, nach einem schönen Frühstück, geht es weiter nach Norden. Bis Lundeborg läuft alles soweit ganz gut, dann aber schläft der Wind immer wieder ein, und wir wechseln in den kommenden Stunden munter zwischen segeln und motoren hin und her. Erst mit dem Beginn der Kerteminde Bugt, als wir schon überlegen den schrecklichen Hafen anzulaufen, kommt wieder Wind auf und so geht es für uns immer weiter. Im Romsø Sund müssen wir einen Kreuzschlag machen, da hier der Wind der Küste von Fyn folgt, nördlich von Horse Klint haben wir dann aber wieder einen schönen West. Auf dem offenen Stück zwischen Fyn und Samsø erwischt uns zwar auch eine ziemliche Welle, aber wir machen gut Fahrt und so erreichen wir kurz vor 23 Uhr den absolut überfüllten Hafen von Ballen.

volle Distanz: 55.97 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.89 knots
Gesamtzeit: 12:03:28

Gleich in der Hafeneinfahrt liegen riesige Motoryachten von über 20 m Länge und weiter drinnen quetschen sich die Segler und kleinere Motorboote in riesigen Päckchen. Ganz am Südost-Ende des Hafens gehen wir als Vierte neben einen Dänen, tuchen auf, „genießen“ eine Instant-Suppe und fallen schob fast todmüde ins Bett, müssen aber vorher noch Hafengeld bezahlen – 190 Kronen all In.

Ballen liegt auf dem „Iogischen Weg“ zwischen den Belten und dem nördlichen Kattegat. Also sieht es in diesem Hafen in der Hochsaison so aus, wie üblich an solchen Streckenposten: überfüllt.

Der Ort selbst ist ein typisch dänisches Dörfchen, das die Segler als willkommene Einnahmequelle entdeckt hat. Es gilt trotz des Urlaubsortcharakters als relativ ruhiges Pflaster. Weil die Bedeutung des Frachtgut‑ und Fischereihafens immer mehr zurückgegangen ist, sind Lärmbelästigungen im äußeren Hafenbecken eine Seltenheit. Nur die bis auf den Hafenkai hinauffahrenden Autos stören gelegentlich.

Einmal links rum im Karree und nach zehn Minuten weiß man, wo die „strategisch“ wichtigen Häuser (wie zum Beispiel das Lebensmittelgeschäft) stehen und kann dann erst einmal im Antiquitäten‑ und Kolonialwarenladen am Hafen herumstöbern. Das Restaurant mit Blick auf den Hafen ist einem inzwischen sicherlich ebenso aufgefallen wie die gutbürgerliche Gaststätte mitten im Ort (beides zu empfehlen). Daß historische Sehenswürdigkeiten Mangelware sind, erklärt sich aus der noch jungen Geschichte des kleinen Ortes. Bis Anfang des 19. Jahrhunderts war Ballen nichts weiter als ein Verladeplatz des Dorfes Brundby.

Den annehmbaren Badestrand zu beiden Seiten des Hafens wird man ebenfalls schnell erkundet haben. Also empfiehlt es sich, schon bald die „Samsø Cykeludlejning ApS“ neben dem Sanitärgebäude anzusteuern, wenn man auf einem gemieteten Fahrrad etwas mehr vom Süden Samsøs sehen will.

Als erste Rundtour (im Uhrzeigersinn) könnten zunächst die Orte Brundby, Tranebjerg und Besser auf dem Programm stehen. Sehenswürdigkeit Nummer eins wäre dann zwischen Brundby und Tranebjerg die Kolhøj Mølle, eine strohgedeckte Bockmühle, die zwar 1650 auf der Insel Endelave errichtet, aber um 1700 dort abgebaut und nach Samsø verfrachtet wurde. Für ein paar Jahrhunderte des Mittelalters war Brundby das bedeutendste Dorf der Südinsel, dessen von weitem zu sehende Mühle zugleich als wichtige Landmarke der Schifffahrt fungierte.

