Sundowner vom Grill : Folkeboot Lotte

Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

05
Jun
2018

Sundowner vom Grill

Pfingsten ist das dritte lange Wochenende in diesem Mai, uns es beginnt wie die anderen auch: Ein leichter Ostwind streicht über den Hafen und die Sonne steht am strahlend blauen Himmel.

Zum Auftakt von Ike und Karins Pfingsttörn wollen wir die beiden ein Stück begleiten und Abends zusammen Grillen – nur wohin soll die Reise gehen? Da die beiden nach Norden und wir nach Osten wollen, entscheiden wir uns für Mommark – ein guter Kompromiss und ein perfekter Ausgangshafen für unsere weiteren Ziele. Nach dem Frühstück geht es für uns unter Segeln aus dem Hafen und schon bald folgt Lycka. Bei halbem Wind kommen wir flott aus der Bucht und da wir mal wieder über den Kalkgrund abkürzen, erreichen LOTTE und Lycka fast zeitgleich die dänischen Hoheitsgewässer.

Leider nimmt der Wind aber immer weiter ab und so geht es ab Kegnæs nur noch sehr langsam voran. Wir kochen Kaffee und warten auf Wind. Als die Ostsee immer glatter wird, starten wir den Motor und laufen bei absoluter Flaute kurz hinter Lycka in den kleinen Hafen von Mommark ein – was für eine Fülle dort wieder herrscht! Selbst für ein Folkeboot ist keine Lücke zu finden, und so gehen wir neben Lycka als vierte ins Päckchen.

volle Distanz: 16.68 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.49 knots
Gesamtzeit: 05:44:08

Nach einem Besuch auf einem weiteren Folke machen wir uns an die Vorbereitungen zum Grillen, doch leider ist keine Bank mehr frei. Daher besetzen wir ganz einfach die Hafenmole und grillen dort, im Schatten des kleinen Leuchtturms, ein vorzügliches Dry Aged Entrecôte. Bei bester Stimmung kommt unser Sundowner vom Grill und wir verlassen die Mole erst, als es schon ziemlich dunkel ist.

Am Sonntag trennen sich die Kurse von Lycka und LOTTE. Während wir die Segel setzen und nach Osten aufbrechen, geht es für Ike und Karin nach Norden. Wind und Wetter sind perfekt und wir kommen zügig über den Kleinen Belt. Unser Ziel ist die Insel Avernakø, die man am besten nicht in der Hauptsaison besucht; der kleine Hafen an der Nordseite ist im Sommer stets überfüllt.

Als wir uns der Insel, die ursprünglich aus den beiden Inseln Avernak und Korshavn bestand und in ihrer jetztigen Form erst seit einem Dammbau 1937 existiert, nähern, sehen wir aber noch reichlich Plätze. Kurze Zeit später kommen dann auch Martin und Lars mit ihrer Songlines im Hafen an. Es ist schon faszinierend zu sehen, wie Lars die riesige Malö in eine kleine Box manövriert, während wesentlich kleinere Schiffe sich um die Plätze an der Mole streiten.

volle Distanz: 10.53 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 3.92 knots
Gesamtzeit: 02:56:44

Nach einem gemeinsamen Kaffee geht es an den Strand – Martin, Lars und Robbi wollen baden. Auch wenn die See hier nur knapp 15°C hat, stürzen die drei sich in die Fluten – ihr Mitsegler und ich bleiben lieber am Strand und machen Bilder.

Auf LOTTE gibt es dann erstmal einen Drink, bevor wir alle zum Grillplatz ziehen – das Wetter ist herrlich!

Am Pfingstmontag weht ein steifer Ost und die Sonne bleibt hinter vielen Wolken verborgen. Da freuen wir uns über eine Einladung zum Frühstück, bevor es dann frisch gestärkt Kurs Heimat geht. Noch im Hafen setzen wir die Segel und dann geht es mit rauschender Fahrt auf den Kleinen Belt. Nach einiger Zeit zieht Songlines an uns vorbei, ein paar Bilder und Videos, ein letzter Gruß und dann verschwindet die Malö im Dunst des Frühlingstages.

Auf der Höhe von Gammel Pøl passiert dann das Unvermeidliche: Der Wind ist weg! An dieser Ecke spielt der Wind immer verrückt, mal briest er auf oder verschwindet komplett, mal segeln drei Boote mit achterlichem Wind direkt aufeinander zu. Da die Wellen das Boot tierisch durchschütteln, helfen wir ein Stück mit dem Motor nach. Kurz vor dem Kalkgrund ist der Wind dann aber wieder da und bei einem herrlichen Anlieger fliegt LOTTE förmlich auf ihrem Heimathafen entgegen – so muss Segeln sein!

volle Distanz: 24.21 NM
Durchschnittsgeschwindigkeit: 4.74 knots
Gesamtzeit: 05:22:55

Wir beschließen das Wochenende an Bord ausklingen zu lassen und bleiben noch eine Nacht auf LOTTE – solche Tage sind einfach unbezahlbar. Am Dienstag geht es dann ganz früh nach Hamburg, aber ich muss nur 4 Tage arbeiten, dann beginnt der nächste Trip mit unserer alten Dame.

Kategorien: Törns