Folkeboot Lotte

ein halbes Jahrhundert auf der Ostsee

In diesem Jahr haben wir weder mit der Vorsaison, noch mit der Nachsaison Glück – von 9 Tagen um den 1. Mai und auch 9 Tagen um den 3. Oktober können wir nur wenige richtig segeln…

Wie schön ist doch die Erinnerung an so manche langen Wochenenden im goldenen Oktober – in den Gedanken mischen sich die letzten warmen Sonnenstunden mit dem Morgennebel in den kleinen Buchten. So hätten wir die Saison 2019 gerne abgeschlossen, aber schon der Sturm am letzten Septemberwochenende ließ diese Hoffnung sterben.

Extra früh machen wir uns am Freitag, den 27. September, auf den Weg zu LOTTE – im Gepäck alles, was man für eine Woche dänische Südsee in der Nachsaison benötigt. Für Samstag sind noch Starkwinde aus westlichen Richtungen angesagt, die Schauer sollen aber im Laufe des Vormittags abziehen und ab Sonntag soll es schön werden.

Pustekuchen! Die ganze Nacht prasselt der Regen auf unser Deck und auch am Morgen hört er nicht auf. Vom Starkwind getrieben, hetzen die dunklen Wolken über die Bucht und wir sind froh, überhaupt trocken mit den Brötchen vom Auto zu den Booten zu kommen. An Segeln ist bei diesem Wetter nicht zu denken, zumal es auch nicht wirklich warm ist… So sitzen wir lange beim Frühstück und überlegen, was wir abends gemeinsam kochen könnten.

Die Wetterprognose wird immer schlechter, am Samstag Abend sprechen DMI und YR von einem kleinen Sturmgebiet, das am Montag über die Beltregion ziehen soll – immerhin aber ohne Regen. So verbringen wir den Sonntag eben auch an Bord und nutzen jede Gelegenheit, uns in einer Regenpause die Beine zu vertreten.

In der Nacht zum Montag dreht der Wind auf, lässt die Boote im Hafen schaukeln und treibt das Wasser aus der Bucht – in der herrlichen Morgensonne sehen wir überall zwischen Hafen und Strand: Sand. Der Wind ist eisig, aber in Windschatten und Sonne lässt es sich aushalten und so genießen wir das Frühstück im Cockpit, bevor wir zu einem Spaziergang in Habernis aufbrechen.

Dienstag soll der Wind etwas nachlassen, aber pfeift noch mächtig in den Wanten und auch das schreckliche Geklapper auf den anderen Booten nimmt nur langsam ab. Wieso zum Teufel können 80% der Bootseigner ihre Fallen nicht vernünftig sichern?

Erst Mittwoch hat der West endlich nachgelassen, schon am Dienstag Abend pfeift es weniger in den Riggs und beim Frühstück haben wir die angesagten 4 bis 5Bft und beste Sonne. Auf der Bucht tanzen nur noch kleine Schaumkronen und so gibt es für uns kein Halten mehr: Mit vollen Segeln geht es aus der Bucht und dann Richtung Dänischer Südsee.

Kurz hinter Kegnæs kommt der Wind zurück. Ohne Vorwarnung legt er auf 6 Windstärken zu, in Böen pfeifen obere 7. Da wir vor dem Wind segeln, wird es zwar nicht gleich wieder so kalt, aber durch die immer höheren Wellen ist es schwierig zu steuern. Kurz überlegen wir nach Mommark zu laufen, aber das hieße für die letzten Meilen einen harten Anlieger zu fahren und darauf haben wir bei diesem Wetter wahrlich keine Lust. So bleiben wir auf unserem Kurs nach Lyø und schon bald sind wir auf dem offenen Belt.

Unter den dunklen Wolken wird es auch empfindlich kälter, vor allem, als wir härter an den Wind müssen, aber schon bald liegt Lyø vor uns und wir kommen in den Schutz der Insel.

Das Anlegemanöver in den langen Boxen ist normalerweise bei starkem Seitenwind nicht so einfach (wie wir mal wieder bei vielen anderen sehen dürfen), aber wir haben Glück: Die erste Box an der Brücke ist frei und so setze ich Robbi genau gegen den Wind auf dem Zugangssteg ab, und während LOTTE ganz friedlich an einer Vorleine hängt, machen wir die anderen Festmacher so klar, dass wir ganz ohne Motor, nur an zwei Leinen in Luv geführt, das Boot in die Box ziehen können.