In der Inselhauptstadt Tranebjerg geben die Ausstellungen im Samsø Museumshof eine Vorstellung davon, wie die Bauern, Handwerker und Fischer der Insel einst lebten. Außerdem sind im Museumsvej eine Reihe von beeindruckenden archäologischen Fundstücken zu sehen, die beweisen, daß die Insel schon früh besiedelt war. Unter diesen Stücken ist eines der ältesten Zeugnisse menschlicher Existenz im Königreich Dänemark: eine 1922 bei Tranebjerg entdeckte Axt aus Rentiergeweih. Sie ist etwa 12.000 Jahre alt! Ähnlich sensationell war der Fund einer 8.000 Jahre alten Harpunenspitze im Moor bei Tranebjerg. Die Vorliebe der prähistorischen Menschen für die Gegend um Tranebjerg wird damit erklärt, daß hier große Sumpfgebiete beste Voraussetzungen für den Fischfang boten. Schon beinahe ein alltäglicher Fund sind die geschliffenen Flintäxte der Steinzeitmenschen. Daß auch in der Bronzezeit Menschen auf der Insel wohnten, belegen die Hünengräber auf der Südinsel, zum Beispiel bei Alstrup und Ørby.

Von den 5000 Einwohnern der Insel Samsø wohnen 1000 in der Inselhauptstadt Tranebjerg. Der Ort hat seine Entwicklung zum Handels- und Verwaltungsmittelpunkt seiner zentralen Lage zu verdanken. Schon im frühen Mittelalter, als Tranebjerg noch ein kleiner Flecken mit wenigen Höfen war, zeichnete sich die kommende Bedeutung für den Inselmittelpunkt ab. An diesem strategisch günstigen Platz scharte sich die Bevölkerung zusammen, verschanzte sich in der festungsartigen Kirche, wenn Gefahr drohte. Der Weg nach Tranebjerg war von den Küstensiedlungen des südlichen Samsø etwa gleich lang und daher der beste Treffpunkt, um schnell die größtmögliche Zahl von Verteidigern zu versammeln.

Der imponierende Kirchturm stammt aus der Zeit um 1350. Aus seinen Schießscharten und Öffnungen wurde einst heißes Pech auf Angreifer gegossen. In der unter Denkmalschutz stehenden Kirchenscheune standen die Schweine und Kühe – Lebensmittelversorgung für eine längere Belagerung. Der „Schweinerost“ beim Kirchenportal verhinderte, daß sich die Tiere entfernten.

Von der Königsburg „Alt Brattingsborg“, schräg gegenüber der Kirche, sind nur noch ein paar kümmerliche Mauerreste und ein kleiner Hügel geblieben. Dabei soll die Burg eine Festung gewesen sein, die der Burg von Kalø (siehe Nappedam) in der Größe kaum nachstand. Kaum vorstellbar ist die Überlieferung, daß sich dort, wo jetzt die Schule steht, ein Schiffsanlegeplatz befand. Demzufolge muß ein schmaler Meeresarm bis nach Tranebjerg geführt haben. Auf Alt Brattingsborg residierte um 1215 die Königin Bengerd. Ihr Mann, König Waldemar der Sieger, hatte ihr Samsø als Hochzeitsgeschenk vermacht. 1288 wurde die Festung durch Stig Andersen und seine Männer erstürmt und anschließend dem Erdboden gleichgemacht. Der wegen seines Königsmordes geächtete Stig Andersen (siehe Øer) machte Samsø und Hjelm zu Stützpunkten seiner gefürchteten Raubzüge. In der Folgezeit war die Insel Samsø aufgrund ihrer strategisch wichtigen Lage über viele Jahrhunderte Spielball von Machtinteressen.

Von der Aussichtsplattform auf dem Møllebakken (Mühlenberg) sollte man, bevor die Fahrradtour nach Besser fortgesetzt wird, den Ausblick genießen. Er befindet sich im Møllebakkevej rund 250 Meter südlich des Museums. Der Weg nach Besser führt sowohl über die kleine Ortschaft Torup als auch über Langemark.

