Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

 

Tag 28 – Ab in die Südsee (07/VIII)

Aufgrund der angekündigten Starkwindlage, wollen wir rasch Meilen nach Westen machen; so verlassen wir bei bestem Wetter aber viel zu wenig Wind den süßen kleinen Hafen von Femø und setzen Kurs auf den Großen Belt.

Da die Wetterlage nicht ganz klar ist, entscheiden wir Langeland nördlich zu umfahren – bei wenig Wind läuft LOTTE einfach besser, wenn dieser nicht von hinten kommt. Langsam geht es dem Belt entgegen, da fallen uns einige weiße Punkte auf dem Wasser auf. Beim heran Segeln stellen sich diese als tote Schwäne heraus – erst einer, am Ende knapp 30. Wir informieren die Behörden, denn so ein punktuelles und dabei noch so massives Auftreten von Vogelsterben ist sehr ungewöhnlich.

Auf dem Großen Belt ist dann der Wind komplett weg und wir starten den Motor. Über die großen Fahrwasser und bis an die Nordspitze von Langeland bringen uns die arabischen Winde, dann geht es schlagartig wieder richtig gut und hart am Wind. Wir verfolgen Socorro und kurz bevor wir den Eingang zum Svendborgsund erreicht haben, holen wir sie ein – endlich mal wieder ein paar Bilder von LOTTE.

Kurz überlegen wir, ob wir gemeinsam bei Thurø ankern, aber bei uns läuft es gerade perfekt und so laufen wir mit der letzten Abendbrise noch bis Strynø

volle Distanz: 44.47 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.43 knots
Gesamtzeit: 10:29:58

Auf dieser kleinen Insel sind wir immer wieder gern – vor allem, da wir hier vor 10 Jahren Bärbel und Helmut kennen gelernt haben! Bei diesem Besuch sehen wir aber nicht viel von der Insel, ein schnelles Essen, eine ausgiebige Dusche und dann geht es auch schon ins Bett – wir wollen morgen noch den angekündigten Ostwind nutzen!

Tag 29 – Endlich Grillen! (08/VIII)

Da wir direkt hinter der offenen Hafeneinfahrt unter dem Riggermast liegen, ist die Nacht leider ziemlich unruhig: Der angekündigte Ost ist eher gekommen und bläst auch noch stärker als erwartet.

So stehen wir (für unsere Verhältnisse) sehr früh auf, verzichten auf ein Frühstück und setzen Kurs Søby, wo wir uns mit Sünje und Martin treffen wollen. Die ersten Meilen kommen wir noch gut voran, dann aber dreht der Wind und kommt direkt von vorn. So lange es geht verzichten wir auf den Motor, aber wenn der West nun auch schon eher gekommen ist, was ist dann mit den angekündigten Gewittern?

Auf der Höhe von Drejø ist der Wind dann komplett weg, dafür ziehen im Westen dunkle Wolken auf. Wie fast alle anderen bergen wir daher die Segel und laufen unter Motor Richtung Hafen. Wie so oft erreichen wir Søby im gleichen Moment wie die Fähre. Daher drehen wir lieber eine Runde vor dem Hafen und quetschen uns nicht noch schnell hin durch, wie das Boot vor uns.

volle Distanz: 15.69 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.44 knots
Gesamtzeit: 03:51:30

Im Hafen liegt Sandemar, und Sünje und Martin braten in der Sonne. Während die Wolkenberge noch eine Pause einzulegen scheinen, machen wir fest und schaffen es sogar noch einen Hotdog zu ergattern, dann kommen 5 Minuten Gewitter. Während wir vom Regen fast vollständig verschont bleiben, erwischen uns einige Ausläufer der Böenwalze, aber auch die sind recht moderat.

Bei einem Gespräch mit dem Hafenmeister erfahren wir, dass das seit Wochen herrschende Grillverbot endlich aufgehoben wurde, und so planen wir einen gemeinsamen Grillabend. Zusammen gehen wir einkaufen und während wir uns um das Fleisch kümmern, erhalten wir von Sünje eine perfekte Beratung für die passenden Biere.

Es wird ein schöner Abend mit netten Gesprächen an einem schönen Ort – die Grillplätze in Søby sind wirklich toll! Zu spät wird es aber nicht, denn die Front soll uns bereits morgen Nachmittag erreichen.

Tag 30 – Rechtzeitig im Hafen (09/VIII)

Sonne und kein Wind – der letzte Seetag unseres Sommertörns beginnt so, wie leider viel zu viele auf dieser Reise. Nach einem schönen Frühstück machen wir uns unter Motor auf den Weg nach Wackerballig. Wir setzen nicht mal die Segel, denn der Kleine Belt liegt vor uns wie Öl.