Während wir noch ein paar anderen Booten helfen (die der irrigen Meinung sind, dass sich riesige Yachten wie ein Auto in eine Parklücke fahren lassen, wenn man nur genug mit dem Motor oder dem Bugstrahler hantiert), sehen wir am Horizont Saphir aufkommen. Leider bringen Benno&Eva auch den Regen mit, aber wir sind ja schon fest, und den Abend verbringen wir dann auf der großen Opus.

Segeln heißt: jeden Tag neu planen. Ursprünglich wollten wir eine Woche in die Südsee, dann kam der Wind. Gestern war die Prognose noch so, dass wir nur nach Lyø und dann zurück nach Wackerballig segeln wollten, heute öffnet sich das Fenster mit dem guten Wetter und so bleiben wir in der dänischen Inselwelt und setzen Kurs Birkholm.

Ein frischer Nordwest bringt uns schnell an Bjørnø vorbei, aber auf Höhe von Avernakø nimmt er immer weiter ab, und ab der Südspitze von Drejø dürfen wir die Herbstsonne in großzügigen Flautenfeldern genießen.

Immer, wenn wir gerade wieder den Plan fassen nach Drejø zu laufen, kommt aber etwas Wind und so geht es weiter nach Süden, bis es kurz vor unserem Ziel wieder aufbrist und unter den aufziehenden Wolken auch ziemlich kalt wird.

Der Hafen von Birkholm ist erwartungsgemäß fast leer und so lassen wir nach der Ankunft die Boote erstmal liegen und begeben uns auf einen Inselspaziergang im letzten Abendlicht.

Nachdem wir die süße Insel besucht – und im Versammlungshaus tatsächlich noch ein Eis gefunden haben – klarieren wir die Boote und dann wird gekocht – da es früh dunkel wird, haben wir dafür viel Zeit und genießen gemeinsam den Abend auf Birkholm.

Obwohl die Wetterprognose stabil bleibt, wollen wir nicht weiter nach Süden und so setzen wir am Freitag wieder Kurs Nord. Zwischen Drejø und Korshavn dringen wir etwas tiefer in die Inselwelt vor, dann erreichen wir Bjørnø und der Wind dreht. So müssen wir die letzten Meilen kreuzen, aber trotzdem erreichen wir schon bald Dyreborg und rutschen mit LOTTE in eine perfekte Box zwischen zwei größeren Yachten.

Saphir hat einige Probleme mit dem relativ engen und für Benno&Eva unbekannten Hafen, aber nachdem LOTTE fest ist, finden wir gemeinsam einen Platz für die Opus und erkunden danach erstmal die schöne Umgebung des Hafens, die nicht nur hügelig, sondern auch extrem hyggeligt ist – das dänische Wort für gemütlich.

Am Samstag weckt uns die strahlende Herbstsonne und wir stecken die Nasen durch das Lug in die eisige Morgenluft. Der Wind soll einen Tag aus östlichen Richtungen kommen und schon die Kälte bestätigt diese Prognose.

Auf Saphir gibt es dann ordentlich Heißgetränke zum deftigen Seemannsfrühstück, dann setzen wir Segel und Kurs nach Wackerballig – Sonntag soll das Wetter wieder schlechter werden.

Auf dem rauschenden Ritt über den Kleinen Belt überlegen wir öfter noch eine Nacht Zwischenstopp in Mommark zu machen, aber wir denken an die Unbeständigkeit des Wetters sowie die immer schlechteren Prognosen und bleiben auf Kurs Wackerballig.

Bei bester Sonne, aber schon mit einigen dunklen Wolken hinter uns, erreichen wir unseren Heimathafen und das zum letzten Mal in diesem Jahr: Statt die Segel auf zu tuchen nehmen wir sie ab – LOTTES Saison 2019 ist zu Ende.

Zusammen mit Ike&Karin, die wegen des angekündigten Wetters am Sonntag im Hafen geblieben sind, beschließen wir unseren Herbsttörn und schon beim Frühstück am Sonntag zeigt sich, wie gut unsere Entscheidung war: Ein eisiger Wind treibt mal wieder Schauerböen über die Bucht.

Kategorien: Törns