An den von den Bauern zur Selbstbedienung an die Straßen gestellten Obst- und Gemüseständen kann man sich mit frischem Proviant eindecken. Das Geld dafür wird in eine offen ausliegende Kasse gelegt.

Der ausgeprägte landwirtschaftliche Charakter der Insel fällt auf. Sie wird auch als Gemüsegarten Dänemarks bezeichnet. Spargel, Zwiebeln, Gurken, Rote Beete, Mohrrüben und Erdbeeren werden in größeren Mengen angebaut und ins übrige Königreich geliefert. Exportschlager ist die Samsø‑Kartoffel, 1910 von einem Gärtner in Tranebjerg gezüchtet. Die Besonderheit dieser gelblichen Knolle ist, daß sie einen Monat vor den gängigen Frühkartoffeln geerntet werden kann und so den Inselbauern einen entscheidenden Zeitvorsprung sichert. Daher trägt die delikate Beilage den Beinamen „Gold der Insel“.

Zwischen Langemark und Besser liegt die Besser-Kirche an der schmalen Landstraße. Sie präsentiert sich mit ihren weißgekalkten Ziegelsteinen und ihrem roten Dach im typischen Aussehen der Samsø-Kirchen. Der älteste Teil der Kirche, das Kirchenschiff, stammt aus dem 13. Jahrhundert. Schmuckstücke sind das Altarbild (1589) und die Kanzel (1602). Die Besonderheit des Friedhofes sind eine größere Anzahl alter, verwitterter Grabsteine.

Nach vier Kilometern Fahrradstrecke (von Tranebjerg) gelangt man zum Ortseingang von Besser, wo der alte Pfarrhof des Ortes aus dem Jahr 1750 steht. Hier wurden Anfang des 19. Jahrhunderts Samsøs Schulmeister weitergebildet. Hinter dem Hof geht’s links in die Skolegade, die nach dem alten Schulgebäude (1728) benannt wurde, das in der Rechtskurve auf der linken Seite zu finden ist. Wieder auf der Hauptstraße führen bei der Antikvitetsgade der schmale Kærvej und ein Feldweg zum Aussichtsturm von Besser. Hier, wo man eine schöne Aussicht über den Stavns Fjord genießt (siehe Langør), stand einst eine Mühle, die 1913 bei Arbeiten zu einem Stummfilm abbrannte.

In nordöstlicher Richtung kommt man über Sildeballe zum sieben Kilometer langen und nur wenige Meter breiten Besser‑Riff, das schützend den Stavns Fjord umgibt. Nur der Oberarm des Riffs ist zugänglich. Der übrige Teil ist Vogelschutzgebiet. In Stenskov (Steinwald) am Riff kann vormittags die Weberei von Molly Olsen besucht werden.

Auf dem Rückweg sollte ab Langemark unbedingt der landschaftlich reizvolle Weg Richtung Holmsborg eingeschlagen werden, der ab Holmsborg am Ufer des Samsø Beltes zurück nach Ballen führt.

Einen Kilometer südlich von Ørby erhebt sich hinter einer prachtvollen Allee das 1870 erbaute Schlößchen, das einst dem Grafen Griffenfeld gehörte. Der trick‑ und einflußreiche Reichskanzler kam nicht mehr dazu, den Herrensitz zum Schloß umzubauen, weil er beim König in Ungnade fiel und den Rest seiner Tage in einem norwegischen Gefängnis verbrachte. 1677 übertrug der König das Gut als erbliches Lehen an die Familie Danneskjold-Samsøe, in deren Eigentum es sich noch heute befindet. Ein 15 Kilometer langer Zaun, der quer über die Südinsel verläuft, markiert die 1500 Hektar Land, die zum Gut gehören. Doch damit nicht genug: Die Nordbyer Heide nördlich von Langør und die meisten Inseln im Stavns Fjord zählen außerdem noch zum Adelsbesitz.

Vom Parkplatz in der Nähe des Schlosses aus erreicht man in wenigen Minuten den Schloßpark, der allerdings nur dienstags und freitags für’s gemeine Volk offensteht. Die Mauerreste am Rande des Parks stammen von einem Wehrhaus, in dem die Frauen während kriegerischer Auseinandersetzungen auf der Vesburg (siehe unten) untergebracht waren.

