Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

Seit dem letzten Post ist es jetzt auch über Nacht warm genug zum Lackieren uns so konnte es in den letzten drei Wochen endlich los gehen! Die leichte Verspätung durch den eisigen Februar haben Robbi und Sebastian dann mit einigen Nachtschichten – an dieser Stelle: VIELEN DANK! – wieder wett gemacht, und so gingen die Arbeiten zügig voran.

In unserem provisorischen Lackierzelt im Nebenraum warteten einige Teile, die wir ja schon  Anfang des Jahres geölt hatten, auf ihren ersten Lack und so konnte es gleich zur Sache gehen. Dieses Mal hatte Sebastian eine besonders schwierige Aufgabe: Der Klarlack sollte so dick es geht aufgetragen werden, es ging um maximale Schichtstärke bei minimaler Anzahl von Laufnasen.

Während in einer Ecke der Werkstatt schon lackiert wurde, war das Boot selber noch nicht fertig abgeklebt… Lack zu spritzen führt zwar zu einem perfekten Ergebnis, aber die Vorarbeiten sind doch um einiges langwieriger. Jede Fläche, die nicht lackiert werden soll, muss penibel abgeklebt werden und auch außen, um das Boot herum, mussten wir alles vor dem feinen Farbnebel schützen. Als erstes war der weiße Lack des Kajütdachs an der Reihe: Unter dem Weiß ist das hölzerne Dach seit jeher mit einer Glasfasermatte belegt und so war es nie eine Frage, ob der 2-K Lack auf dem Dach halten würde. Das perfekte Ergebnis der Dachlackierung vor einigen Jahren führte dann dazu, dass wir auch andere Bootsteile mit dem Kfz-Lack behandelt haben.

Nach dem Abkleben des Daches waren die Klarlackteile im Zelt schon zweilagig fertig und der weiße Farblack angerührt.

Die Arbeit auf dem Boot, in 2,5m Höhe, ohne Reling und leicht schwankend ist jedes Mal wieder eine neue Herausforderung, aber Sebastian meistert diese immer wieder und so ging ihm die Arbeit – trotz schwieriger Umgebung – im wahrsten Sinne des Wortes, locker aus dem Handgelenk. An diesem Tag war es sogar so warm, dass wir die zweite Lage schon nach 15 Minuten spritzen konnten…

…und das Ergebnis spricht für sich:

Der nächste Schritt in der Reihe der Arbeiten war schon wesentlich anspruchsvoller: Es galt das Deck soweit ab zu kleben, dass nur noch einige Teile frei blieben. Diese Arbeit hatten wir zwar im letzten Jahr schon einmal gemacht, aber an vielen Stellen war der Lack einfach verschwunden, an einigen (wenigen) anderen abgeplatzt. Wir führen das auf zwei Gründe zurück:

  • Falsche Untergrundbehandlung – Alle Flächen, auf denen wir bisher mit dem 2K-Lack perfekte Ergenisse erziehlt hatten, waren vorher tief mit Owatrolöl getränkt. Dieses Öl sorgt für zwei Effekte, zum einen schließt es das Holz und der Lack selber (der ja sehr dünn aufgetragen wird) dringt nicht so tief ins Holz ein, zum anderen schützt er den Lack vor Unterwanderung durch Feuchtigkeit. Unsere Beobachtung zeigt, dass Beschädigungen in der Lackoberfläche so lange kein Problem darstellen, wie das Holz da unter gut imprägniert ist. Ist dieser Schutz durch das Öl nicht vorhanden, wird der Lack schnell vom Wasser unterlaufen und platzt ab.
  • Zu geringe Schichtstärke – An einigen Stellen war die mechanische Belastung durch Wind, Regen und die Belastung durch die Sonne einfach zu hoch für die dünne Lackschicht – in diesem Jahr ist das Ziel mindestens 4 Lagen auf zu bringen.

Nach dem Abkleben konnte es dann aber zügig zur Sache gehen, 2 Lagen pro Abend waren leicht zu spritzen.

Schicht für Schicht trugen Robbi und Sebastian unter der Woche dann auf…

… und nach zwei Abenden konnte sich das Ergebnis schon sehen lassen:

Das Problem, mit dem wir alle nicht gerechnet hatten, war dann am Ende das Klebeband! Vier dicke Lagen Klarlack lagen wie eine Glasplatte über dem Holz und dem Abdeckmaterial. Mit einem scharfen Cutter mussten wir alle Kanten vorsichtig anritzen, damit der Lack nicht über den Holz brach…

Bevor wir aber alles entfernen konnten, kam noch der wichtigste Schritt auf dem Weg zu einem perfekten Lackierergebnis: Das Polieren. Da Polieren im Prinzip nichts anderes als extrem feines schleifen ist, wird die Lackstärke beim Polieren dünner – damit diese nicht am Rand geschieht, haben wir die Klebebänder erst noch an ihrer Stelle belassen.

Da wir nicht immer alle Teile in unser kleines Lackierzelt bekommen hatten, mussten einige zu einem späteren Zeitpunkt lackiert werden – hier baumelt gerade der Baum im Spritznebel. (Merkwürdigerweise hatten sich auch noch zwei weitere Teile dorthin verirrt… wer da nur immer noch mehr rein hängt?)

Letzte Schönheitsreparaturen und/oder vergessen Stellen bekamen dann noch ein Spot-Repair, es gibt eben nix, was Sebastian nicht möglich macht 🙂

Seit einer Woche ist jetzt oben, außen alles fertig und wir sind unten – außen beim Unterwasserschiff, innen bei der Bilge. Den grauen Primer hat Robert unten gestrichen, während Sebastian oben gespritzt und ich in Wilhelmshaven gefaulenzt habe… Jetzt noch zwei lagen Antifouling und LOTTE sieht schon fast wieder wie ein Boot aus!

Kurz über dem schwarzen Streifen, dem Rest des alten Wasserpass, sieht man schon das Klebeband für den Neuen – ein erster Versuch mit einem Rotationslaser… nach Ostern wissen wir dann mehr.

Auf Steuerbord ist LOTTE schon fast fertig geschminkt; mit fast 50 Jahren braucht die alte Dame eben immer so ihre Zeit fürs Schminken.

Die Arbeiten gehen also voran und wir sind (bis jetzt) guten Mutes, dass wir Ostermontag fertig werden. Für unser Zugfahrzeugproblem scheint sich auch eine Lösung gefunden zu haben, mehr Infos gibt es nach Ostern!

Kategorien: Winterarbeit

2 Kommentare bisher.

  1. kreisch sagt:

    habt ihr die ganze zeitung vorher auch gelesen??

    …großes lob für die herren – es schaut perfect und schön aus.

  2. Deborah sagt:

    Beautiful…happy sailing!