Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Leider hat sich das mit den WLANs auf dieser Tour als etwas schwieriger herausgestellt – sie waren entweder sehr schlecht, oder einfach nicht vorhanden. Daher kommen die weiteren Berichte eben im Nachklapp.

Tag 11 – Die Flotte bleibt hängen (22/VII)

In der Nacht pfeift der stramme West über Söholmen, aber wir liegen hinter der hohen Schäre gut geschützt. So können wir in der herrlichen Sonne in Ruhe frühstücken, bevor wir uns mit Nicolas kurzschließen und den Tagestörn planen. Da es auch für diesen Tag auf dem Skagerrak weiterhin Starkwind angekündigt ist, entscheiden wir uns für das innere Fahrwasser.

Während Nicolas und seine Flotte erst noch um Marstrand, Koön und Instön südlich herum müssen, verlassen wir unsere kleine Bucht und laufen Richtung Hakefjord. Auf dem Älgöfjord, den ersten paar Meilen unserer Route, bekommen wir voll einen auf die Mütze und es steigen so manche Wellen ins Cockpit. Hier hätten wir auch fast Maren getroffen, die mit Ihrer Polar nur wenige Meilen vor uns segelt.

Auf dem Hakefjord haben wir meist achterliche Winde und so laufen wir, nur unter Fock, immer über 5 Knoten. Unser Ziel ist der Stigfjorden, zwischen Orust und Tjörn, denn wir wollen auf keinen Fall Richtung Uddevalla – dort gibt es nur sehr hässliche Häfen und fast keine Naturhäfen. Als wir die Brücke bei Almön passieren, entscheiden wir uns für einen Zwischenstopp in Almösund: Wir müssen bunkern.

Als wir schon fast wieder los wollen, sehen wir weit draußen Teile von Nicolas Flotte, und diese hat ziemliche Schwierigkeiten mit dem Westkurs. Da der Wind nach wie vor kräftig bläst entscheiden wir uns alle für eine Nacht in Almösund und so liegt eine hübsche Flotte aus Holz-Folkebooten in der Pole-Position am ersten Steg.

volle Distanz: 12.34 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.60 knots
Gesamtzeit: 04:51:16

In dem kleinen Hafen gibt es nicht viel, aber die Einkaufsmöglichkeit ist perfekt; nur wenige Meter vom Hafen entfernt ist ein großer ICA und so kaufen wir ein und da es noch recht früh ist, gibt es einen schönen Nudelauflauf, der lange im Omnia backen kann.

Abends klinken wir uns dann bei Nicolas in die Törnplanung ein, am nächsten Tag, wenn der Wind etwas nachgelassen hat, soll es wieder nach draußen gehen.

Tag 12 – Durchs Nadelöhr (23/VII)

Wir erwachen durch das geschäftige Treiben auf den anderen Booten: Nicolas Flotte legt bereits um 8 Uhr ab. Wir lassen uns aber nicht stressen, genießen unser Frühstück und machen uns dann an die Verfolgung. Obwohl die äußeren Schären durch ihre Wildheit einen besondern Charme haben, ist die Passage nördlich von Tjörn wirklich schön. Bereits nach wenigen Meilen kommen wir an eine Engstelle mit hohen Felswänden und es erfordert schon ein gutes Maß Vertrauen einfach auf einen Felsen zu zu segeln, um dann in letzter Sekunde zu wenden. Auf den Stigfjorden bläst uns noch immer ein ziemlicher Wind entgegen und wir sind froh, das wir diesen Weg nicht gestern gewählt haben. Die potentiellen Liegeplätze auf Hälsön und Kälkerön hätten wahrscheinlich nicht genug Schutz geboten.

Zwischen Lyr und Smögholmarna wird es dann richtig eng! In der schmalen Rinne, die nur wenig beiter als Lotte lang ist, bergen wir lieber das Segel und fahren unter Motor. Dann geht es über den Kråkefjord und bei Mollösund wieder auf die „Autobahn“. Es ist unbeschreiblich, was für ein Verkehr hier in der Hauptsaison herrscht: Motor- und Segelboote jeder Größe, Paddler und Jet-Skis kommen von allen Seiten auf einen zu, aber es geht immer gut!