Den Diensten von Sophie Amalia Moth (Stichwort: The same procedure as … ) hat die Adelsfamilie den großen Landbesitz zu verdanken. Sie war vor rund 300 Jahren Maitresse des Königs und erfüllte ihre Aufgaben wohl derart mit Hingabe, daß Christian V. ihr Samsø als „Morgengabe“ schenkte. Angesichts der zentralen strategischen Rolle, die Samsø im Königreich über Jahrhunderte zukam, war das Geschenk ein vielbeachtetes. Die Freigiebigkeit des Königs scheint sich offenbar nicht auf die eingezäunten Nachfahren von Sophie übertragen zu haben, was man ihnen nicht verdenken kann. Das Schloß ist jedenfalls nicht der Öffentlichkeit zugänglich.

Ersatzweise kann man aber auch mit dem schönen Wald des Schlosses, südlich von Park und Schloß, vorlieb nehmen. Dort, wo der Weg in den Wald mündet, liegt Ørnslund (Adlerhain), ein idyllisch gelegenes Forsthaus. Der Brattingsborg‑Skov ist ein Bilderbuch‑Wald mit riesigen Buchen und „Ur‑Wald‑Atmosphäre“. Mehrere Wege führen an Waldseen und kleinen Wasserläufen vorbei durch den Wald zum Strand. Ein sehenswertes Ganggrab liegt am Ostrand des Waldes von Brattingsborg – und zwar das größte der lnsel.

Ein Pfad führt zwar am Ufer entlang zum Vesborg-Leuchtfeuer westlich des Waldes, aber mit dem Fahrrad ist die am Schloß entlanglaufende Strecke zu empfehlen. Wo heute der Leuchtturm steht, erhob sich zu Wikingerzeiten noch eine von Sumpf umgebene Burg über die man fast nichts weiß außer, daß sie schwer einnehmbar gewesen sein muß. Einem ist es dann schließlich wohl doch gelungen, denn lediglich Teile eines Pferdegeschirrs aus der Wikingerzeit und einen Armbrustpfeil hat man gefunden.

Tag 4 – Ab aufs Kattegat (15/VII)

Unser Wecker klingelt bereits um 6:30 Uhr, denn einige unser Nachbarn wollen um 7 Uhr auslaufen. Da sich bei unserem direkten Nachbarn noch nichts tut, „verduschen“ wir erstmal einen Teil des exorbitanten Hafengeldes, bevor wir uns dann an einen frei werdenden Platz verholen. Nach einem Besuch beim Bäcker und beim Landhandel (die Fischräucherei hat leider noch geschlossen) genießen wir ein Frühstück im Schatten und stellen uns für den Tag auf sengende Sonne ein.

Unter Segeln rauschen wir aus dem Hafen, doch schon auf dem kurzen Stück östlich von Samsø schläft der Wind immer wieder ein und so quälen wir uns bis Vejrø. Hier sehen wir auch die ersten Seehunde und Kegelrobben unseres Törns, alle paar Minuten kommt plötzlich ein Kopf aus dem Wasser und scheint uns mit einer Mischung aus Neugier und Belustigung anzugucken.

Auf dem Stück bis Hjelm spielen wir immer mal wieder Motorboot, bis wir endlich wieder mit gutem Wind Grenå anhalten können.

volle Distanz: 37.6 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.88 knots
Gesamtzeit: 08:13:00

Den Hafen erreichen wir gerade noch so, das wir Lotte einfach nur festbinden und dann wieder das gleiche schöne Buffet genießen können.

Nach zwei Stunden schlemmen ist es zwar nicht gerade einfach die Segel aufzutuchen und das Boot aufzuräumen, aber diese Arbeit muss eben getan werden.