Sandemar nimmt eine Jolle ins Schlepp, denn paddelnd kommt man heute nicht nach Deutschland. So macht sich unsere kleine Gruppe auf den Weg, und bis kurz vor Kalkgrund bleibt die Flaute. Dann kommt tatsächlich etwas Wind und wir können die letzten Meilen bis zum Heimathafen segeln.

volle Distanz: 21.73 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.88 knots
Gesamtzeit: 04:32:00

Kaum sind wir fest, da beginnt der Regen – irgendwie ist unser Sommertörn ganz plötzlich vorbei. Die nächsten Stunden regnet es immer mal wieder und die Wolken werden dichter und dunkler, da ist der kurze Besuch von Dorothea, Alexander, Malte, Carsten und Ole ein willkommener Stimmungsaufheller.

Abends sitzen wir dann im Wackerpulco und lassen den Törn ausklingen, während draußen der Wind immer weiter zunimmt.

Tag 31 – Reinschiff! (10/VIII)

Mitten in der Nacht setzt der Südwest dann richtig ein und überall klappert und pfeifft es in den Riggs. Als der Sturm seinen Höhepunkt erreicht hat und die Böen mit Windstärke 9 über den Hafen fegen, machen mir eine kleine Runde und kontrollieren alle befreundeten Boote, dann geht es wieder in die Koje. Da der Sturm nicht aus Nordwest kommt, liegen wir im Hafen sehr ruhig und können noch gut ein paar Stunden schlafen.

Gegen 7 Uhr wachen wir plötzlich auf: LOTTE bewegt sich kaum noch. Ein rascher Blick nach draußen zeigt, dass das Wasser in den letzten 3h um über einen Meter gefallen ist. Das macht auch unsere ausgeklügelte Leinenführung nicht mit, und so müssen wir am Steg etwas nachlassen – wie gut, dass wir ein hohes Nachbarboot haben, denn sonst würden wir kaum noch an oder von Bord kommen.

Den Tag über machen wir Reinschiff, während der Wind noch immer mit 6 bis 7 Bft. über die Bucht fegt. LOTTE wird aber nicht nur überall geputzt, wir entladen auch alle die Dinge, die nur für den Sommertörn an Bord waren – gefühlt sind das zwei Wagenladungen an Material.

Am Abend sind wir (nicht nur mit LOTTE) fix und fertig, aber wir machen uns trotzdem noch auf den Weg nach Arnis. Dort ist heute der Auftakt für die Veranstaltung Musik am Noor und Jochen&Christiane hatten uns dazu eingeladen. Was für ein Unterschied zwischen den Häfen: Während es in Wackerballig noch kräftig pfeifft, liegen die Boote in Arnis ruhig und fast windstill.

Es ist eine phantastische Stimmung! Auf Pontons gehen wir über das Noor und alle Boote haben über die Toppen geflaggt! Bei schönstem Sommerwetter treffen wir viele Freunde und andere bekannte Gesichter, während in der Werfthalle verschiedene Gruppen die Bühne rocken.

Erst sehr spät, und entsprechend müde, machen wir uns auf den Weg nach Wackerballig – hoffentlich schaffen wir es im kommenden Jahr wieder nach Arnis zur Musik am Noor!

Tag 32 – Saphir wird eingeweiht (11/VIII)

Bei Starkwind und Sturm, bei schwankenden Wasserständen und mit einem fast unbekannten Boot wollten Eva und Benno ihre Saphir lieber nicht alleine lassen. Trotz anderer Termine kommen die beiden lieber nach Wackerballig und so ist genug Gelegenheit das tolle neue Boot gebührend zu feiern. Während der Starkwind draußen noch immer die Schauer vor sich hertreibt, bereiten wir ein tolles Abendessen mit Grillen vor.

Wir sind ja gewohnt an Bord gut zu kochen, aber was Eva mit den beschränkten Mitteln einer Bordküche für uns zaubert in phänomenal – nach dem Essen sitzen wir noch lange unter der Kuchenbude und genießen den Abend, während das Wasser ganz langsam wieder zurück kommt.

Tag 33 – Zuhause (12/VIII)

Am diesem Sonntag endet unser Sommertörn endgültig. Nach einem kurzen Frühstück verlassen wir Wackerballig bei einer Mischung aus Sonne und Wolken und einem leichten West. LOTTE liegt ruhig an ihrem Platz und wartet auf die weiteren Törns der Saison, wir aber lenken unseren Wagen erstmal zu meinem Vater nach Heikendorf und dann zurück nach Hamburg – morgen geht es wieder zur Arbeit.

Kategorien: Törns