Wir segeln weiter nach Norden, vorbei an Bråtö, Orust, Stora und Lilla Härmanö und dem hübschen Gullholmen. Dann verlassen wir das Fahrwasser und segeln nach Nordwesten, unser Ziel ist Vasholmarna, wo wir zwischen der kleinen und der großen Insel in einem Sund an die Schäre gehen. Während wir uns zwischen zwei schwedischen Booten vertäuen, legt Nicolas mit seiner Flotte nur 50m entfernt in einem großen Päckchen an.

volle Distanz: 22.11 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.44 knots
Gesamtzeit: 05:48:38

Ein Besuch bei ihm gestaltet sich aber mehr als schwierig, den die Insel durchzieht eine tiefe Kluft, und um diese zu umgehen, müssen wir recht weit laufen. Es wird ein schöner Abend, aber dann heisst es Abschied nehmen – während wir noch weiter nach Norden wollen, macht sich die Flotte auf den Heimweg.

Tag 13 – Hållö, ein unvergessliches Erlebnis (24/VII)

Über Nacht sind dunkle Wolken aufgezogen und der Morgen empfängt uns eher grau. Zwar hat der Wind weiter nach gelassen, aber da die Sicht nicht besonders gut ist, folgen wir nach dem Frühstück nicht dem äußeren Fahrwasser, sondern machen einen Abstecher nach Lysekil. Hier wollen wir nicht nur einkaufen, sondern auch Wasser, Benzin und etwas Strom beziehen – zwei Nächste in Folge an einer Schäre erfordern doch etwas Planung. Außerdem besitzt die Stadt, die von weitem durch ihre riesige Kirche sichtbar ist, einen Bootsausrüster und dort müssen wir einen neuen Schärenanker kaufen; beim Ablegemanöver war Robbi leider etwas unvorsichtig und so konnte man den alten ganz langsam in der Tiefe verschwinden sehen. (In Schweden sind die Teile auch recht günstig, kosten Sie bei uns zwischen 10 und 20 Euro, so zahlt man hier nur ca. 4.)

Obwohl die Wetterprognose bereits für den Mittag Sonne vorhergesagt hatte, ist es immer noch sehr diesig und so führt uns unser Weg aus Lysekil in das Grau der Schären. Unser Ziel ist Hållö, eine Empfehlung von Nicolas. Der ehemalige Lotsenhafen liegt knapp südlich von Smögen und ist ein beliebtes Ausflugsziel.

Auf unserem Kurs nach Westen haben wir ganz schön mit der Dünung des Skagerak zu kämpfen – die See ist hier schon etwas ganz anderes als auf der Flensburger Förde. Wir kämpfen uns zwischen einigen Untiefen, von denen uns die Seehunde interessiert zu zu gucken scheinen hindurch, und nach einigen Mühen liegt der geschützte Naturhafen vor uns. Das besondere an diesem Ort: Man kann mit dem Boot zwischen die Inseln Hållo und Hamnholmen fahren, das Boot längs am Fels verteuen und liegt dann perfekt geschützt. Leider wissen das sehr viele Leute und so ist der gesamte Bereich bereits mit Motorbooten gefüllt, die wie Spinnen in ihrem Netz zwischen kreuz und quer gespannten Leinen liegen. Wenn sie nicht die ganze Einfahrt mit ihren Festmachern dicht gemacht hätten, so könnten wir mit Lotte locker noch einen schönen Platz finden, aber jetzt bleibt uns nur ein halb legaler Platz neben dem Anleger des Seenotkreuzers.

volle Distanz: 14.19 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.81 knots
Gesamtzeit: 04:30:12

Noch immer ist es bewölkt, aber trotzdem brechen wir zu einer Inseltour auf und pünktlich dazu kommt die Sonne hervor. Hållö bietet einfach alles: Eine phantastische Natur, interessante Felsformationen, einen Leuchtturm, eine Jugendherberge eine kleine Kirche und jede Menge geschützte Plätze zum Anlegen, Ankern und Baden.

Als wir wieder zu LOTTE zurück kommen, liegt sie zwar schon fast im Schatten, aber ihr Heck dümpelt im azurblauen Wasser und lädt uns zum Baden ein. Lange bleiben wir im Skagerrak, das mit 22° C nicht gerade kalt ist, und genießen den Abend am nördlichsten Punkt unserer Reise.

Tag 14 – Der Rückweg beginnt (25/VII)

Sommer, Sonne, blaues Wasser und bester Wind – irgendwie ist es schade, den Rückweg anzutreten. Wir haben uns aber entschieden, nicht bis Norwegen zu segeln und dann der Küste von Jylland nach Süden zu folgen, sondern so lange es geht in Schweden zu bleiben. Daher setzen wir nach dem Frühstück die Segel und dieses Mal geht es über die Fahrwasser in Richtung Lysekil. Da wir den Bereich südlich davon bereits kennen, laufen wir in den Gullmarn Fjord, ein Gewässer, dass mit seinen bewaldeten Bergen und einer Tiefe von über 100m sofort an die Fjorde in Norwegen erinnert. Weit segeln wir aber nicht in diese Sackgasse, sondern folgen dem inneren Fahrwasser nach Süden, wobei wir einen Abstecher um die hübsche Insel Bassholmen machen. Hier befindet sich eine kleine Werft und mitten in dem herrlichen Naturreservat sehen wir auch endlich mal eine größere Ansammlung schwedischer Holzboote.