Tag 5 – Und wieder geht’s nach Anholt (16/VII)

Da wir möglichst schnell die Schären erreichen wollen, gibt es eigentlich nur 2 Möglichkeiten: Entweder segeln wir in Dänemark weiter gen Norden und queren bei Skagen das Skagerrak, was uns fast schon nach Norwegen führen würde, oder wir queren von hier aus das Kattegat und machen Stop auf Anholt.

Wir haben zwar perfektes Wetter, aber der frische Wind kommt nach wie vor aus Nord-West und damit würde die dänische Route sehr viel schwieriger. Wir lassen uns daher etwas Zeit, bunkern in Dänemark noch einmal Benzin und setzen dann den direkten Kurs auf Anholt. Dieser führt uns direkt durch den großen Anholt Offshore Windpark, dessen 111 Windräder 4 Prozent des dänischen Stroms liefern. Es ist schon faszinierend, zwischen den riesigen Anlagen zu segeln und obwohl noch viel Platz nach oben ist, so fürchtet man bei jeder Drehung um seine Mastspitze.

Anholt ist überfüllt wie immer, der blonde Hafenmeister auf seinem Motorboot weisst uns aber schnell einen Platz neben einem anderen Folkeboot am Ende des Hafens zu.

volle Distanz: 27.76 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.54 knots
Gesamtzeit: 06:29:24

Kaum liegen wir an diesem längsseits, so tauchen auch schon 2 super symphatische Kerle auf und schon bald sitzen wir beim gemeinsamen Bier.

Während der folgenden Gespräche stellen wir fest, das es sich bei dem Boot um die Maj von unserem Freund Mike handelt, so weit im Norden hätten wir seine Chartergäste nicht erwartet. Wir kochen zusammen, genießen den Abend und tauschen noch schnell die Position der Boote, denn die beiden wollen mit dem Sonnenaufgang (4:50 Uhr) den Hafen verlassen.

Tag 6 – LOTTE das Motorboot (17/VII)

Wir nehmen uns in diesem Jahr keine Zeit für die schöne Insel und auch Robbi bekommt leider keinen Jomfru-Hummer. Nachdem er ein Bad an dem herrlichen Sandstrand südlich des Hafens genossen hat, kochen wir einen Tee und verlassen ohne weiteres Frühstück den Hafen. Der Wind kommt, ganz wie angekündigt, aus West und dreht auch im Laufe des Tages über Süd nach Süd-Ost, wird aber leider immer schwächer. So starten wir schon wenige Meilen nördlich von Anholt unseren Motor und Oskar bringt uns dann unserem Ziel entgegen.

Es ist ziemlich diesig, die Sicht liegt bei knapp 5 Meilen, und so sind wir bald die einzigen auf dem weiten Wasser. Die letzten Segler verschwinden im Dunst und bis zu den großen Pötten auf der Route Tango sind es noch viele Stunden…

Wir kontrollieren alle 25 Minuten die Lage, ansonsten sind wir aber unter Deck – trotz des Dunstes brennt die Sonne ganz schön. Bei einem unserer Checks sehen wir dann einen merkwürdigen Rücken: ganz glatt, schwarz, ohne Rückenflosse und ca. 4 m lang – was mag das sein? Unsere altbekannten Schweinswale, so wie die hier vorkommenden Delphine scheiden aufgrund der fehlenden Rückenflosse aus und für einen Buckelwahl ist uns das Tier zu klein, wir haben keine Idee. Noch zwei mal sehen wir den Rücken in der Ferne, dann umgibt uns wieder das Nichts.

Um 15:07 Uhr passiere wir die Dänisch-Schwedische-Grenze und wechseln erstmal die Gastland-Flagge. Bis zu unserem Ziel vor Göteborg sind es noch 18 Meilen und diese ziehen sich wie der ganze Tag vorher.

Als wir endlich die ersten Inseln ausmachen können, kommt Wind. Ein kräftiger Süd-Ost bringt uns immer weiter zu den Schären und fast übersehen wir die schwarze Wand, die sich hinter uns bildet. Mit dem ersten Donner bergen wir die Segel und unter Motor geht es die letzten 2 Meilen bis zum Hafen von Donsö – pünktlich mit dem Einsetzen des Regens liegen wir endlich fest.