Das Fahrwasser zwischen Flatön und Skaftölandet ist sehr eng und so müssen wir doch einiges an Strecke unter Motor zurück legen, denn an Kreuzen ist hier nicht zu denken. Über den Ellösefjorden segeln wir Richtung Gullholmen und obwohl der Ort zum Verweilen einlädt, nutzen wir den herrlichen Wind und segeln südwärts. Wieder geht es durch die engen Fahrwasser südlich von Orust und obwohl wir gerne einen Abstecher nach Käringön gemacht hätten, zieht es uns nach Mollösund.

volle Distanz: 29.65 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.33 knots
Gesamtzeit: 07:20:49

Der niedliche kleine Ort, der in der Hauptsaison leider mehr als überfüllt ist, lädt durch seine Lage am Meer, die alten Holzhäuser und den netten Hafen zum verweilen ein. Leider sind wir zu spät für einen der wenigen Fischhändler der Gegend, und so gehen wir Abends essen, genießen Meeresfrüchte der Region, und verschieben den Einkauf auf den kommenden Tag.

Das wichtigste im Hafen ist aber vor allem eins: Schatten! Während in Mittel-Schweden bis zu 80 Brände lodern, in Griechenland fast 100 Menschen verbrannt sind und in Norddeutschland die 40° C Marke geknackt wird, erfreuen wir uns zwar am kühlen Seewind, leiden aber auch unter der gnadenlos brennenden Sonne.

Tag 16 – Die schönsten Ecken findet man durch Empfehlungen (26/VII)

Unser Frühstück in Mållösund findet noch später als gewöhnlich statt – der Fischladen öffnet erst um 10 Uhr. Nach einem leckeren Essen setzen wir zur Verwunderung vieler die Segel schon im Hafen und dann geht es mit rauschender Fahrt durch den Kråkefjord nach Süden. Vor uns liegen die Gewässer westlich von Tjörn und da wir die Insel auf unserem Hinweg östlich umfahren haben, sind sie für uns unbekannt.

Der Kyrkesund, östlich von Härön, ist zwar schon sehr schön, aber das Fahrwasser um Hjärterö gehört zu den spektakulärsten unserer Reise. Hier muss man alle paar Meter den Kurs ändern, überall gucken Felsen aus dem Wasser und es verwundert nicht, das Nicolas uns diesen Ort für eine Übernachtung empfohlen hat. Für uns ist es aber noch zu früh und so geht es weiter nach Süden. Auf dem Bäckeröfjord machen wir dann einen Fehler: Wir setzen unseren Kurs an Mossholmen vorbei und merken erst 20 Meter vor der dortigen Brücke, dass diese für uns zu niedrig ist. Glücklicherweise stehen die Durchfahrtshöhen an allen Brücken dran, und so können wir noch rechtzeitig umkehren, und durch das unbetonnte Gewässer zum Fahrwasser westlich von Klädesholmen laufen.

Marstrand lassen wir östlich liegen und laufen weiter nach Süden, bis wir südlich von Hyppeln die kleine Insel Lindholmen vor uns sehen. Dieser Ort ist eine Empfehlung von Stig Ekblom, den wir mit seiner Schäre auf Vaxholmen getroffen hatten, und mit dem wir seit dem im Kontakt sind.

volle Distanz: 23.93 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.30 knots
Gesamtzeit: 06:14:39

Lindholmen bietet alles, was man von einer Schäre erwartet – vor allem aber einen sehr geschützen Liegeplatz und eine herrliche Insel. Nach dem Abendessen machen wir einen ausgedehnten Spaziergang und genießen den Sonnenuntergang über dem Skagerrak.

 

Kategorien: Törns

Ein Kommentar bisher.

  1. Joerg Meier sagt:

    Hallo Ihr 2 von Lotte, wir kennen uns aus Wackerballig, wir von der Blue Pearl, sind uns im Möllnsund entgegen gekommen, wir vom Baldeneysee aus Essen, ja so war der Sommer 2018, Ihr habt es toll beschrieben, unser Highlight war Väderöarna „The stormy Islands“ bis Koster Island mit den Seehunden ! Vielen Dank an Euch für die schönen Berichte aus dem Ruhrgebiet Lieben Gruß von der Blue Pearl GER 1086 Biggi & Joerg Meier